Telecom Italia lagert Festnetzinfrastruktur aus

Operativ tritt der Ex-Monopolist auf der Stelle - Dividende auf Vorzugsaktien - Gewinn unter Erwartungen

Telecom Italia lagert Festnetzinfrastruktur aus

tkb Mailand – Telecom Italia (TIM) will die Infrastruktur des Festnetzgeschäfts ausgliedern. Die Netze sollen in eine neue Gesellschaft übertragen werden. “Netco” werde zunächst zu 100 % von Telecom Italia kontrolliert. Der Wert der neuen Gesellschaft wird von Analysten auf 15 Mrd. Euro geschätzt. Die Marktkapitalisierung von Telecom Italia Mobile macht derzeit mit 15,7 Mrd. Euro nur unwesentlich mehr aus. Durch die Ausgliederung soll Wettbewerbern derselbe Zugang verschafft werden wie Telecom Italia, wird mitgeteilt. Die Idee, das Netz auszugliedern, stammt ursprünglich von der italienischen Regierung. Beabsichtigt war, dass sich der Einfluss der französischen Vivendi auf die als strategisch wichtig bezeichnete Infrastruktur verringert. Vivendi hält 24 % der Anteile an Telecom Italia. Der jüngst erfolgte Einstieg des US-Hegefonds Elliott (vgl. BZ vom 7. März) droht jedoch die Rolle von Vivendi bei TIM zu schwächen. Angeblich will Elliott ihre kürzlich erworbene Beteiligung von knapp 3 % an Telecom Italia aufstocken und besteht auf eigenen Mitgliedern im Board. Der Verwaltungsrat wird in der am 24. April angesetzten Hauptversammlung gewählt. Hedgefonds willkommenDie TIM-Aktie legte am Mittwoch zeitweise mehr als 2 % zu. Der erst seit wenigen Monaten amtierende TIM-Chef Amos Genish erklärte in einer Telefonkonferenz, dass Elliott, hinter der der aktivistische Investor Paul Singer steht, als neuer Aktionär willkommen sei. Genish werde gerne mit Singer über die Governance diskutieren.Telecom Italia hat zur Wochenmitte zudem Jahreszahlen vorgelegt. Der Umsatz legte zwar leicht um gut 4 % auf 19,8 Mrd. Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) blieb jedoch mit knapp 7,8 Mrd. hinter der durchschnittlichen Analystenprognose von 7,9 Mrd. Euro zurück. Auch der Nettogewinn fiel mit 1,1 Mrd. Euro geringer aus als erwartet (1,3 Mrd. Euro). Der Gewinn hat sich infolge von Sonderbelastungen im Jahresvergleich um 700 Mill. Euro verringert. Telecom Italia will im laufenden Jahr eine Dividende von 2,75 Cent je Vorzugsaktien ausschütten. Genish deutete zugleich an, dass in den kommenden drei Jahren auch eine Dividende auf Stammaktien “möglich” und ein Wandel von Vorzugs- in Stammaktien nicht auszuschließen sei. GlasfaserausbauDer von Experten als äußerst konservativ bezeichnete Dreijahresplan sieht bis 2020 rund 9 Mrd. Euro an Investitionen vor. Diese sollen die Digitalisierung des Unternehmens vorantreiben. Allein in Brasilien sollen 3 Mrd. Euro investiert werden. Das Glasfasernetz in Italien soll bis 2020 gut vier Fünftel der Haushalte in den 100 wichtigsten Städten des Mittelmeerlandes erreichen.