Telekom startet Corona-App
Telekom startet Corona-App
In China hat die Telekombranche maßgeblich zur Bewältigung der Coronakrise beitragen. China Mobile und China Telecom stellten Videokonferenz-Programme, Huawei 5G-Technik und Roboter mit künstlicher Intelligenz zur Diagnostik. Auch hierzulande schlägt die Stunde der Telemedizin. Manche App kommt mit geringem Aufwand, andere brauchen vor allem eins: Bandbreite.Von Heidi Rohde, FrankfurtIn der Krise schlägt die Stunde der Telemedizin. Digital gestützte Diagnostik und Information können in der gegenwärtigen Krise in mehrfacher Hinsicht nützlich sein: Sie entlasten das System und beschleunigen zugleich wichtige Prozesse. Das viel beschworene Abstandsgebot wird dabei automatisch eingehalten. Die Deutsche Telekom geht mit einer Corona-App an den Start, die von Telekom Healthcare Solutions in Zusammenarbeit mit SB Software Development entwickelt wurde. Sie ist dazu gedacht, das gegenwärtige Testverfahren wesentlich zu beschleunigen, indem Prozesse automatisiert und Informationen schneller bereitgestellt werden, so dass auch bei gegebener Infektion schneller reagiert werden kann.Zurzeit wird das Verfahren noch “datenschutzrechtlich geprüft”, dann soll die Covid-19-App, die Patient und Laborwert mittels eines QR-Codes verknüpft, in App Store und Play Store verfügbar sein. Nutzer der App erhalten dann automatisch eine Push-Mitteilung, sobald ihr Befund feststeht. Allen Laboren in Deutschland wird die App kostenlos angeboten, eines davon, das sich schon vorregistriert hat, ist das Labor Dr. Wisplinghoff in Köln, das täglich 5 000 Tests durchführt.”Die App ersetzt die zeitintensive telefonische Abfrage der Ergebnisse. Sie hilft damit sowohl Patienten als auch Ärzten und Gesundheitsämtern, die an der Belastungsgrenze und darüber hinaus arbeiten”, erklärt Mark Düsener, Gesundheitschef der Deutschen Telekom. “Patienten mit negativem Befund müssen nicht mehr anrufen, um nach ihrem Testergebnis zu fragen.”Der Manager geht davon aus, dass die Coronakrise die bisher eher schleppende Entwicklung des Geschäftsfelds E-Health, “wo wir bei der Telekom bisher im wesentlichen Grundlagenarbeit geleistet haben”, deutlich beflügeln wird. Bessere Voraussetzungen seien durch das Digitale Versorgungsgesetz, das den Erstattungsprozess von digitalen Gesundheitsanwendungen durch die gesetzlichen Krankenkassen regelt, bereits geschaffen. In der Krise werde aber der Nutzen der Telemedizin noch deutlicher.”Wir registrieren nun mehr Unterstützung durch die Politik”, versichert Düsener. Experten rechnen damit, dass der Bereich von 2013 bis Jahresende um knapp die Hälfte gewachsen sein wird. Von dem Wachstumsmarkt will die Telekom nicht nur mit Applikationen, sondern vor allem auch im Cloud-Geschäft profitieren. In der “Telekom Healthcare Cloud” biete sie sozusagen “Datenschutz made in Germany”, wie Düsener betont.Auch Vodafone hat auf die Krise reagiert. Das Unternehmen ist Technologiepartner des vom Start-up Corevas entwickelten Programms Emergency Eye, eines Video-Chat-Systems zur medizinischen Ersteinschätzung, das ursprünglich für Rettungsleitstellen gedacht war, nun aber eine deutlich breitere Anwendung finden soll. Auch hier geht es darum, auch aus der Distanz gezielt zu helfen. Das System ist “bewusst nicht als App konzipiert”, erklärt Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter. Es kann in Klinikambulanzen, Arztpraxen und anderen “Hotspots” auf dem Computer installiert werden. Patienten, die Rat und Hilfe zunächst per Anruf suchen, bekommen per SMS auf jedes beliebige Smartphone einen Link und können so ohne weitere Voraussetzungen dem Chat beitreten. “Auf diese Weise senken wir die technischen Hürden so weit als möglich, um effektiv zu helfen”, so Ametsreiter.Die “Nicht-App”-Lösung umgeht auch die Frage, die einem demokratischen Rechtsstaat auch in der Krise näherliegt, als dies möglicherweise in China der Fall ist, nämlich die nach den datenschutzrechtlichen Hürden für die Telemedizin. Sie spiegeln sich in der aktuellen Diskussion um die vom Bundesgesundheitsministerium angedachte “Tracking-App” via Smartphone und die alternative Warn-SMS mit Corona-Entwicklungen an alle Handy-Besitzer.Die Telekombranche hofft indes, dass sich Datenschutzfragen, die das Geschäftsfeld Telemedizin über Jahre gehemmt haben, nun schneller klären. Denn der Fortschritt, den die Chinesen in der Krise demonstrieren konnten, ist beachtlich. Dort haben China Mobile und China Unicom nicht nur Videokonferenztechnik für Beratung und Erstdiagnostik bereitgestellt, sondern auch in hohem Maße 5G eingesetzt. So kam ein von Huawei mitentwickelter Roboter zum Einsatz, der nicht nur massenhafte Lungenröntgenaufnahmen, sondern auch ihre Auswertung mittels künstlicher Intelligenz ermöglichte. Die Diagnosesicherheit – ohne Kontakt mit medizinischem Personal – lag den Angaben zufolge bei weit über 90 %. Der Roboter generierte allerdings ein Datenvolumen von 2 Terabite am Tag und erforderte eine Internetbandbreite von 50 Mbit, die mit 5G dargestellt wurde. Das Beispiel zeigt, dass hierzulande noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden (können).