Tesla geht die Straße aus
Tesla geht die Straße aus
Von Sebastian Schmid, FrankfurtAm Dienstag hat die zuletzt arg geprügelte Tesla-Aktie wieder etwas Aufwind erhalten. Um bis zu 5 % legten die Titel des Autobauers im frühen New Yorker Handel zu, nachdem Gründer und CEO Elon Musk wissen ließ, man habe Ende des ersten Quartals bereits 2020 Model 3 in einer Woche fertigen können – fast ein Drittel der gesamten Produktion der Monate Januar bis März. Dass die Erwartungen der Analysten im Quartal und die eigene Prognose für das Produktionsniveau per Ende März einmal mehr verfehlt wurden, überraschte längst keinen mehr. Die Verfehlung der Schätzungen ist von Anlegern ohnehin längst eingepreist worden. Schlechter ScherzJede halbwegs zuversichtliche Schlagzeile wie die Verfehlung des Produktionsziels um weniger als ein Fünftel wird angesichts der jüngsten Ereignisse positiv aufgenommen: Ein tödlicher Unfall unter Einsatz der autonomen Fahrhilfe Teslas, anhaltende Probleme beim Hochfahren der Produktion des Model 3 sowie ein missglückter Aprilscherz von Musk haben die Aktie des Elektroautopioniers zuletzt in die Spitzengruppe auf den Verkaufszetteln der Research-Teams gehievt. Tesla sei “komplett und total pleite”, hatte Musk am 1. April via Twitter verbreitet. Ein Scherz, bei dem angesichts der Entwicklung von Verschuldung, Zinsaufwand und operativem Ergebnis so manchem Anleiheinvestor das Lachen im Halse stecken geblieben sein dürfte. Vergangenes Jahr hat sich die Nettoverschuldung der Kalifornier von 3,7 Mrd. auf 6,9 Mrd. Dollar nahezu verdoppelt. Damit machen die Nettoschulden bereits knapp das 15-Fache des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen aus (Ebitda). Rechnet man die Schulden der Tochter Solar City hinzu, übersteigen diese bereits die Grenze von 10 Mrd. Dollar und entsprechen knapp dem 22-fachen Ebitda. Der Zinsaufwand hat sich zudem um knapp 140 % auf 471 Mill. Dollar gesteigert.Als ob das nicht schon problematisch genug wäre, ist eine baldige Rückkehr an den Kapitalmarkt praktisch unausweichlich. Laut Bloomberg reichen die vorhandenen Mittel ohne neuerliche Kapitalmaßnahme nicht einmal bis Jahresende. In den kommenden zwölf Monaten stehen gut 1,2 Mrd. Dollar an Anleihen zur Ablösung an. Zugleich rechnen Marktbeobachter mit einem Barmittelabfluss von 2 Mrd. Dollar im laufenden Turnus. Und allein auf Musks Charme wird sich Tesla kaum mehr verlassen können. Schon jetzt deutet sich bei den noch ausstehenden Anleihen an, dass die Geduld der Bondinvestoren zunehmend aufgebraucht ist. Die bis 2025 laufenden Bonds, die mit einem Coupon von 5,3 % ausgestattet sind, werden derzeit laut Creditsights zu einer Rendite von 7,6 % gehandelt. Bei den unbesicherten Anleihen des Elektroautobauers bleibe man daher klar beim Urteil “Underperform”, schreiben die Creditsights-Analysten.