Thermo Fisher zahlt 9,1 Mrd. Euro für Qiagen

US-Laborausrüster betont strategische Logik - Closing erst im nächsten Jahr erwartet - 200 Mill. Dollar an Synergien versprochen

Thermo Fisher zahlt 9,1 Mrd. Euro für Qiagen

Am deutschen M&A-Markt ist derzeit viel los: Der US-Konzern Thermo Fisher hat eine Offerte für das größte heimische Biotechunternehmen Qiagen vorgelegt. Der Kaufpreis beträgt 9,1 Mrd. Euro. Die Qiagen-Führung begrüßt das Angebot, nachdem Gespräche Ende Dezember noch abgebrochen worden waren.ak Düsseldorf – Die Unabhängigkeit des größten deutschen Biotech-Unternehmens ist bald Geschichte. Der weltgrößte Laborausrüster Thermo Fisher Scientific will sich Qiagen einverleiben. Die Amerikaner bieten den Aktionären 39 Euro je Aktie, was einem Kaufpreis von 9,1 Mrd. Euro entspricht. Die Offerte bewertet den MDax-Konzern inklusive seiner Schulden von netto knapp 1,3 Mrd. Euro mit 10,4 Mrd. Euro.Es ist eine freundliche Übernahme, die Thermo Fisher Scientific plant. Vorstand und Aufsichtsrat von Qiagen haben gemäß einer Ad-hoc-Mitteilung einstimmig für das Angebot votiert und sind entschlossen, den Anteilseignern die Annahme zu empfehlen.Qiagen hat eine breit gefächerte Aktionärsstruktur und keinen Ankeraktionär. Größter Anteilseigner ist der Vermögensverwalter BlackRock mit 10,6 %. Sechs weitere institutionelle US-Investoren halten jeweils mehr als 3 %. Mehr als die Hälfte der Investoren sitzt in Nordamerika, etwa ein Drittel in Europa.Marc N. Casper, CEO von Thermo Fisher Scientific, hob in einer Telefonkonferenz die strategische Logik der Transaktion hervor. Qiagen habe exzellente Produkte, die mehr als zehn Mal größere Thermo Fisher den weitreichenderen Kundenzugang. Zudem verfügten beide Unternehmen über eine komplementäre Produktpalette. So könne Qiagen das Portfolio an klinischen Tests von Thermo Fisher Scientific mit seinen Tests auf Infektionskrankheiten wie Tuberkulose hervorragend ergänzen. “Die Transaktion passt genau zu unserer Wachstumsstrategie”, betonte Casper. Sie erfülle alle M&A-Kriterien. Sofortbeitrag zum ErgebnisThermo Fisher Scientific erwartet durch die Übernahme einen unmittelbar positiven Beitrag zum Nettogewinn. Im ersten Jahr nach dem Closing werde sich der Effekt auf 0,60 Dollar je Aktie beim bereinigten Ergebnis je Aktie belaufen, sagte Thermo-Fisher-CFO Stephen Williamson. Der Konzern verspricht sich außerdem die Realisierung von erheblichen Synergieeffekten. Sie sollen sich vom dritten Jahr nach dem Closing an auf insgesamt 200 Mill. Dollar belaufen, davon drei Viertel aus Kostenvorteilen.Thermo Fisher hat nach eigenen Angaben die Brückenfinanzierung für die Transaktion bereits stehen. Die Refinanzierung soll aus eigenem Cash sowie der Aufnahme neuen Fremdkapitals bestehen. Der Verschuldungsgrad nach dem Closing werde bei etwa 3 liegen, teilte Williamson mit. “Wir erwarten, unser Investment-Grade-Rating zu halten.”Der Erfolg der Offerte hängt jedoch von einigen Voraussetzungen ab: Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 75 % des Grundkapitals. Auf Seiten von Qiagen muss eine außerordentliche Hauptversammlung der Transaktion zustimmen. Das Einverständnis der Kartellbehörden steht ebenfalls aus. Die Vereinbarung zwischen beiden Unternehmen sieht außerdem vor, dass Thermo Fisher Qiagen nach dem Closing so umstrukturieren könnte, dass am Ende eine Übernahme sämtlicher Anteile und eine Barabfindung für die dann noch verbliebenen Minderheitsaktionäre stehen könnte.Thermo Fisher hat laut Übernahmegesetz jetzt vier Wochen Zeit, der BaFin die Angebotsunterlage zu übermitteln.Bereits im November waren Gerüchte um ein Interesse des US-Konzerns an Qiagen aufgekommen. Das hatte zu einem Kurssprung geführt, nachdem das Unternehmen im dritten Quartal tief in die Verlustzone gerutscht waren. Die Einstellung der Weiterentwicklung ihres Hoffnungsträgers Gene Reader hatte Qiagen schwer belastet. Die Hildener hatten daraufhin bestätigt, mit mehreren Interessenten Gespräche zu führen. An Heiligabend hatte der Vorstand dann allerdings ad hoc den Abbruch sämtlicher Sondierungen gemeldet und verkündet, zunächst eigenständig weitermachen zu wollen. Zu den Gründen hatte Qiagen nur vage Andeutungen gemacht, aber auch erklärt, weiter offen für Gespräche zu sein. Fest für InvestmentbankerAuf die Frage, warum die Unternehmen sich jetzt geeinigt haben, nachdem sie an Weihnachten noch ergebnislos auseinandergegangen waren, gab es keine wirklich erhellende Antwort. Qiagen wollte sich neben der Ad-hoc-Meldung überhaupt nicht äußern.Als Berater waren J.P. Morgan und Morgan Stanley auf Seiten von Thermo Fisher aktiv. Qiagen vertraute führend auf Goldman Sachs und hatte auch Barclays mit an Bord. Zu den Rechtsberatern zählte unter anderem Linklaters sowie die niederländische Kanzlei De Brauw Blackstone Westbroek.