Thyssenkrupp bringt Stahlstrategie auf den Weg

Abbau von 3 000 Jobs - Neuer Tarifvertrag bis 2026 gültig - Kursfeuerwerk schnell abgebrannt

Thyssenkrupp bringt Stahlstrategie auf den Weg

ab Düsseldorf – Mit der Neuausrichtung des Produktionsnetzwerks, dem Abbau von 3 000 Stellen und zusätzlichen Investitionen will Thyssenkrupp das Stahlgeschäft auf Vordermann bringen. Mit der IG Metall wurde in der Nacht ein Tarifvertrag abgeschlossen, der die Zukunft der Stahlsparte langfristig sichern soll, wie der angeschlagene Konzern mitteilte. Betriebsbedingte Kündigungen sollen demnach bis Ende März 2026 ausgeschlossen werden. Darüber hinaus sieht ein Sofortpaket zur Bewältigung der Coronakrise in weiten Teilen des Konzerns Kurzarbeit vor. Nach der Untersagung der Fusion mit Tata Steel gelte es jetzt, die erforderliche Restrukturierung allein durchzuziehen. Hierbei gelte es, keine Zeit zu verlieren, wird Klaus Keysberg, der im Vorstand für das Werkstoffgeschäft verantwortlich zeichnet, zitiert.Vordringlich geht es darum, die Kosten auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau zu senken. Der Abbau von 3 000 Stellen wird auf zwei Phasen aufgeteilt. Demnach sollen in den nächsten drei Jahren 2 000 Stellen gestrichen werden. Bis 2026 sollen dann weitere 1 000 Stellen gekappt werden. Zum 30. September 2019 standen bei Steel Europa 28 278 Namen auf den Lohn- und Gehaltslisten. Ein Drittel des Stellenabbaus betrifft Verwaltungsstellen, 800 Jobs stehen im Bereich Grobblech zur Disposition. Hier fehle es an einer Entwicklungsperspektive. Entsprechend wird nach einem Käufer gesucht. Sollte bis Ende 2020 kein Interessent den Finger heben, werde die Schließung eingeleitet, heißt es. Parallel zu den geplanten Kostenschnitten, aus denen ein Ergebniseffekt von 200 Mill. Euro erwartet wird, soll ein Investitionsprogramm auf den Weg gebracht werden, um das Produktionsnetzwerk zu optimieren und das Portfolio auf höherwertige Produkte auszurichten. Auf Sicht von sechs Jahren ist dafür ein Investitionsbudget von 800 Mill. Euro vorgesehen, das die üblichen Investitionen von jährlich etwa 570 Mill. Euro ergänzt. Insgesamt zielt Thyssen mit den Maßnahmen auf Ergebnisverbesserungen im Stahlgeschäft von 600 Mill. Euro ab. Für das Restrukturierungsprogramm wird mit Einmalkosten von grob 250 Mill. Euro kalkuliert – die genaue Größenordnung ist nicht zuletzt davon abhängig, ob das Grobblechgeschäft verkauft oder geschlossen wird.Nach dem Verkauf der Aufzugssparte rückt das Stahlgeschäft von Thyssenkrupp in den Fokus der Strategie. Um langfristig zu überleben, sei eine sofortige und umfassende Restrukturierung unerlässlich, verdeutlichte Keysberg. Mit der Stahlstrategie 20-30 soll die Technologieführerschaft bei wettbewerbsfähigen Kosten sichergestellt werden.On top kommt die Coronakrise, die insbesondere die automobilnahen Bereiche vor Herausforderungen stellt. Das Kurzarbeitergeld will Thyssenkrupp im Fall der Fälle auf 80 % aufstocken. Tariflich vereinbarte Sonderzahlungen sollen in freie Tage umgewandelt werden.An der Börse sorgte neue Stahlstrategie nur vorübergehend für spürbare Erleichterung. Nach einem Kurssprung am Morgen um mehr als 24 % ging der MDax-Wert mit einem Tagesgewinn von 4 % bei 5,13 Euro aus dem Handel.