Toshiba trickst mit Chips
Toshiba trickst mit Chips
Von Martin Fritz, TokioOffiziell hat Toshiba ihre Sparte für Nand-Flash-Speicherchips an ein ausländisches Konsortium verkauft, das vom US-Beteiligungsfonds Bain Capital angeführt wird. Die Nachricht suggerierte, dass Toshiba die Anteile vollständig abgestoßen hat. Tatsächlich ist der japanische Mischkonzern der größte Anteilseigner an dem Investitionsvehikel Pangea geworden, an das die Aktien von Toshiba Memory System (TMS) gingen. Wirre VerhandlungsstrategieIm Nachhinein sieht es so aus, als ob Toshiba mit dem ständigen Wechsel ihrer Verhandlungsstrategie nur verschleiern wollte, was man wirklich im Schilde führte – einen möglichst hohen Verkaufspreis zu erzielen und dennoch die Cash-cow zu behalten. Viele Analysten haben Toshiba für das Hin und Her kritisiert, anfangs das Bain-geführte Konsortium als bevorzugten Bieter auszuwählen, dann mit Western Digital zu verhandeln und schließlich mit der Bain-Gruppe einig zu werden. Nur die Hälfte im AuslandDaher sollte man dem Management nun Respekt zollen. Bisher hat Toshiba nur mitgeteilt, die japanische Seite besäße auch nach dem Verkauf die Mehrheit an TMS. Doch SK Hynix veröffentlichte die tatsächliche Verteilung auf Koreanisch: Nur 49,9 % von Pangea sind im Besitz der Bain-Gruppe. De facto hat Toshiba nur die halbe Sparte ins Ausland verkauft und erhält dafür 1,03 Bill. Yen (8 Mrd. Euro) von den Käufern: Bain zahlt 212 Mrd. Yen, SK Hynix 395 Mrd. und die US-Technologiekonzerne Apple, Kingston, Seagate und Dell zusammen 415,5 Mrd. Yen.Doch Toshiba selbst erhält einen Anteil von 40,2 % an Pangea. Dafür zahlt man nur 350,5 Mrd. Yen, die man aus dem Verkaufserlös an die Ausländer nimmt. Weitere 600 Mrd. Yen steuern Banken bei. Hier kommen womöglich die Development Bank of Japan und der Staatsfonds INCJ zum Zug. Außerdem erhält der japanische Optikspezialist Hoya 9,9 % der Anteile für nur 27 Mrd. Yen. Das lässt vermuten, dass es eine geheime Absprache zum Stimmverhalten zwischen Hoya und Toshiba gibt. Eigenkapital wieder positivUnterm Strich sammelt Toshiba also 699 Mrd. Yen ein. Schließt der Deal vor Ende März 2018, reicht diese Einnahme, um das Eigenkapital rechtzeitig ins Positive zu drehen. Die Notierung an der Börse Tokio wäre dann gesichert. Zugleich behält Toshiba mit vermutlich staatlicher Finanzhilfe die Kontrolle über die Sparte. Vor oder bei dem in zwei bis drei Jahren geplanten Börsengang von Pangea könnte Toshiba zum Beispiel den Anteil von Bain zurückkaufen oder zumindest den Wert ihres Anteils in der eigenen Bilanz erhöhen. In jedem Fall ist Toshiba der eigentliche Gewinner dieser Tricks mit Chips.