Toys R Us schwenkt weiße Flagge

US-Spielzeugkette kapituliert vor Online-Konkurrenz und meldet Insolvenz an - Schuldenlast zu schwer

Toys R Us schwenkt weiße Flagge

Der US-Spielzeughändler Toys R Us hat in Nordamerika Insolvenz angemeldet. Die Konkurrenz durch Online-Händler wie Amazon und die nach der Übernahme von Finanzinvestoren 2005 aufgebürdete Schuldenlast, die es zu bedienen gilt, zwangen den Filialisten in die Knie.md Frankfurt – Die US-Spielzeugkette Toys R Us hat Insolvenz angemeldet. Vor allem wegen der wachsenden Konkurrenz durch Online-Händler wie Amazon, die für enormen Preisdruck in der Branche sorgen, kamen immer weniger Kunden in die weltweit mehr als 1 600 Läden des Unternehmens, davon 875 in den USA (inklusive dem Kinderausstatter Babies R Us). Zudem schien Toys R Us mit ihrem knallig-bunten Plastikspielzeug immer weniger den Geschmack der Konsumenten zu treffen, die mehr “nachhaltige” Spielsachen, z. B. aus Holz, nachfragen.Die Stellung des Insolvenzantrages bedeutet allerdings nicht das Ende für die Spielzeugkette. Viele Einzelhändler versuchen, im Insolvenzverfahren ihre unrentablen Läden zu schließen und parallel dazu das Online-Geschäft auszubauen. Auch bei Toys R Us laufen die Geschäfte erst einmal weiter, Kredite werden aber zunächst nicht mehr bedient. Das Unternehmen teilte mit, im Rahmen der Insolvenz einen Neukredit in Höhe von mehr als 3 Mrd. Dollar von einer vom US-Finanzhaus J.P. Morgan Chase angeführten Bankengruppe sowie von früheren Kreditgebern erhalten zu haben. Dieser müsse vorrangig bedient werden. Diese Summe müsse noch vom Gericht genehmigt werden. Der Kredit soll dem Unternehmen zufolge die Fortsetzung des Geschäftsbetriebs sicherstellen. Aktien der Gläubiger fallenZu den größten Gläubigern gehören nach Medienberichten die Spielwarenhersteller Mattel (135,6 Mill. Dollar), Hasbro (59 Mill. Dollar), Lego (31,6 Mill. Dollar) und Playmobil USA (2,5 Mill. Dollar). Die Meldung vom Insolvenzantrag des Schuldners belastete die Kurse von Hasbro und Mattel, die am Montag um 1,7 % bzw. 6,2 % nachgaben. Gestern erholten sich die Kurse leicht.Die in Wayne (New Jersey) ansässige Toys R Us war 2005 von den drei Private-Equity-Firmen KKR, Vornado Reality Trust und Bain Capital für 6,6 Mrd. Dollar übernommen worden. Inklusive der übernommenen Schulden betrug die Summe rund 7,5 Mrd. Dollar. Anschließend war der Kaufpreis als Schulden auf den Konzern übertragen worden. Ein 2010 von den Finanzinvestoren erwogener Börsengang des Spielzeugfilialisten scheiterte (vgl. BZ vom 29.5.2010). Noch immer stehen mehr als 5 Mrd. Dollar als langfristige Verbindlichkeiten in der Bilanz, teilt das Unternehmen mit. Im nächsten Jahr müsste Toys R Us den Angaben zufolge rund 400 Mill. Dollar an Schulden zurückzahlen.Konkurrenzsituation, Schuldenberg und Schuldendienst dürften nun massive Veränderungen bei Toys R Us unumgänglich machen. Doch “wie bei jedem anderen Einzelhändler werden Entscheidungen über Filialschließungen erst getroffen, wenn über die Unternehmensstrategie entschieden wurde”, sagte ein Sprecher. Toys R Us beabsichtige, die langfristigen Verbindlichkeiten erheblich zu reduzieren und damit Ressourcen zur gezielten Reinvestition in das weiterlaufende Geschäft freizusetzen.Seit 2013 konnte das Unternehmen keinen Jahresgewinn mehr ausweisen. Vor zwei Jahren wurde David Brandon CEO; er versuchte, die Schulden abzubauen und das Unternehmen aus der Verlustzone herauszuführen. Im zweiten Quartal 2017 lag der Fehlbetrag bei 164 (i.V. 126) Mill. Dollar.Die Toys-R-Us-Landesgesellschaften in den USA und Kanada haben Restrukturierungsverfahren nach Chapter 11 in den USA bzw. nach dem CCAA (Companies’ Creditors Arrangement Act) in Kanada eingeleitet, bestätigt die deutsche Tochter von Toys R Us. Die Firma mit Sitz in Köln betont aber, “dass die operativen Gesellschaften in Europa, Asien und Australien nicht Teil des (…) Restrukturierungsprozesses sind”. Und weiter: “Weltweit stehen sowohl die Toys-R-Us-Märkte als auch die Online-Shops den Kunden wie gewohnt zur Verfügung.” Explizit wird darauf hingewiesen, dass es sich bei den eingeleiteten Restrukturierungsverfahren “weder um eine Geschäftsauflösung noch einen Konkurs nach deutschem Verständnis handelt”. Die Zahlungsfähigkeit der europäischen Landesgesellschaften sei gesichert.Die Insolvenz von Toys R Us ist eine der größten eines Fachhändlers in den USA. Doch haben in diesem Jahr bereits mehr als ein Dutzend US-Einzelhändler den Chapter-11-Prozess gewählt, um Geschäfte zu schließen und umzuschulden, etwa Payless (Schuh-Discounter), Gymboree (Kindermode) und Perfumania Holdings (Parfümerien).—– Wertberichtigt Seite 8