Traton will Service und Ersatzteile sicherstellen
Traton will Service und Ersatzteile sicherstellen
Traton stoppt die Produktion in Werken von MAN und Scania. Der Vorstand gibt der Gesundheit der Mitarbeiter den Vorrang. Aber auch Lieferketten sind gestört. Konzernchef Andreas Renschler will Service und Ersatzteillieferungen sicherstellen, damit Lebensmittel weiter mit Lkw geliefert werden können.jh München – Mit einem Rückgang der Profitabilität hat der Vorstand von Traton für dieses Jahr ohnehin gerechnet. Einkalkuliert war eine operative Rendite von 4,5 bis 5,5 %. 2019 war ein Anstieg auf 7,0 % gelungen (siehe Tabelle). Doch nun ist ein noch deutlicherer Rückgang zu erwarten. Der Ausblick im Geschäftsbericht, der vom 10. Februar stammt, ist nicht mehr zu halten. Ein neuer fehlt. “Eine Prognose ist derzeit schlicht nicht möglich”, sagte Andreas Renschler, der Vorstandsvorsitzende des Münchner Tochterunternehmens von Volkswagen, in einer Videobotschaft. Auf die Bilanzpressekonferenz verzichtete Traton auch am Telefon und im Internet. Der Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter habe oberste Priorität, hieß es zur Begründung.Finanzvorstand Christian Schulz erklärte in einer Mitteilung den Verzicht auf eine Prognose: “Die aktuelle Coronavirus-Pandemie macht eine gesicherte Abschätzung über die Entwicklung der Absatzmärkte und damit über den Verlauf unserer Geschäftsentwicklung für das laufende Jahr mittlerweile unmöglich.” Im Geschäftsbericht ist noch von einem moderaten Absatz- und Umsatzrückgang die Rede. Eine Abschwächung hatte sich schon länger abgezeichnet, der Auftragseingang von Traton ging im vergangenen Jahr um 7 % zurück. Für den Lkw-Markt in Europa rechnete der Vorstand mit einem Schrumpfen um 10 bis 20 %. Auch Daimler Trucks hatte sich schon vor Ausbruch der Coronakrise auf einen so deutlichen Rückgang eingestellt. Vorstandschef Martin Daum sagte jedoch noch vor vier Wochen: “Es ist keine Superkrise wie 2009, es ist eine normale Anpassungsbewegung.” Zuvor waren die Märkte in Europa und Nordamerika kräftig gewachsen. Nun wird die Produktion heruntergefahren. “Wir haben keine andere Wahl, als wichtige Werke unserer Marken vorübergehend zu stoppen”, sagte Renschler. “Störungen in der Liefer- und Logistikkette und die Sorge um die Gesundheit unserer Mitarbeiter zwingen uns dazu.” MAN stellte die Fertigung in München am vergangenen Donnerstag ein (vgl. BZ vom 20. März). Seit Montag gilt auch für Beschäftigte an anderen Standorten Kurzarbeit. In den anderen Werken, auch im Ausland, soll die Produktion individuell heruntergefahren werden. “Tragend für die Versorgung”Die schwedische Traton-Marke Scania unterbricht wegen knapper Komponenten und Störungen in der Lieferkette vom kommenden Mittwoch an die Produktion in den meisten europäischen Fabriken.Renschler betonte in seiner Videoansprache, das Unternehmen werde alles tun, um den Service und die Lieferung von Ersatzteilen sicherzustellen. In der Coronakrise zeige sich, wie tragend die Branche für die Versorgung sei: “Mehr als 90 % der Lebensmittel in Deutschland werden mit dem Lkw geliefert.” Es gehe nun darum, auch den lebenswichtigen Transport von Medikamenten zu sichern. Mit dem Jahr 2019 zeigte sich Renschler mit Blick auf die Geschäftszahlen zufrieden. Das Unternehmen habe ein gutes Ergebnis erzielt, auch wenn dies nun wegen der aktuellen Entwicklung zu Recht in den Hintergrund rücke. Klar ist aber, dass MAN der große Schwachpunkt im Konzern ist (siehe Grafik).Das mittelfristige Ziel einer operativen Rendite von 8 % wurde weit verfehlt. “Nun steuert MAN mit einer fundamentalen Neuausrichtung um”, kündigt Traton an. Das Unternehmen müsse sich für die kommenden Herausforderungen wie Investitionen in die Elektromobilität und die zunehmende Digitalisierung wappnen.Die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite von MAN – auch über einen Stellenabbau – ruhen vorerst, wie ein Sprecher von Traton andeutete. Zu Spekulationen, es gehe um 6 000 der 36 000 Arbeitsplätze von MAN, äußerte er sich nicht.Im vergangenen Jahr erreichte der Traton-Konzern mit einer operativen Rendite von 7,0 % die angestrebte Spanne von 6,5 bis 7,5 %. Der Umsatz wuchs bereinigt um den Verkauf eines Unternehmensteils um 6 %. Der um 7 % gesunkene Auftragseingang spiegelt die bereits vor der Coronakrise begonnene Abschwächung des europäischen Marktes wider. – Wertberichtigt Seite 8