Triton greift nach Lastminute.com
Triton greift nach Lastminute.com
Um die Preise für Pauschalreisen, Flugtickets und Hotelübernachtungen wird im Internet hart gekämpft. Jetzt kommen Online-Reiseanbieter durch das Coronavirus zusätzlich unter Druck. Das könnte die Konsolidierung beschleunigen. Finanzinvestor Triton ist an der Schweizer LM Group, zu der Lastminute.com gehört, interessiert.cru Frankfurt – Am Online-Reisemarkt, der durch das Coronavirus unter zusätzlichen Druck kommt, könnte die Konsolidierung bald mit Siebenmeilenstiefeln vorankommen. Der skandinavische Private-Equity-Fonds Triton verhandelt über einen Einstieg beim Online-Reiseanbieter LM Group, dem unter anderem die Webseite Lastminute.com gehört. Das wird aus Finanzkreisen bestätigt. Triton lehnte einen Kommentar dazu ab. Die LM Group selbst, die ihren Sitz in Chiasso hat, hatte kürzlich erklärt, man befinde sich in “fortgeschrittenen Diskussionen über eine mögliche Unternehmenstransaktion”. Offen ist, ob die konjunkturelle Abkühlung und die abnehmende Nachfrage nach Reisen die Gespräche über eine Fusion eher beschleunigen oder bremsen.Triton könnte jedenfalls mit einer Minderheitsbeteiligung oder der Komplettübernahme der LM Group das eigene 2019 erworbene Portfoliounternehmen Sunweb in Rotterdam – ebenfalls ein Online-Pauschalreisenanbieter – gut ergänzen und einen neuen großen Akteur am europäischen Touristik-Markt aufbauen. Die Marktkapitalisierung der an der Schweizer Börse Six gelisteten LM Group liegt bei 400 Mill. sfr. – nur das Zehnfache vom operativen Gewinn. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, was der Vorbesitzer zahlte: 2005 kaufte die an der Nasdaq notierte Sabre für 840 Mill. Euro die in London ansässige Lastminute.com. 2015 übernahm die damalige “Bravofly Rumbo Group” Lastminute.com. Nach der Übernahme änderte die Holding 2018 den Namen und benannte sich in LM Group um. An diesem Mittwoch ist der Kurs der Gesellschaft, die 2014 zu 48 sfr an die Börse gekommen war, um 5 % auf 34 sfr gesunken. Große Fusion geplant?Jetzt könnte die nächste Großfusion der Online-Reisebranche folgen. LM Group und Sunweb, die schon die Thomas-Cook-Benelux-Tochter Corendon übernommen hat, passen zusammen: Zur LM Holding mit 1 200 Beschäftigten, 338 Mill. Euro Umsatz und 43 Mill. Euro Ebitda gehören die Konzernzweige LM Venture, der sich um Zukäufe innovativer Firmen in der Reisebranche kümmert, und LM Group mit Online-Reise-Marken wie Bravofly, Rumbo, Volagratis, HolidayIQ und Weg.de (vorher ProsiebenSat.1) sowie den Suchseiten Jetcost und Hotelscan.LM-Group-Vorstandschef Fabio Cannavale ist der Gründer von Volagratis und gehört zu den Großaktionären der LM Group. Jeden Monat erreicht die Gruppe über ihre Websites und mobilen Apps (in 17 Sprachen und 40 Ländern) 60 Millionen Besucher, die ihre Reise- und Freizeiterlebnisse auf den Webseiten der LM Group suchen und buchen. Der mögliche Fusionspartner Sunweb Group mit 500 Beschäftigten ist europaweit aufgestellt: Hauptstandorte sind in den Niederlanden und in der Schweiz, Software- and Webentwicklung in Girona und verschiedene Vertriebsbüros in ganz Europa.Triton hat ein großes Büro in Frankfurt und investiert vorrangig in mittelständische Unternehmen im deutschsprachigen und im nordischen Raum. Die Private-Equity-Gesellschaft ist an 41 Unternehmen mit einem Umsatz von 16,5 Mrd. Euro und mit 80 000 Mitarbeitern in Europa beteiligt. Triton setzt oft auf Unternehmen in schwierigen Situationen und zielt in der Regel auf einen Mehrheitsbesitz. Möglicherweise gibt es auch bereits Pläne, Lastminute mit einem Wettbewerber zu fusionieren und auf diesem Weg zu einer Mehrheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft zu gelangen.Die Online-Reisebranche befindet sich seit einiger Zeit in einer Konsolidierungsphase. Gelegen könnte Triton kommen, dass die LM Group mit der Freesailors Coöperatief eine starke Aktionärsgruppe rund um die Gründer hat, die 50,2 % der Anteile kontrolliert. Mit einem kleineren Anteil von 6 % ist auch der französische Private-Equity-Fonds Ardian beteiligt, Europas größter Finanzinvestor. Ardian lehnte einen Kommentar dazu ab. Die Franzosen sind im Verwaltungsrat der LM Group durch Executive Director Laurent Foata direkt vertreten, den Leiter des Growth Team von Ardian. Portfolio wird digitalerTriton investierte bisher eher in Industriebeteiligungen. Jetzt soll offenbar das digitale Geschäft vorangetrieben werden. Unter dem Motto “Go East” reiste Tritons Digital Team jüngst nach Israel, um am Ourcrowd Global Investor Summit teilzunehmen und Einblicke in digitale Trends zu sammeln sowie fortschrittliche Start-ups und internationale Technologieführer zu treffen. “Das Triton Go East Event war eine Chance für uns in der Triton-Familie, Tech Companies kennenzulernen, die für unsere Portfoliounternehmen relevant sind”, erklärte Anders Thulin, Head of Digital Practice bei Triton.