Tuifly verspricht soziale Abfederung

Stellenabbau unverzichtbar - Standort Hannover bleibt nach "konstruktiven Gesprächen" mit Niedersachsen

Tuifly verspricht soziale Abfederung

Tuifly und Vertreter der Beschäftigten haben in “konstruktiven Gesprächen” über einen möglichst sozialverträglichen Weg zum Stellenabbau gesprochen, der allerdings in der Branche insgesamt als unverzichtbar gilt. So haben auch die Lufthansa-Tochter AUA und Condor neue Einschnitte avisiert.hei/lis Frankfurt – Nach einem Krisentreffen unter Vermittlung des niedersächsischen Wirtschaftsministers Bernd Althusmann hat Tuifly gegenüber der Landesregierung und Gewerkschaftsvertretern zugesichert, dass der Standort Hannover erhalten bleibt. Althusmann ließ überdies wissen, das Unternehmen habe signalisiert, möglichst auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu wollen. Er habe “auch gegenüber der Bundesregierung die klare Erwartung, dass im Falle weiterer staatlicher Unterstützung für die Tui die Situation für Hannover berücksichtigt wird”, sagte der Minister weiter, räumte jedoch ein, es sei allen Beteiligten klar, “dass es nicht ohne Schmerzen geht”.Tuifly hat aufgrund des zeitweisen Stillstands und absehbar stark rückläufiger Auslastung den Abbau von insgesamt 900 von 2 000 Vollzeitarbeitsplätzen angekündigt. Airline-Chef Oliver Lackmann bleibt dabei, dass es künftig nur noch 17 Tuifly-Maschinen geben solle. Zuletzt umfasste die Flotte noch 39 Flugzeuge. Halbwegs ausgelastet waren diese allerdings ohnehin auch zuvor nur in der sommerlichen Hochsaison. Im Winter wurden Teile der Flotte nach Amerika verleast. In diesem Jahr sei von dort allerdings keine Nachfrage zu erwarten, so ein Sprecher gegenüber der Börsen-Zeitung.Vertreter der Pilotengewerkschaft VC kritisierten die Abbaupläne heftig. Präsident Markus Wahl will klargestellt wissen, “dass massive Staatshilfen und ein hoffnungsvoller wirtschaftlicher Ausblick mit einem massiven Stellenabbau in der angekündigten Höhe nicht zusammenpassen”. Sollte der Aufsichtsrat, der die Pläne am Donnerstag beraten will, zustimmen, würde “er politisches Porzellan zerschlagen und einen möglichen zweiten Hilfskredit gefährden”, so die Lesart der VC. Demgegenüber zeigte sich Tuifly überrascht über die “gute Buchungslage, von der die VC spricht”. Einschnitte überallUnabhängig davon, ob die Tui in der laufenden Krise noch weiteren Kapitalbedarf offenbaren muss – Analysten rechnen tatsächlich mit einer Eigenkapitallücke von 1 Mrd. Euro -, halten Staatshilfen auch andere Airlines derzeit nicht vom Stellenabbau ab. Im Gegenteil: Bei der Lufthansa droht der Verlust von 22 000 Arbeitsplätzen im Konzern. Auch bei der mit österreichischer Staatshilfe geretteten Tochter Austrian Airlines (AUA) müssen mehr als 1 000 Angestellte um ihren Job bangen. Zwar sei die AUA dank der Staatshilfen dauerhaft gerettet, mittelfristig könnte es aber zu viele Mitarbeiter geben, sagte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech dem “Standard”. Zunächst seien für zwei Jahre Kurzarbeit geplant, so lange könne es keine Kündigungen geben. “Unser Ziel sind 80 % der früheren Unternehmensgröße im Jahr 2022”, sagt Hoensbroech. “Da hätten wir dann aus jetziger Sicht 1 100 Mitarbeiter zu viel.” Der Manager geht allerdings davon aus, dass ein großer Teil des Abbaus bis zum Jahr 2022 über Fluktuation erreicht werden könne. Die Lufthansa-Tochter hatte erst vor wenigen Tagen die Zusage für ein staatliches Rettungspaket über 450 Mill. Euro erhalten. Aktuell beschäftigt die Austrian Airlines rund 7 000 Mitarbeiter. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte in diesem Zusammenhang betont, dass die Einigung dazu führe, “dass die Masse dieser Arbeitsplätze aufrechterhalten bleiben kann”.Der Ferienflieger Condor wird nach den Worten von Firmenchef Ralf Teckentrup wegen der Coronakrise bis zu 25 % seiner Arbeitsplätze streichen. Das wären bis zu 1 000 Stellen, sagte Teckentrup der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. Er äußerte zugleich die Einschätzung, dass die Krise der Luftfahrtbranche noch bis 2024 dauern werde. Condor wird mit rund einer halben Mrd. Euro Finanzhilfe vom Staat am Leben gehalten.