United Internet hebt Dividende an

Konzern rechnet 2020 mit stabilem Umsatz und Ergebnis - 5G-Vorbereitungen bei 1&1 Drillisch laufen zäh

United Internet hebt Dividende an

United Internet hebt überraschend die Dividende für 2019 deutlich auf 0,50 Euro je Aktie an. Dagegen belässt es die Tochter 1&1 Drillisch bei der Mindestdividende. Die Telekommunikationssparte des Konzerns kann den Kapitalbedarf für 5G noch nicht einschätzen und muss daher “das Pulver trocken halten”.hei Frankfurt – United Internet spürt bisher kaum nennenswerte Auswirkungen der Coronakrise, wie Konzernchef Ralph Dommermuth in einer Telefonkonferenz zum Jahresergebnis 2019 sagte. In der Sparte Applications hielten sich Stornos für Werbeanzeigen und die gesteigerte Nachfrage nach Online-Applikationen zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs vieler Kunden derzeit die Waage. Bei der Tochter 1&1 Drillisch haben sich seit einigen Wochen geringere Kündigungszahlen positiv bemerkbar gemacht, weil “die Menschen offenbar andere Sorgen haben als einen neuen Mobilfunkvertrag”. Insgesamt rechnet United Internet vor dem Hintergrund aller möglichen Unwägbarkeiten in diesem Jahr mit einem stabilen Umsatz und Ergebnis. Die Nachricht löste bei Anlegern gemischte Gefühle aus. Die United-Internet-Titel und die der Tochter 1&1 Drillisch zeigten starke Schwankungen zwischen Kurszuwächsen und -verlusten.Größere Unwägbarkeiten bestehen vor allem für die Telekommunikationssparte, die noch immer nicht überblicken kann, “wie viel Eigenkapital und wie viel Fremdkapital für den Ausbau von 5G nötig sind”, so Dommermuth. So gestalten sich die laufenden Verhandlungen mit den drei etablierten Netzbetreibern Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland “nicht leicht”, wie der Konzernchef beklagt. Eine “natürliche Tendenz” zur Zusammenarbeit mit Telefónica Deutschland, von der 1&1 Drillisch derzeit die meisten Netzkapazitäten bezieht, bestehe nicht. Es gehe auch um “Qualitätsfragen, Laufzeiten, Exklusivitätsvereinbarungen”, je nachdem, was letztlich vereinbart werde, sei dann erst klar, “wie wir unser Netz ausbauen”. Der 5G-Ausbau sei mit den Lieferanten “vorverhandelt”, konkret sei aber noch nichts vereinbart, sagte der Manager.1&1 Drillisch will daher die Kasse schonen und zahlt für 2019 nur eine Mindestdividende von 0,05 Euro je Aktie. Dagegen schüttet die Mutter 0,50 Euro aus. Finanzchef Frank Krause begründete den deutlichen Anstieg damit, dass das Gros der anstehenden Investitionen von der Telekommunikationssparte zu leisten sei, bei den restlichen Aktivitäten stehe wenig an. United Internet, die 2019 “operativ” einen Gewinn je Aktie von 1,99 Euro erzielte, schüttet mit der Dividende rund 85 % des auf die Aktivitäten jenseits von 1&1 Drillisch entfallenden Gewinns aus.Bei der Tochter ging das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) im vergangenen Jahr um 5,3 % zurück, wobei sich eine Reihe von Faktoren negativ auswirkte, u. a. die Vorbereitungen für 5G, vor allem aber höhere Vorleistungspreise, die mit 83 Mill. Euro zu Buche schlugen, nachdem 1&1 Drillisch vor einem Schiedsgericht gegen Telefónica Deutschland den Kürzeren gezogen hatte. Bereinigt um diese Effekte wäre das Ebitda um 4,8 % geklettert. Der Umsatz stieg nur geringfügig um 1,1 %, die höhermargigen Service-Erlöse kamen um 3,1 % auf 2,94 Mrd. Euro voran. Der operative Cash-flow legte deutlich um 142 % zu. IFRS 16 treibt EbitdaBei der Mutter ergab sich 2019 ein “nur moderates” Umsatzwachstum von 1,8 %, während der Ebitda-Anstieg von 5,4 % allein durch die Umstellung auf IFRS 16 getrieben war. Auf vergleichbarer Basis wäre ein Ebitda-Rückgang von 1,9 % herausgekommen. Sehr gut entwickelte sich das “Kerngeschäft” von Versatel, die inzwischen über ein kapp 50 000 Kilometer langes Glasfasernetz verfügt. Das Ebitda der Einheit sprang auf vergleichbarer Basis um 20 % auf 147 Mill. Euro.”Nicht zufriedenstellend” nannte Dommermuth vor allem die Umsatz- und Ergebnisentwicklung der kleinen Sparte Consumer Applications, zu der unter anderem die Portale GMX und Web.de gehören. Dies müsse im laufenden Jahr besser werden. Dagegen zeigte die für einen Börsengang vorgesehene Division Ionos (Business Applications) trotz erhöhten Marketingaufwands ein bereinigtes Ergebnisplus von 5,4 % auf 306 Mill. Euro, das ergibt eine Marge von 33,4 %.