United Internet kommt gut aus den Startlöchern
United Internet kommt gut aus den Startlöchern
hei Frankfurt – United Internet ist im neuen Geschäftsjahr gut aus den Startlöchern gekommen. Die Coronakrise macht sich bisher vor allem positiv bemerkbar: in einem geänderten Nutzungsverhalten der Telekommunikationskunden, die mehr Zeit im Internet verbringen und höhere Datenraten konsumieren. So stützte insbesondere die gute Geschäftsentwicklung bei der Tochter 1&1 Drillisch das Konzernwachstum. Drillisch steigerte die Einnahmen um 4,1 %, was auch damit zusammenhängt, dass das zuletzt eher schleppende Hardware-Geschäft mit Smartphones und Tablets wieder anzog.Allerdings sind diese Erlöse, die saisonal stark schwanken und auch von der Attraktivität neuer Geräte abhängen, eher renditeschwach. Die margenstarken Service-Einnahmen kamen mit +3,7 % auf 748 Mill. Euro etwas weniger stark voran. Operativ vor Abschreibungen (Ebitda) trat der Gewinn von Drillisch bei 164 Mill. Euro fast auf der Stelle.Als Ursachen nennt das Unternehmen neben Einmalkosten für Integrationsprojekte und initialen Kosten für den 5G-Netzaufbau insbesondere negative Effekte aus Regulierungsentscheidungen sowie dem temporär veränderten Nutzungsverhalten infolge der Coronavirus-Krise. Diese Effekte wirkten sich insgesamt mit 14,9 Mill. Euro negativ aus. Ohne sie hätte das Ebitda von Drillisch um 4,3 % zugelegt. Einen deutlichen Sprung machte der Free Cash-Flow, der von 15 Mill. auf 98 Mill. Euro anschwoll. Damit komme Drillisch auf ein Liquiditätspolster von 330 Mill. Euro.Die Geschäftsentwicklung von Drillisch schlug im Zahlenwerk der Mutter durch. United Internet steigerte den Umsatz um 4 % und kam bei Ebitda ebenfalls nicht von der Stelle – aus den genannten Gründen. Das Betriebsergebnis (Ebit) kletterte aufgrund geringer Abschreibungen leicht um 1,7 %. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn unterm Strich legte konzernweit um knapp 50 % auf 73 Mill. Euro zu. Je Aktie stieg er dabei auf 0,39 Euro nach 0,24 Euro ein Jahr zuvor. Analysten hatten hier allerdings mehr erwartet. Es war vor allem die schwache Aktienkursentwicklung bei der Beteiligung Tele Columbus, die United Internet erneute Wertminderungen einbrockte. Konzernchef Ralph Dommermuth besitzt selbst rund 42,5 % der United-Internet-Aktien. Er will 1&1 Drillisch mit den im vergangenen Jahr teuer ersteigerten 5G-Frequenzen selbst zum Netzbetreiber hochziehen. United Internet bekräftigte unter Vorbehalt die Prognose einer stabilen Entwicklung von Umsatz und Ebitda im laufenden Jahr.Im Geschäftskundensegment traten Umsatz und Ergebnis in der Telekommunikation, die bei der Tochter Versatel gebündelt ist, im Startquartal bei 120 Mill. Euro bzw. 36 Mill. Euro praktisch auf der Stelle. Dagegen zeigte die Applications-Sparte, die unter Ionos firmiert und einen Börsengang anstrebt, ein Umsatzwachstum von 7,7 % auf 237 Mill. Euro. Das Ebitda von Ionos, die auf dem deutschen Markt als Cloud-Host zu den führenden Anbietern zählt, legte unterproportional um 4 % auf 77 Mill. Euro. Am Aktienmarkt kamen die Zahlen gut an. Sowohl die Titel von United Internet als auch von 1&1 Drillisch verbuchten deutliche Zuwächse. Analysten sind überwiegend positiv gestimmt.