USA sperren sich gegen Here-Investor
USA sperren sich gegen Here-Investor
igo Stuttgart – Wegen Einwänden der US-Behörde zur Kontrolle von Auslandsinvestitionen haben die chinesischen Konzerne Navinfo und Tencent sowie der Staatsfonds Singapurs, GIC, ihre Einstiegsabsichten beim Kartenanbieter Here zurückgezogen. Die Gruppe will seit Ende 2016 mit 10 % bei dem Kartendienst einsteigen. Den Anteil hätten die Partner über das Investmentvehikel Siway Coöperatief den Aktionären Audi, BMW und Daimler abgekauft. Das Bundeskartellamt stimmte diesen Plänen bereits Ende Januar zu. Die im Zusammenhang mit dem Einstieg angekündigten operativen Kooperationen sollen jedoch auch ohne eine finanzielle Beteiligung fortgesetzt werden, teilten Here und NavInfo mit (vgl. BZ vom 28.12.2016).In einer Mittelung schreibt der chinesische Kartendienstleister, dass sich die Investorengruppe monatelang um eine Genehmigung der US-Behörde bemüht habe. Nachdem zuletzt aber negative Signale aus der Behörde gekommen seien, habe man sich zum Rückzug entschieden. Eine Begründung der US-Behörde liege nicht vor. Here teilte mit, es habe “keinen gangbaren Weg” gegeben, die notwendige Freigabe zu erhalten. Das mit NavInfo angekündigte Joint Venture in China zur Entwicklung digitaler Karten für das autonome Fahren sei jedoch bereits operativ tätig. Der Markteintritt in China war für Here der strategische Hauptgrund für die Kooperation.Die Zustimmung des Committee on Foreign Investment (CFIUS) war erforderlich, weil Here in den USA operativ tätig ist und zudem der US-Konzern Intel mit 15 % an Here beteiligt ist. Größte Anteilseigner sind jedoch weiterhin die Autokonzerne Audi, BMW und Daimler, die Here im Dezember 2015 für 2,8 Mrd. Euro inklusive Schulden von Nokia übernommen hatten. Sie hatten bereits kurz nach der Übernahme angekündigt, ihren Anteil an Here langfristig unter 50 % senken zu wollen. Seither hatte neben Intel und der asiatischen Gruppe nur Pioneer einen Einstieg bei Here angekündigt, allerdings mit weniger als 1 % (vgl. BZ vom 20. September).Die US-Regierung lässt chinesische Investitionen besonders gründlich durchleuchten, wenn sie eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen könnten. Diese Erfahrung haben im vergangenen Jahr bereits der Elektronikkonzern Philips und der Chip-Anlagenbauer Aixtron gemacht. Das CFIUS verweigerte die Zustimmung zur Übernahme von Aixtron durch den chinesischen Fonds Fujian Grand Chip Investment und zum Kauf von 80 % von Philips’ LED-Geschäft Lumileds durch die chinesisch-amerikanische Investorengruppe Go Scale Capital. Eine detaillierte Begründung gab es von der Behörde auch in diesen Fällen nicht. Bei Aixtron zog jedoch auch die Bundesregierung nach einem Austausch mit der US-Behörde ihre zuvor bereits gegebene Zustimmung zurück.Branchenkenner gehen davon aus, dass bei Here das datengetriebenen Geschäftsmodell der Grund für die Bedenken des CFIUS ist. Location Intelligence, also der Umgang mit riesigen Mengen an Geodaten, ist für die USA nicht zuletzt im militärischen Kontext relevant.