Vergangenheitsbewältigung im Rhön-Klinikum

Aufsichtsrat wirft Ex-CFO Verfehlungen vor

Vergangenheitsbewältigung im Rhön-Klinikum

swa Frankfurt – Auch wenn der neue Vorstandschef Stephan Holzinger den Blick vor allem in die Zukunft richten wollte, hat die Vergangenheitsbewältigung breiten Raum auf der Hauptversammlung des Rhön-Klinikum eingenommen. Aktionärsvertreter hinterfragten den überraschenden Vorstandsumbau Anfang 2017. Dabei war der Kommunikationsberater Holzinger vom Aufsichtsrat in den Vorstandsvorsitz gewechselt und Vorgänger Martin Siebert zum Stellvertreter degradiert worden. Wenig später hatte Rhön die oberste Führungsriege auf drei Mitglieder gestrafft, indem Finanzvorstand Jens-Peter Neumann und der für das operative Geschäft verantwortliche Vorstand Martin Menger abberufen wurden.Wie Aufsichtsratschef und Großaktionär Eugen Münch auf dem Aktionärstreffen erläuterte, habe sich Neumann “gegen die vom Aufsichtsrat für wesentlich erachteten Zukunftsprojekte gestellt”, ohne offen in eine Diskussion zu gehen. Das habe zu einem Vertrauensverlust im gesamten Gremium geführt. Der Aufsichtsrat habe nach der Abberufung “routinemäßig” geprüft, ob es Anzeichen für Fehlverhalten gebe, und dabei Kenntnis von “Sachverhalten” erlangt, die ihn zur Kündigung des Vertrags mit Neumann veranlasst hätten, sagte Münch. Der ehemalige Finanzvorstand bestreite Pflichtverletzungen und habe eine Klage angekündigt. Deshalb habe man die Entlastung von Neumann erstmal nicht auf die Tagesordnung gesetzt. Bei Menger gebe es keine Anzeichen für Fehlverhalten, so dass der Vertrag einvernehmlich beendigt werden solle. Holzinger ergänzte auf Aktionärsfragen zur Kündigung von Neumann, es hätten sich “Sachverhalte im Zusammenhang mit Dienstreisen” ergeben.Zur Frage, weshalb Asklepios als dritter Großaktionär neben Münch und B. Braun nicht im Aufsichtsrat vertreten sei, sagte Holzinger, von dort sei kein Wahlvorschlag zugegangen. Auf den von Holzinger frei gemachten Platz ist Braun-Finanzchefin Annette Beller gerückt. Sie wurde nun nach vorheriger gerichtlicher Bestellung bei einer Präsenz von 80,7 % ins Gremium gewählt – allerdings gegen 42,8 % Nein-Stimmen. Gegenwind gab es für Holzinger, der für seine Aufsichtsratstätigkeit mit nur 67,24 % Ja-Stimmen entlastet wurde – alle anderen Gremienmitglieder mit mehr als 97 %. Die Ermächtigung zum Aktienrückkauf wurde abgelehnt (32,7 % Nein).