HENKEL

Verwöhnt und verunsichert

Nach einem glänzenden Jahresauftakt ist bei Henkel der Lack etwas ab. In der Kosmetik läuft es nicht wie erwartet, die Kunden greifen weniger zu Shampoos von Schwarzkopf und Duschgels von Fa. Preiskampf und Verdrängungswettbewerb setzen den...

Verwöhnt und verunsichert

Nach einem glänzenden Jahresauftakt ist bei Henkel der Lack etwas ab. In der Kosmetik läuft es nicht wie erwartet, die Kunden greifen weniger zu Shampoos von Schwarzkopf und Duschgels von Fa. Preiskampf und Verdrängungswettbewerb setzen den Markenartiklern immer mehr zu. Mit Rabattaktionen versuchen sie Marktanteile zu halten. Es dürfte kein Zufall sein, dass Henkel die Auswirkungen der harten Konkurrenz am stärksten im Kosmetikgeschäft zu spüren bekommt. Denn hier ist die Position der Düsseldorfer am schwächsten. Während der Konzern bei Klebstoffen die Weltrangliste unangefochten anführt und bei Waschmitteln in Europa vorne und weltweit den zweiten Rang belegt, schafft es Henkel in Kosmetik/Körperpflege nur in einzelnen Märkten oder Nischen auf einen der Spitzenplätze. Da dürfte es schon mal an Preisdurchsetzungskraft fehlen.Mit dem leichten Hänger der Schönheitssparte könnte eine alte Diskussion wieder losgehen: Ist die Kosmetik mit ihrer Weltmarktposition unter “ferner liefen” bei Henkel noch richtig aufgehoben? Oder müsste mal ein richtig dicker Fisch zur Verstärkung geangelt werden? Rund 2 Mrd. Euro an Marktwert haben die kleinen Schwächen im Henkel-Zahlenwerk am Donnerstag gekostet. Das Phänomen heftiger Kursausschläge nach Quartalszahlen bei dem eher stoischen, soliden Dax-Wert ist kein neues. Henkel-Investoren sind verwöhnt. Schon kleinere Dellen verunsichern daher. Für Hans Van Bylen, den seit 15 Monaten amtierenden Konzernchef, ist es der erste handfeste Denkzettel der Anleger. Bisher ritt der langjährige Henkel-Manager auf einer Welle des Erfolgs, schaffte kurz nach Amtsantritt gleich mit Sun Products eine Milliardenakquisition und lieferte überwiegend blitzsaubere Zahlen ab.Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Kosmetiksparte zügig wieder glänzt. Das Management dürfte genug Kapazitäten für das Thema haben, da die Henkel-Welt ansonsten ziemlich in Ordnung scheint. Die Sun-Integration ist bereits weit fortgeschritten. Und so schlecht läuft es in der Kosmetik nun auch wieder nicht. Denn die Margen ziehen im Beauty-Bereich noch an. Insgesamt gibt es bei Henkel in Sachen Profitabilität derzeit wenig zu meckern. Der Renditeknick bei den Waschmitteln war angesichts der niedrigeren Margen der neuen US-Tochter Sun Products schon lange kommuniziert, und beim Nettoergebnis liegt Henkel über den Planzahlen. Der Kursrutsch am Donnerstag könnte etwas zu heftig ausgefallen sein.