Vodafone nimmt Jahresziel nach oben
Vodafone nimmt Jahresziel nach oben
hip London – Vodafone hat im Ende September abgelaufenen Halbjahr die Markterwartungen trotz des starken Euro übertroffen. Der Telekom-Rivale erhöhte zudem die Jahresprognose und kündigte an, den Anteilseignern mehr Dividende auszuschütten. Wie die FTSE-100-Gesellschaft mitteilte, stieg das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) “organisch” um 13 % auf 7,39 (i.V. 7,09) Mrd. Euro. Analysten hatten im Schnitt lediglich 7,08 Mrd. Euro auf der Rechnung. Vodafone profitierte von Sondereffekten wie einer 0,1 Mrd. Euro schweren Zahlung aus einer “regulatorischen Einigung”. Dahinter dürfte sich eine Zahlung von Openreach verbergen, der Netzbetriebssparte des Rivalen BT Group. Zudem wirkte sich der von Brüssel durchgesetzte Wegfall der Roaming-Gebühren nicht so negativ aus wie zunächst unterstellt.In fast jeder Region habe sich das organische Wachstum des Service-Umsatzes im abgelaufenen Quartal besser als am Markt erwartet entwickelt, insbesondere in Deutschland (+ 1,6 %) und in Spanien (+ 3,9 % ), vermerkten die Analysten der UBS. “Unsere Investitionen in Infrastruktur und Innovationen zahlen sich aus”, konstatierte Deutschlandchef Hannes Ametsreiter. Das Unternehmen habe aber noch viel vor: “Mit zusätzlichen Investitionen wollen wir unser Kabelnetz noch schneller machen und unser Glasfasernetz deutlich ausbauen.” Lediglich die südafrikanische Vodacom (+ 3,4 %) blieb im zurückliegenden Dreimonatszeitraum unter den Erwartungen. Die UBS-Branchenexperten Polo Tang und Michael Hill gehen davon aus, dass sich der Service-Umsatz im laufenden Quartal ungefähr wie im vorangegangenen entwickeln wird. Für das Schlussquartal per Ende März rechnen sie mit einer Verbesserung, weil dann regulatorische Belastungen wegfallen. Iliad kommt späterDas unerwartet starke Wachstum in Europa und der spätere Markteintritt des Wettbewerbers Iliad in Italien bewegten das Management zur Anhebung des Gewinnziels – “erstmals in der jüngeren Geschichte”, wie Chief Executive Vittorio Colao anmerkte. Das Unternehmen erwartet nun, dass das bereinigte Ebitda im Gesamtjahr organisch um ein Zehntel zulegen wird, also zwischen 14,75 Mrd. und 14,95 Mrd. Euro hereinkommen dürfte. Bislang hatte es den Anlegern lediglich bis zu 8 % Wachstum in Aussicht gestellt, was einer Spanne von 14,0 bis 14,5 Mrd. Euro entsprach. Der frei verfügbare Cash-flow werde den bisher genannten Zielwert von rund 5 Mrd. Euro übertreffen. Den Aktionären soll eine Zwischendividende von 4,84 Cent je Anteilsschein ausgezahlt werden. Das sind 2,1 % mehr als ein Jahr zuvor.”Vodafone ist in einer guten Position, um von der verstärkten Datennutzung der Verbraucher und dem Wachstum in Schwellenländern zu profitieren”, sagte Laith Khalaf, Senior Analyst bei Hargreaves Lansdown. Dort seien Mobiltelefone oft das einzige Kommunikationsmittel, weil der Markt den Bau einer Festnetzinfrastruktur übersprungen habe. Allerdings sei die Monetarisierung strategischer Stärken nicht immer ein geradliniger Prozess, wie der Markteintritt von Jio in Indien gezeigt habe.Jio hatte alle Rivalen aggressiv unterboten. Der Mobilfunkbetreiber gehört Mukesh Ambani, dem reichsten Mann Indiens, dessen Macht auf dem Petrochemie-Geschäft von Reliance Industries gründet. Ambani verschenkte Gesprächs- und Datenkontingente, um möglichst schnell auf die von ihm angestrebten 100 Millionen Kunden zu kommen. “Der vorgeschlagene Zusammenschluss mit Idea Cellular sollte der Gruppe die nötige Größe verschaffen, um Jio anzugreifen”, sagte Khalaf. Die im März angekündigte Fusion verlaufe gut, hieß es im Halbjahresbericht. Zuletzt kündigten beide Unternehmen an, ihre Mobilfunkmasten an American Tower zu verkaufen.Noch macht der Preiskampf auf dem Subkontinent Vodafone India jedoch schwer zu schaffen. “Der Wettbewerb in Indien bleibt intensiv”, gab Colao zu. Es gebe jedoch Anzeichen für eine positive Entwicklung, etwa “die Konsolidierung kleinerer Betreiber und die jüngsten Preiserhöhungen des neuen Wettbewerbers”. Der Service-Umsatz schrumpfte um 15,8 %, das bereinigte Ebitda um 39,2 %.