Vodafone wächst stärker als erwartet

Stabile Dividende versprochen - Kein Interesse an Virgin Media - Vorsichtiger Ausblick

Vodafone wächst stärker als erwartet

Der britische Mobilfunker Vodafone wird seinen Aktionären eine stabile Dividende zahlen, im Gegensatz zu Ex-Monopolist BT Group, der angekündigt hat, vorerst keine Ausschüttungen mehr vorzunehmen. Bei Vodafone legte der Umsatz im Schlussquartal stärker als erwartet zu. Eine Prognose wagt der Konzern nicht.hip London – Die mit 42 Mrd. Euro verschuldete Vodafone Group ist in den ersten drei Monaten des Jahres schneller gewachsen als am Markt erwartet. Zudem kündigte der Telekom-Rivale an, seinen Aktionären eine stabile Dividende zu zahlen. Allerdings wollte das Unternehmen unter Verweis auf die Ungewissheit wegen der Coronavirus-Pandemie die Ziele für das im April angelaufene Geschäftsjahr nicht näher beziffern. CEO Nick Read zeigte sich zudem nicht geneigt, beim Zusammenschluss von Virgin Media (Liberty Global) und O2 UK (Telefónica) dazwischenzufunken.Der in der vergangenen Woche angekündigte Zusammenschluss ist der größte Deal in der britischen Telekombranche seit der 12,5 Mrd. Pfund schweren Übernahme des Mobilfunkers EE durch den Ex-Monopolisten BT Group vor fünf Jahren. “Wir bleiben auf unsere organische Wachstumsstrategie fokussiert”, sagte Read. Das zahle sich aus. Der Markt sei “strukturell günstig” für sein Unternehmen.Vodafone wurde seit Jahren als möglicher Käufer von Virgin Media gehandelt. Der “Telegraph” hatte allerdings vergangene Woche berichtet, dass sich Topmanager unter vier Augen gegen einen Deal ausgesprochen sowie Zustand und Wert des Netzes der Liberty-Tochter in Frage gestellt hätten. Geht es um die verfügbaren Mobilfunkfrequenzen, kann O2 UK Vodafone nicht das Wasser reichen (siehe Grafik). Zwar steht dieses Jahr eine Frequenzauktion an. Man darf allerdings davon ausgehen, dass sich auch Vodafone daran beteiligen wird. Allerdings dürfte sich der Zusammenschluss der Liberty-Tochter mit O2 UK zumindest in einer Hinsicht schmerzlich bemerkbar machen: Vodafone hatte dem Rivalen EE zuletzt den Betrieb des Mobilfunkangebots von Virgin Media abgenommen – ein lukratives Geschäft, das nun an die Telefónica-Tochter gehen dürfte. Besser als befürchtetDer Service-Umsatz von Vodafone stieg im Ende März abgelaufenen vierten Geschäftsquartal um 1,6 %. Analysten hatten im Schnitt lediglich 0,9 % auf der Rechnung. Die positive Überraschung geht darauf zurück, dass sich das Geschäft in Italien und Spanien weniger schlecht entwickelte als befürchtet. In Deutschland bewegte es sich in etwa auf Höhe der Markterwartungen.Die Pandemie wirkt sich den Analysten der UBS zufolge in vielerlei Hinsicht auf das Geschäft von Vodafone aus. Die Roaming-Einnahmen, die etwa 2,5 % des Service-Umsatzes ausmachen, sinken wegen der Ausgangsbeschränkungen. Sie fallen allerdings vor allem während der Sommermonate an. Zudem droht ein Abschwung in den Emerging Markets, in denen sich die Regierungen keine so großzügigen Maßnahmen zum Erhalt von Arbeitsplätzen leisten können wie in Großbritannien. Zudem gibt es dort weniger Vertragskunden.Für das laufende Jahr gab es zwar keine genauen Planzahlen. Allerdings hieß es, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) werde auf Vorjahresniveau oder etwas darunter hereinkommen. Vergleichsgrundlage sei dabei ein “umbasierter” Wert von 14,5 Mrd. Euro. Der Free Cash-flow werde – vor den Kosten der diesjährigen Frequenzauktion – bei mindestens 5 Mrd. Euro liegen. Nun hatten Analysten unterstellt, dass das bereinigte Ebitda im laufenden Jahr wachsen wird. Mit einer Senkung der Gewinnschätzungen darf also gerechnet werden.Den Aktionären winkt eine stabile Dividende von 9 Cent je Anteilschein. Nachdem der Ex-Monopolist BT Group vergangene Woche angekündigt hatte, die Dividende bis 2022 auszusetzen und danach auf eine neue Grundlage zu stellen, fürchteten viele bereits, ebenfalls verzichten zu müssen. Vodafone hatte die Ausschüttungen bereits im Mai vergangenen Jahres um 40 % reduziert, um ausreichend finanzielle Feuerkraft für den 5G-Netzausbau zur Verfügung zu haben (vgl. BZ vom 15.5.2019). Es war die erste Dividendenkürzung des Unternehmens seit 1990.