Volkswagen überrascht mit Gewinnsteigerung
Volkswagen überrascht mit Gewinnsteigerung
Der Volkswagen-Konzern hat Umsatz und operative Rendite 2019 stärker gesteigert als angekündigt. Aktionäre sollen nun eine um gut ein Drittel steigende Dividende erhalten. Zudem will VW die Rolle von Audi im Konzern stärken – und die Anteile der Minderheitsaktionäre an der Tochter übernehmen.ste Hamburg – Der Volkswagen-Konzern hat Anleger vor dem Wochenende mit einer überraschend starken Umsatz- und Gewinnsteigerung im vergangenen Geschäftsjahr, der Ankündigung einer auf 6,56 (i. V. 4,86) Euro je Vorzugsaktie steigenden Dividende sowie einem deutlich erhöhten Barmittelbestand erfreut. Die Vorzüge gingen am Freitag bei 148,58 Euro zwar mit einem Minus von 0,2 %, aber als bester Dax-Wert aus dem Handel.Mit um 7,1 % auf 252,6 Mrd. Euro erhöhten Erlösen übertraf der Zwölfmarkenkonzern trotz Abschwächung der weltweiten Autokonjunktur das Jahresziel einer Steigerung um bis zu 5 %. Zum Wachstum trugen ein höherer Fahrzeugabsatz, Mixverbesserungen sowie eine positive Entwicklung in der Finanzdienstleistungssparte bei. Der mit 10,97 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen (+1,3 %) weiterhin weltgrößte Autohersteller profitiert von der wachsenden Nachfrage nach margenträchtigeren Stadtgeländewagen (SUVs).Auch die operative Umsatzrendite vor Sondereinflüssen lag mit 7,6 % über dem VW-Zielkorridor von 6,5 bis 7,5 %. Im Gesamtjahr kletterte das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen um 12,8 % auf 19,3 Mrd. Euro. Die negativen Sondereinflüsse im Zusammenhang mit der Dieselabgaskrise verringerten sich den Angaben zufolge im Vorjahresvergleich auf 2,3 (3,2) Mrd. Euro, so dass der operative Gewinn um fast 22 % aufknapp 17 Mrd. Euro anzog. Das anteilige operative Ergebnis der chinesischen Joint-Ventures blieb trotz der Abschwächung des weltgrößten Automarkts mit 4,4 (4,6) Mrd. Euro fast auf Vorjahresniveau. Die Konzernumsatzrendite vor Steuern landete bei 7,3 (6,6) %. Im Konzernbereich Automobile stieg der Netto-Cash-flow auf 10,8 (-0,3) %, dadurch fiel auch die Nettoliquidität mit 21,3 (19,4) Mrd. Euro höher aus.Finanzvorstand Frank Witter betonte, der VW-Konzern sei finanziell weiter robust aufgestellt. Das Erreichen der Ziele 2020 bezeichnete er mit Blick auf die Marktbedingungen als “Kraftakt”. Den Umsatz des Konzerns erwartet man in Wolfsburg um bis zu 4 % höher als im vergangenen Turnus. Auch für das laufende Geschäftsjahr stellt VW eine operative Umsatzrendite im Konzern und im Pkw-Bereich von 6,5 bis 7,5 % in Aussicht. Der Autohersteller fügte hinzu, dass die Prognose Einschätzungsunsicherheiten unterliege, so wegen der Coronakrise. Die F&E- sowie die Sachinvestitionsquote im Konzernbereich Automobile soll sich 2020 zwischen 6,0 und 6,5 % bewegen. Ferner rechnet der Konzern, der sich am Freitag auf einen Vergleich mit Verbraucherschützern in Deutschland im Zusammenhang mit der Dieselkrise verständigte (siehe separaten Bericht), mit weiteren Liquiditätsabflüssen aus der Dieselkrise sowie deutlich höheren aus M&A-Aktivitäten. Der Netto-Cash-flow werde spürbar unter dem Vorjahreswert, aber im positiven Bereich liegen. Ohne Effekte aus Dieselkrise und M&A-Aktivitäten gelte für 2020 weiter die Prognose eines Netto-Cash-flows von mindestens 10 Mrd. Euro.Nach Börsenhandelsschluss kündigte VW am Freitag an, die Rolle von Audi im Konzern zu stärken. Der künftige Audi-Chef Markus Duesmann werde die Führung für Forschung und Entwicklung im Markenverbund übernehmen. Auch die Car-Software-Organisation, die im VW-Konzern markenübergreifend Software im Fahrzeug und digitale Ökosysteme entwickeln soll, solle ihren organisatorischen Schwerpunkt in Ingolstadt haben. Mit der neuen Gesellschaft will VW den Anteil der Software-Eigenentwicklung im Konzern bis 2025 auf 60 % erhöhen. Im Zuge der Neuordnung der Kompetenzen und Verantwortlichkeiten zielt VW als Audi-Hauptaktionär nun auch auf einen aktienrechtlichen Squeeze-out der Minderheitsaktionäre. Die frei an der Börse gehandelten 0,36 % der Audi-Anteile sollen übernommen werden. Der Squeeze-out solle der Audi-Hauptversammlung vorgeschlagen werden, die vom 14. Mai auf Juli oder August verschoben werde.Ferner kündigte die VW-Nutzfahrzeugholding-Tochter Traton an, die Marke MAN auf Traton verschmelzen zu wollen. Die mit 5,64 % beteiligten MAN-Minderheitsaktionäre sollen in einem Squeeze-out-Verfahren eine noch nicht bezifferte Barabfindung erhalten. Traton wird danach zu 100 % unmittelbar an den Töchtern MAN Truck & Bus und Scania beteiligt sein.