Volkswagen zeigt Bestwerte und enttäuscht

Anleger reagieren verschnupft auf Prognose - Dividende soll sich fast verdoppeln - "Dieselgate" kostet inzwischen fast 26 Mrd. Euro

Volkswagen zeigt Bestwerte und enttäuscht

Dieselkrise, Affentests, Kartellermittlungen: Trotz Skandalserie wartet der Volkswagen-Konzern nach dem Geschäftsjahr 2017 mit Bestwerten auf. Auch die Dividende soll kräftig steigen. Anleger reagieren dennoch verschnupft: Die Prognose für 2018 fällt enttäuschend aus. ste Hamburg – Im zweiten vollen Jahr nach Bekanntwerden des im September 2015 in den USA aufgeflogenen Dieselabgasskandals hat der Volkswagen-Konzern neben einem Auslieferungsrekord auch neue Bestmarken beim Umsatz und beim operativen Ergebnis erreicht. Der weltgrößte Fahrzeugbauer, der im vergangenen Jahr 10,74 (i.V. 10,30) Millionen Autos und Nutzfahrzeuge an Kunden übergab, kam bei Anlegern nach Veröffentlichung der vorläufigen Jahreszahlen am Freitagnachmittag trotz einer auch kräftig steigenden Dividende nicht gut an: Die Vorzugsaktie rutschte im Vergleich zum Vortagesschlusskurs um bis zu 3 % ab, bevor sie mit einem Minus von 0,8 % bei 162,60 Euro aus dem Handel ging. Mehr erwartetFür Enttäuschung sorgte die Prognose. So gehen die Wolfsburger für 2018 neben einem um bis zu 5 % steigenden Umsatz von einer operativen Rendite in der Spanne von 6,5 bis 7,5 % aus. Am Markt sei ein Korridor von 7,5 bis 8 % erwartet worden, sagte ein Händler. Für 2017 weist Volkswagen bei einem um 16,5 % auf gut 17 Mrd. Euro gestiegenen operativen Ergebnis vor Sondereinflüssen eine Umsatzrendite von 7,4 (i.V. 6,7) % aus. Nach dem überraschend starken dritten Quartal hatte Volkswagen die Latte höher gelegt und erklärt, die bis dato in Aussicht gestellte Spanne von 6,0 bis 7,0 % im Gesamtjahr “moderat” zu übertreffen. Auch der Umsatz kletterte mit 6,2 % auf 230,7 Mrd. Euro stärker als prognostiziert (mehr als 4 %). Für das Schlussquartal errechnet sich im Konzern ein operativer Gewinn von gut 3,8 Mrd. Euro – der schwächste Wert verglichen mit den drei vorangegangenen Abschnitten. Inklusive der im Berichtsjahr auf 3,2 (7,5) Mrd. Euro verminderten negativen Sondereinflüsse, die ausschließlich aus Belastungen im Pkw-Bereich durch die Dieselabgasaffäre resultierten, steht ein auf 13,8 (7,1) Mrd. Euro fast verdoppeltes operatives Ergebnis zu Buche. Von Reuters erfasste Analysten hatten im Schnitt mit 14,7 Mrd. Euro gerechnet. 19 Mrd. Euro abgeflossen Die gesamten Rückstellungen im Zuge von “Dieselgate” beziffert der Konzern inzwischen mit 25,8 Mrd. Euro. Nach 16,2 Mrd. und 6,4 Mrd. Euro in den Jahren 2015 und 2016 fielen im vorigen Jahr 3,2 Mrd. Euro an. Die Mittelabflüsse als Folge von “Dieselgate”, vor allem für Fahrzeugrückrufe und Rechtsrisiken, beliefen sich Ende 2017 auf insgesamt 19,1 Mrd. Euro. Nach 3 Mrd. Euro 2016 flossen im vergangenen Turnus 16,1 Mrd. Euro ab – davon 1,6 Mrd. Euro im vierten Quartal. Finanzvorstand Frank Witter hob neben dem starken operativen Geschäft die robuste finanzielle Lage des Konzerns hervor. Die Nettoliquidität im Konzernbereich Automobile lag zum Jahresende bei 22,4 (27,2) Mrd. Euro. Das anteilige operative Ergebnis der chinesischen Joint Ventures schrumpfte 2017 leicht auf 4,7 Mrd. Euro. Unter dem Strich kommt der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr auf einen mehr als verdoppelten Gewinn von 11,6 (5,4) Mrd. Euro. Die Stammaktionäre, darunter die Familien Porsche und Piech, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar, sollen eine Dividende von 3,90 (2,00) Euro je Aktie erhalten, die Vorzugsaktionäre 3,96 (2,06) Euro. Das Niveau von 4,86 Euro je Vorzugsaktie für 2014, dem letzten Jahr vor Bekanntwerden der Dieselabgaskrise, hat die Ausschüttung damit zwar noch nicht wieder erreicht. Übertroffen würde mit der vorgeschlagenen Dividende aber das Niveau von 3,56 Euro für das Jahr 2012.Zu den Ergebnissen der Konzernmarken wird sich Volkswagen bei der Bilanzvorlage am 13. März äußern. Die im Umbau begriffene Kernmarke Volkswagen Pkw kündigte am Freitag Investitionen von 80 Mill. Euro für den Bau eines Cabriolets des neuen Kompakt-SUV-Modells T-Roc am Standort Osnabrück an. Die Produktion soll 2020 beginnen. Die Marke will bis dahin ihr SUV-Angebot auf 20 Modelle weltweit ausdehnen. Der Anteil der Geländelimousinen an allen verkauften Autos der VW-Marke soll dann bei 40 % liegen.