Vonovia überzeugt mit Stabilität

Satter Ergebnissprung im ersten Quartal - Prognose bestätigt - Weitere Bestandsaufwertung in Sicht

Vonovia überzeugt mit Stabilität

Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia kommt weitgehend ungeschoren durch die Viruskrise. Zwar dürften die Mieteinnahmen etwas langsamer wachsen, an der Ertragsprognose wird jedoch festgehalten. Das fiel an der Börse auf fruchtbaren Boden. ab Düsseldorf – Vonovia ist mit einem satten Ergebnissprung in den neuen Turnus gestartet und bestätigt vor diesem Hintergrund die Prognose für den laufenden Turnus. Demnach wird der operative Ertrag (Group FFO) zwischen 1,275 Mrd. und 1,325 Mrd. Euro erwartet. Zwar werde es im Zuge der Viruskrise in diesem Jahr zu einem langsameren Mietwachstum kommen – Vonovia verzichtet krisenbedingt bis September auf Mieterhöhungen, zudem verzögern sich Neubau- und Modernisierungsvorhaben stellenweise -, auf das Ergebnis werde das jedoch nicht durchschlagen, sagte Vorstandschef Rolf Buch vor der Presse. KurssprungDiese Aussage verhalf dem Dax-Wert am Dienstag zu einem Kurssprung um 6,8 % auf 46,99 Euro. Damit notiert die Aktie allerdings immer noch um etwa 10 % unter dem Nettovermögenswert je Aktie. Dieser hat sich binnen Jahresfrist um fast 15 % erhöht. Darin spiegeln sich nicht zuletzt Bestandsaufwertungen, die Vonovia halbjährlich vornehmen muss. Auch zum Stichtag 30. Juni wird der Immobilienbestand einer Wertüberprüfung unterzogen, bei der Buch abermals mit “einer signifikanten Wertsteigerung” in der Größenordnung des Vorjahres rechnet. Einzige Ausnahme bilde der Berliner Wohnungsmarkt, auf dem angesichts des dort geltenden Mietendeckels nicht mit weiteren Wertsteigerungen gerechnet wird. Im ersten Halbjahr 2019 hatte Vonovia den Bestand um 2,3 Mrd. Euro hochgeschrieben. Buch ist stolz, dass das Geschäftsmodell seine Stabilität in der Krise unter Beweis stellt. Noch bevor der Gesetzgeber aktiv wurde, hat Vonovia den eigenen Mietern Mitte März Mietstundungen angeboten, sofern diese krisenbedingt in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Etwas mehr als 1 % der Mieter haben sich nach den Angaben bis heute gemeldet. Vonovia könne sich das leisten, zumal es sich ja letztlich nur um eine Liquiditätsverschiebung handele, führte Buch aus. Es geht um eine Größenordnung von 40 Mill. Euro.Liquiditätsseitig sind die Bochumer gut aufgestellt, zumal sie freien Zugang zu den Kapitalmärkten haben. So hat Vonovia im Berichtsquartal gut 500 Mill. Euro mit Pfandbriefbanken finanziert und Ende März zwei Anleihen im Gesamtvolumen von 1 Mrd. Euro platziert.”Die Krise bietet Chancen, die wollen wir nutzen”, sagte der Vonovia-Chef, fügte aber zugleich an, dass Akquisitionen ohne physische Präsenz der Verhandlungspartner schwer realisierbar seien. Den kürzlich aufgekommenen Spekulationen zu einem neuen Fusionsanlauf mit Deutsche Wohnen erteilte Buch eine Absage. “Es ist nicht klar, welche Rolle die privaten Wohnungsanbieter in Berlin überhaupt spielen sollen”, erläuterte Buch. Während nur etwa 10 % des Immobilienbestands von Vonovia in Berlin liegen, sind es beim Rivalen Deutsche Wohnen 70 %.Die Bedeutung von Akquisitionen für das Geschäftsmodell von Vonovia lässt sich an den Quartalszahlen ablesen. Denn vom Wachstum der Mieteinnahmen um über 12 % entfiel ein Großteil auf die Übernahme der schwedischen Hembla. Marktbedingt wuchsen die Mieten dagegen nur um 1 %. Hinzu kamen Mieteinnahmen aus Dachaufstockungen und Modernisierungen, so dass sich das organische Mietwachstum auf 3,9 % belief. Das bereinigte operative Ergebnis legte im Berichtsquartal um gut 6 % auf 456 Mill. Euro zu, dazu überproportional verbesserte sich der Group FFO (Funds from Operations), die in der Immobilienwirtschaft maßgebliche Kenngröße, um 10,5 % auf 336 Mill. Euro.