Wenn der Wurm drin ist

Von Annette Becker, Düsseldorf Börsen-Zeitung, 7.10.2017 Spielverderber? Diesen Vorwurf muss sich Bayer nicht gefallen lassen. Im Gegenteil, selbst die Nachricht, dass die EU-Kommission die Uhr im Genehmigungsverfahren zur Übernahme von Monsanto...

Wenn der Wurm drin ist

Von Annette Becker, DüsseldorfSpielverderber? Diesen Vorwurf muss sich Bayer nicht gefallen lassen. Im Gegenteil, selbst die Nachricht, dass die EU-Kommission die Uhr im Genehmigungsverfahren zur Übernahme von Monsanto angehalten hat – nur wenige Wochen nachdem Bayer schon auf Brüsseler Druck die Verlängerung der Prüffrist beantragen musste -, bringt den Leverkusener Life-Science-Konzern nicht aus der Fassung: “Wir tun unser Möglichstes, alle Fragen der EU-Kommission so schnell wie möglich zu beantworten, und werden weiterhin mit den Genehmigungsbehörden weltweit zusammenarbeiten”, heißt es lapidar.Selbstverständlich hält Bayer zugleich am Ziel fest, die mit 66 Mrd. Dollar teuerste Übernahme der Firmengeschichte bis Anfang 2018 abzuschließen – unabhängig davon, dass die zuletzt kommunizierte Deadline, der 22. Januar, nun nicht mehr zu halten ist. Ein neues Datum gibt es nicht, beginnt die Uhr in dem zeitlich streng regulierten Verfahren doch erst wieder zu ticken, wenn die Fusionsparteien die angeforderten Informationen eingereicht haben.Alles halb so schlimm, versucht Bayer zu beruhigen. Auch Dow Chemical und DuPont mussten lange auf die Genehmigung ihres Zusammenschlusses warten, weil die Brüsseler Beamten im Prüfverfahren auf die Stoppuhr gedrückt hatten. Erst im März dieses Jahres – und damit mehr als 15 Monate nach der Ankündigung des Vorhabens – gab es grünes Licht aus Brüssel für die erste von drei Großübernahmen in der weltweiten Agrochemie. Sollte auch Bayer die Freigabe erhalten, gäbe es nur noch vier global tätige Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut, die einen Marktanteil von drei Vierteln auf sich vereinen.Allerdings ist Bayer mit der Übernahme des weltgrößten Saatgutherstellers zeitlich gesehen der Spätzünder. Das wirkt sich zumindest in der Europäischen Union nachteilig auf das Prüfverfahren aus, werden die Fusionen doch strikt nach Anmeldedatum abgearbeitet und damit vor dem Hintergrund eines immer weiter konsolidierten Marktes geprüft. Deadline Mitte 2018Erschwerend kommt hinzu, dass nur die EU-Kommission das Recht hat, die Uhr anzuhalten, derweil die Deadline für Bayer gegenüber den Monsanto-Aktionären vertraglich fixiert ist. Sollte die Fusion nicht bis Mitte 2018 kartellrechtlich freigegeben sein, muss Bayer eine Pönale von 2 Mrd. Dollar zahlen. Langsam wird erkennbar, warum Monsanto im monatelangen Übernahmekampf so hart um eine hohe Entschädigungszahlung gerungen hatte.Doch nicht nur mit Blick auf das Brüsseler Genehmigungsverfahren scheint bei Bayer gerade der Wurm drin. Denn auch jenseits der Großakquisition laufen die Geschäfte in Leverkusen nicht rund. Sowohl in der Division Cropscience als auch im Geschäft mit verschreibungsfreien Medikamenten steht Bayer vor großen Herausforderungen. Erst zur Jahresmitte mündete das in einer Gewinnwarnung.Hinzu kommen schlechte Nachrichten aus der Pharmapipeline. Erst am Freitag musste Bayer einräumen, eine Phase-III-Studie mit dem umsatzstärksten Medikament Xarelto mangels Erfolg vorzeitig beendet zu haben. Dadurch wird zwar der erwartete Spitzenumsatz des Gerinnungshemmers nicht gekürzt – unverändert wird Xarelto im Peak ein Jahresumsatz von mehr als 5 Mrd. Euro zugetraut. Ein Rückschlag ist es dennoch. Schon Ende Juli war ein Krebsmedikament, der größte Hoffnungsträger aus der Pipeline, in einer Phase-II-Studie durchgefallen – die Aussicht auf einen Spitzenumsatz von 2 Mrd. Euro ging verloren. ——–Bei Bayer läuft es derzeit nicht rund – auch jenseits des stockenden Prüfverfahrens in der EU.——-