WERTBERICHTIGT

Wenn die Lieferkette reißt

Börsen-Zeitung, 1.4.2020 Die Binsenweisheit, dass eine Kette so stark ist wie ihr schwächstes Glied, dürfte der Autoindustrie bekannt sein. Die Fehleinschätzung, die Lieferketten seien stabil, wurde dennoch bis vor wenigen Wochen offensiv vertreten....

Wenn die Lieferkette reißt

Die Binsenweisheit, dass eine Kette so stark ist wie ihr schwächstes Glied, dürfte der Autoindustrie bekannt sein. Die Fehleinschätzung, die Lieferketten seien stabil, wurde dennoch bis vor wenigen Wochen offensiv vertreten. Die Stärke des globalen Sourcings für oft lokale Fertigung ist zugleich dessen große Schwäche. Wenn die Nachfrage lokal abstürzt, können bestellte Vorprodukte zwar einfach in andere Regionen umgeleitet werden. So bleibt die Lagerhaltung gering und damit das investierte Kapital. Der Nachteil: Bricht die Versorgung an einer Stelle ab, zerreißt potenziell die gesamte Lieferkette. Auch wenn die Produktion bald wieder hochläuft, dürfte die Industrie kaum so weitermachen wie bisher. Die Stärkung der lokalen Produktionsketten, die sich US-Präsident Donald Trump bei seinem Amtsantritt mit dem Slogan “America First” auf die Fahnen geschrieben hatte, dürfte nun weltweit kommen – zumindest für die wichtigen Märkte Europa, Nordamerika und China. Mit drei weitgehend unabhängigen Lieferketten würde es die Unternehmen künftig deutlich weniger stark treffen, wenn wieder einmal eine davon reißt. scd