Zalando setzt Ausblick wieder hoch

Quartalsgewinn verdoppelt - Onlinehändler profitiert von Nachholeffekten, Sparprogramm und rückläufiger Retourenquote

Zalando setzt Ausblick wieder hoch

Nach dem Wachstumseinbruch zu Beginn der Corona-Pandemie in Europa haben die Verkäufe von Zalando rasant zugelegt. Das zweite Quartal habe “außergewöhnlich starke Ergebnisse” gebracht, berichtet der Online-Modehändler. Daher hebt der Konzern die erst im Mai gesenkte Jahresprognose wieder an.hek Frankfurt – Der Online-Modeverkäufer Zalando erhöht nach einem starken zweiten Quartal die Prognose für das laufende Jahr. Das Management rechnet nun damit, dass der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), bereinigt um Sondereinflüsse, zwischen 250 Mill. und 300 Mill. Euro erreichen wird. Das geht noch über die ursprüngliche Prognose von 225 Mill. bis 275 Mill. Euro hinaus. Zwischenzeitlich hatte der Konzern unter dem Eindruck der Coronaverwerfungen die Ergebnisschätzung auf 100 Mill. bis 200 Mill. Euro gekappt.Aus dem Ausblick ergibt sich ein neues Margenziel von 3,6 %, verglichen mit 2,0 % bei der Prognose vom Mai. Bei den Zielwerten für Umsatz und Bruttowarenvolumen, das neben den eigenen Verkäufen auch die über die Plattform generierten Erlöse der Partnerfirmen berücksichtigt, kehrt Zalando zu den ursprünglichen Vorgaben zurück. Demnach soll der Umsatz 2020 um 15 % bis 20 % zulegen. Für das Bruttowarenvolumen wird ein darüber hinausgehender Anstieg um 20 % bis 25 % erwartet, was eine überdurchschnittliche Ausweitung des Partnergeschäfts impliziert. Die Investitionen siedelt die nach eigenen Angaben führende Onlineplattform für Mode und Lifestyle weiter zwischen 230 Mill. und 280 Mill. Euro an.Die flächendeckenden Geschäftsschließungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben im zweiten Quartal einen Boom ausgelöst. Drei Millionen neue Kunden hätten in den drei Monaten bei Zalando eingekauft, heißt es in dem Trading Update. Damit habe sich die Verschiebung der Nachfrage von offline zu online beschleunigt. “Als Folge der vorherrschenden Gesundheits- und Sicherheitsbedenken kaufen Kunden generell gern online ein”, sagt Finanzvorstand David Schröder.So legten die Quartalsumsätze um 26 % bis 28 % auf gut 2 Mrd. Euro und das Bruttowarenvolumen um 32 % bis 34 % auf rund 2,7 Mrd. Euro zu. Das bereinigte Ebit wurde, zusätzlich begünstigt durch einige temporäre Faktoren, von 101,7 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum auf 200 Mill. bis 220 Mill. Euro verdoppelt. Das zweite Quartal fällt neben dem vierten typischerweise stärker aus, während das erste und das dritte saisonal schwächere Quartale sind. Dax-KandidatNeben dem Sparprogramm, das im März in Reaktion auf den Wachstumseinbruch angestoßen wurde, profitierte der Konzern im zweiten Jahresviertel von Nachholeffekten aus dem schwachen Startquartal. Im April kam die Nachfrage wieder in Gang, so dass Frühjahr- und Sommermode stark gefragt war. Zudem ging die Retourenquote zurück, was sich günstig auf die Profitabilität auswirkt. Als Ursache nennt Zalando Verschiebungen in den nachgefragten Sortimenten hin zu Sportartikeln, Kindermode und Kosmetik sowie den starken Neukundenzuwachs – Erstkäufer schicken bestellte Waren seltener zurück als Stammkunden.Die starken Quartalsergebnisse hatten sich abgezeichnet. Mitte Juni hatte das Management angekündigt, dass die Resultate deutlich über den Analystenschätzungen liegen würden. Den vollständigen Quartalsbericht will Zalando am 11. August veröffentlichen. Die im MDax vertretene Aktie, die sich seit dem März-Tief mehr als verdoppelt hat, legte am Donnerstag bis zu 6 % zu. Die Marktkapitalisierung bewegt sich inzwischen bei 17 Mrd. Euro, so dass Zalando als Dax-Kandidat gilt. 180 neue PartnerDas US-Analysehaus Bernstein Research sprach von einem herausragenden zweiten Quartal. Die Investmentbank Goldman Sachs geht davon aus, dass die Konsensschätzung der Analysten nun deutlich steigen dürfte. Auch nach Meinung der Schweizer Großbank UBS erlauben die Ergebnisse des Online-Modehändlers eine Anhebung der Schätzungen für das Gesamtjahr, doch geben die Experten zu bedenken, dass die Entwicklung nicht ganz überraschend sei.Weiter stark gewachsen sei das Partnerprogramm, berichtet Zalando. Zwischen April und Juni seien 180 Partner hinzugekommen. Das Bruttowarenvolumen des Programms sei im zweiten Jahresviertel um mehr als 100 % gestiegen. Zalando will dieses Geschäft erklärtermaßen ausbauen. So werde ab August die H&M-Designermarke Arket auf der Plattform verfügbar sein. Das Connected-Retail-Programm, über das stationäre Läden ihr Sortiment auf der Zalando-Plattform verkaufen, bieten die Berliner nun auch in Spanien, Schweden und Polen an. Derzeit seien gut 1 800 Geschäfte angeschlossen.