Zalando will mit Luxusmode punkten
Zalando will mit Luxusmode punkten
Mit einem verhaltenen Ausblick hat Zalando Investoren enttäuscht. Das Wachstum will der Online-Modehändler mit dem Einstieg ins Luxussegment ankurbeln. Secondhand-Bekleidung will das Unternehmen künftig ebenfalls verkaufen. Der operative Gewinn legte im vergangenen Jahr knapp 30 % zu.hek Frankfurt – Der Online-Modehändler Zalando erweitert sein Sortiment um Luxusmarken und Second-Hand-Bekleidung. Das Sortiment an Premium- und Luxusmode soll bis 2023 verdoppelt werden, kündigt das Berliner Unternehmen an. Damit will der Konzern im 38 Mrd. Euro großen europäischen Premiumsegment, das 9 % des Modemarkts ausmacht, stärker Fuß fassen und dabei vor allem jüngere Kunden ansprechen. Seit kurzem würden Marken wie Moschino Couture und Alberta Ferretti geführt. Das Premiumgeschäft des Konzerns sei 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 35 % gewachsen. Derzeit umfasst es 260 Marken. Bis 2022 strebt Zalando eine Verdreifachung des Premium-Verkaufsvolumens an.Ab dem dritten Quartal 2020 sollen Kunden außerdem Secondhand-Ware auf der Plattform kaufen und eigene Bekleidung an Zalando verkaufen können. Dieses Angebot dient vor allem dazu, Kundenbeziehungen zu vertiefen, doch zeigt sich das Management zuversichtlich, damit auch Geld zu verdienen.Mit Ernüchterung nahmen Investoren den Ausblick für 2020 auf. Die im MDax vertretene Aktie ging am Donnerstag mit einem Minus von 7 % aus dem Handel. Der Verkäufer von Bekleidung, Schuhen und Kosmetik stellt für das laufende Geschäftsjahr, bereinigt um Sonderfaktoren, zwischen 225 Mill. und 275 Mill. Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Aussicht. 2019 erreichte der operative Ertrag 225 Mill. Euro, 29,7 % mehr als im Jahr zuvor. Sommermode auf LagerDer Umsatz soll 2020 um 15 bis 20 % zulegen, das Bruttowarenvolumen (GMV), das neben den eigenen Einnahmen auch die Verkäufe von Partnerunternehmen berücksichtigt, um 20 bis 25 %. Zudem will der Konzern das Logistiknetz erweitern und ein neues Logistikzentrum in Spanien eröffnen.Mögliche Folgen der Ausbreitung des Coronavirus sind in dem Ausblick außen vor geblieben. Bisher sei das Geschäft davon nicht betroffen, versichert Co-CEO Rubin Ritter. Die Frühjahrs- und Sommermode sei großenteils bereits auf Lager. Das Management beobachte die Entwicklung genau, die Situation könnte sich in den kommenden Wochen “sehr dynamisch entwickeln”. Die wichtigsten Beschaffungsländer des Unternehmens sind China, das besonders von der Corona-Epidemie betroffen ist, Bangladesch, Indien, Türkei und Portugal. Die europäische Modebranche bezieht etwa 28 % ihrer Ware aus China. Experten befürchten, dass mögliche Produktionsstopps in Textilfabriken zu einer Unterbrechung von Lieferketten führen können. Zalando sieht sich jedoch in einer besseren Position als andere Modekonzerne, was damit begründet wird, dass der Konzern 2500 Marken verkauft, also insofern stark diversifiziert ist. Zudem könnten Kunden verstärkt online statt in Geschäften einkaufen.Der Ausblick sei etwas enttäuschend, meint die Schweizer Großbank UBS. Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs kommt zu der Einschätzung, dass der Margenausblick etwas schlechter sei als gedacht. Die britische Bank Barclays meint hingegen, die Prognose für 2020 sei in Ordnung. Im vergangenen Jahr hat Europas größter Online-Modeversender 4,6 Millionen aktive Kunden hinzugewonnen und erreicht nun 31 Millionen Abnehmer. Zalando mache deutliche Fortschritte auf dem Weg zur ersten Anlaufstelle für Modeeinkäufe, heißt es. Über die Plattformen wurden 2019 Waren im Wert von 8,2 Mrd. Euro abgesetzt, 23,6 % mehr als im Vorjahr. Bis 2023/24 soll dieser Wert auf 20 Mrd. Euro klettern. Dafür wandelt sich Zalando mehr und mehr zu einem Verkaufskanal, auf dem Drittanbieter Artikel absetzen. Das Partnerprogramm steuerte im vierten Quartal 2019 bereits 15 % zum GMV bei, fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum. Bis 2023/24 werden 40 % angestrebt. In den Umsatz fließen davon nur Provisionen und Servicegebühren ein, was zu einem unterdurchschnittlichen Erlöswachstum führt. Im vergangenen Jahr war ein Umsatzplus von 20,3 % auf 6,5 Mrd. Euro zu verzeichnen.Der durchschnittliche Warenwert je Bestellung ging 2019 leicht von 57,10 Euro auf 56,60 Euro zurück. Dahinter steckt der Trend, dass Kunden häufiger ordern, aber weniger Geld je Bestellung ausgeben, was sich in höheren Kosten für die Auslieferung niederschlägt. Zalando steuert mit der Einführung von Mindestbestellwerten gegen, die nun in neun von 17 Absatzländern gelten. – Wertberichtigt Seite 8