Wohnimmobilien

Vonovia gibt sich verbindliche Klimaziele

Mit der Einführung eines Nachhaltigkeits-Index schlägt Vonovia einen verbindlichen Klimapfad ein. Doch auch wenn Vorstandschef Rolf Buch das Bekenntnis zum Klimaschutz als gerade auch für Aktionäre wichtiges Thema herausstellte, ließ sich mit dem Geschäftsbericht an der Börse nicht punkten, zumal der Ausblick seit November bekannt war.

Vonovia gibt sich verbindliche Klimaziele

ab Köln – Der Ankündigung, sich aktiv am Kampf gegen den Klimawandel zu beteiligen, lässt Vonovia Taten folgen. Dafür schlägt Deutschlands größter Vermieter einen verbindlichen Klimapfad ein, mit dem bis 2050 nahezu Klimaneutralität erreicht werden soll. Gesetzt wird auf das Zusammenspiel von energetischer Modernisierung des Gebäudebestands und CO2-freier Wärmeerzeugung, wie Vonovia-Chef Rolf Buch bei der Bilanzvorlage erläuterte. Mit energetischer Gebäudesanierung allein sei die Zielsetzung nicht zu erreichen.

Messen lässt sich Vonovia an einem neu entwickelten Nachhaltigkeits-Performance-Index (SPI), der Eingang in die Vorstandsvergütung findet. In den SPI fließen sechs Faktoren ein, von denen sich zwei konkret mit Klimavorgaben beschäftigen – die CO2-Intensität des deutschen Gebäudebestands und der energieeffiziente Neubau. Daneben finden Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit Eingang in den Index sowie Zielsetzungen für die altersgerechte Wohnungssanierung und eine Frauenquote in den oberen Führungsetagen des Konzerns. Nur wenn die Ziele in allen Kategorien erfüllt sind, liegt eine vollständige Planerfüllung vor.

Sich klaren ESG-Kriterien (environmental, social, governance) zu unterwerfen, liege im Interesse aller Stakeholder, sagte Buch. Denn nur wenn Vonovia auch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werde, sei das Geschäftsmodell nachhaltig tragfähig. Viele andere Unternehmen könnten ihre Produktion verlagern, Vonovia könne dagegen nicht weg.

Krise problemlos weggesteckt

In diesem Zusammenhang warnte Buch auch davor, das Thema Wohnen in den anstehenden Wahlkämpfen zur Polarisierung zu missbrauchen. Wenngleich das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Berliner Mietendeckel noch ausstehe, zeige sich bereits heute, dass das mit dem Berliner Gesetz verfolgte Ziel, das Angebot an bezahlbarem Wohnraum zu erhöhen, verfehlt wurde. Im Gegenteil: In Berlin sei es heute schwieriger denn je, eine bezahlbare Wohnung zur Miete zu finden. Von daher plädiert der Vonovia-Chef dafür, die Ursachen anzugehen und nicht an Symptomen herumzudoktern.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich Vonovia dank der Größe und Solidität den Schwenk hin zu mehr Klimaschutz und sozialem Engagement auch leisten kann. Das zeigt sich in der Corona-Pandemie, durch die Vonovia bislang problemlos gesteuert ist. Niemand, der wegen der Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sei, verliere seine Wohnung, erneuerte Buch das mit Ausbruch der Covid-19-Krise gegebene Versprechen.

Die unverändert angespannte Lage am Wohnimmobilienmarkt spiegelt sich in der abermaligen Bestandsaufwertung, die 2020 in einer Hochschreibung um 3,7 Mrd. Euro mündete, nach 2019 ist das die zweithöchste Aufwertung. Entsprechend erhöhte sich der Verkehrswert des Bestands auf knapp 59 Mrd. Euro. Die zunehmende Regulierung des Wohnungswesens spiegelt sich dagegen in dem nur moderaten Anstieg der Mieteinnahmen. Diese erhöhten sich im abgelaufenen Turnus zwar um 10 % auf 2,3 Mrd. Euro, Das Gros des Zuwachses war jedoch auf die ganzjährige Einbeziehung der schwedischen Hembla zurückzuführen. Für 2021 wird vergleichbar mit 2,3 bis 2,4 Mrd. Euro kalkuliert.

Mietendeckel

Marktbedingt stiegen die Mieten nach den Angaben dagegen nur um 0,6 %, eine Folge der wirksamen Mietpreisbremse. Modernisierungen führten zu Zuwachs um 1,9 % und Investitionen in Neubau und Dachaufstockung steuerten ein Plus von 0,6 % bei. Somit brachte es das organische Mietwachstum auf 3,1%. Für 2021 wird eine Größenordnung von 3,0 bis 3,8 % ins Auge gefasst, in Abhängigkeit davon, ob der Mietendeckel in Berlin auch Ende 2021 noch wirksam ist. Mit einem Ge­richtsurteil wird im zweiten Quartal gerechnet.

Um das gesamte Potenzial zu zeigen, ist Vonovia auf den Ausweis der Segmentumsätze übergegangen, darin sind neben den Mieteinnahmen auch die Umsätze der Segmente Sales, Value-add und Development enthalten. Der Gruppenumsatz belief sich demnach im abgelaufenen Turnus auf 4,4 Mrd. Euro und soll im neuen Geschäftsjahr auf 4,9 bis 5,1 Mrd. Euro wachsen. Im Mittelzufluss der Gruppe (Group FFO), der als Ausschüttungsbasis dient, wird ein Zielkorridor zwischen 1,415 und 1,465 Mrd. Euro aufgezogen, nach 1,348 Mrd. Euro im abgelaufenen Turnus. Daraus soll eine Dividende von 1,69 Euro gezahlt werden.

An der Börse reichte der Ausblick gleichwohl nur für ein Pendeln um den Vortagesschluss. Der Dax-Wert verließ den Handel mit 54,10 Euro, ein Abschlag zur neuen Steuerungsgröße Net Tangible Asset je Aktie von 13,7 %.

Vonovia
Konzernzahlen nach IFRS
in Mill. Euro20202019
Umsatzerlöse4 3704 112
Bereinigtes Ebitda1 9101 760
 Mieten1 5541 437
 Veräußerungserlöse9292
 Dienstleistung152146
 Development11185
Bewertungsergebnis3 7204 132
Group FFO1 3481 219
Periodenüberschuss3 3401 294
NTA*/Aktie (Euro)62,7154,88
Loan-to-Value (%)39,443,1
Nettofinanzschulden23 33023 058
Verkehrswert Bestand58 91153 316
*) Net Tangible Asset nach EPRABörsen-Zeitung