Kaufverpflichtung als Risiko

Alte Gasverträge mit Gazprom durchkreuzen Börsenpläne von Uniper

Uniper steht vor der Rückkehr an die Börse, muss jedoch alte Gas-Lieferverträge mit Russland klären. Das Restrisiko könnte Investoren abschrecken und es dem Bund damit erschweren, seinen Anteil schrittweise zu reduzieren.

Alte Gasverträge mit Gazprom durchkreuzen Börsenpläne von Uniper

Der in der Energiekrise verstaatlichte Stromerzeuger Uniper muss vor einer Rückkehr an die Börse Insidern zufolge noch Ordnung in die alten Gas-Lieferverträge mit Russland bringen. Die Vereinbarungen ruhten, seien aber rechtlich noch gültig, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Dabei gehe es um Verträge mit dem russischen Gazprom-Konzern und Laufzeiten bis 2035. Zwar sei es unwahrscheinlich, dass Russland den Gashahn nach Deutschland wieder aufdrehe. Das Restrisiko einer Kaufverpflichtung im Falle erneuter Lieferungen („Take or Pay“) könne Investoren aber abschrecken, Uniper-Aktien zu kaufen, hieß es. „Dieses Problem muss gelöst werden“, betonte ein Insider.

Derzeit laufen die ersten Vorbereitungen, um den Anteil von 99,12%, den der Bund an Uniper hält, Stück für Stück wieder an die Börse zu bringen. Mit den Plänen vertraute Personen hatten im Februar gesagt, Berlin könnte 2025 als ersten Schritt 20 bis 30% an Uniper am Markt platzieren. Mit seinem Einstieg hatte der Staat Uniper 2022 vor der Pleite gerettet, nachdem Deutschlands größter Gaskonzern wegen des russischen Gaslieferstopps Milliarden-Verluste eingefahren hatte. Nach Auflagen der EU-Kommission muss der Bund seine Beteiligung bis spätestens 2028 auf maximal 25% plus eine Aktie abschmelzen.

Take or Pay ist gängige Praxis

Das Bundesfinanzministerium, das für die Beteiligung verantwortlich ist, lehnte eine Stellungnahme ab. Auch von Gazprom war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

Take-or-Pay-Verträge sind in der Gas-Branche weit verbreitet. Auch der italienische Versorger ENI und die österreichische OMV haben solche Vereinbarungen mit Gazprom abgeschlossen. Sanktionen der EU gegen russische Gaslieferungen gibt es nicht.

Hohes Volumen

Das Volumen der schlafenden Verträge von Uniper mit Gazprom beläuft sich den Insidern zufolge auf 250 Terawattstunden, rund 30% des deutschen Jahresbedarfs. „Wenn Gazprom jetzt wieder anfangen würde zu liefern, dann müsste Uniper das abnehmen“, sagt Christian von Hammerstein, Partner bei der Kanzlei Raue. Üblicherweise gebe es zwar bei solchen Vereinbarungen für ca. 20% der Vertragsmenge eine Flexibilität bei der Abnahme. Der Rest müsse aber wie abgemacht abgenommen und bezahlt werden, auch dann, wenn man die Lieferungen nicht mehr haben wolle.

Uniper hat seinen Gasbezug ohne seinen früheren Hauptlieferanten Russland neu aufgestellt und die Verträge buchhalterisch abgeschrieben. „Die mit Gazprom abgeschlossenen Gasbezugsverträge sind aufgrund der vollständigen Einstellung der Gaslieferungen seit Ende August 2022 mit einem beizulegenden Zeitwert von „0“ bewertet“, heißt es im Geschäftsbericht 2023.

Uniper will Schadenersatz, Gazprom auch

Uniper versucht derzeit, vor einem Schiedsgericht in Stockholm von Gazprom wegen des Lieferstopps Schadenersatz zu erstreiten, Insidern zufolge mehr als 14 Mrd. Euro. Sollte Uniper vor Gericht gewinnen, könnten auch die Verträge für ungültig erklärt werden. Gazprom habe im Gegenzug vor einem Gericht in St. Petersburg Schadenersatzforderungen in der gleichen Höhe wie Uniper eingereicht, sollte Uniper das laufende Schiedsgerichtsverfahren weiter vorantreiben. Uniper erwarte ein Urteil im Schiedsgerichtsverfahren gegen Gazprom in den kommenden Monaten, sagte ein Konzernsprecher. „Gazprom ist seit Sommer 2022 seinen Lieferverpflichtungen nicht mehr nachgekommen, was bei Uniper zu Gasersatzbeschaffungskosten in Milliardenhöhe führte.“

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Reuters Frankfurt