Im DatenraumAutoversicherer

Autoversicherer werden aus der Kurve getragen

Die Autoversicherer stehen vor einem Desaster. Schäden und Verwaltungskosten sind in Relation zu den eingenommenen Beiträgen so hoch wie wohl kaum jemals zuvor. Zu den hausgemachten Fehlern kommen ungewöhnliche Preissteigerungen bei Ersatzteilen und Werkstattkosten.

Autoversicherer werden aus der Kurve getragen

Milliardenverluste

Autoversicherer werden aus der Kurve getragen

mic München

Die deutschen Autoversicherer befinden sich in der härtesten Krise ihrer Geschichte. Im vergangenen Jahr fuhren sie einen versicherungstechnischen Verlust von geschätzt 3,2 Mrd. Euro ein, da helfen auch die gestiegenen Kapitalerträge nicht wirklich. Die Rückkehr in die Gewinnzone wird 2024 nicht gelingen.

Drastische Preiserhöhungen

Die Beiträge wachsen zwar wegen drastischer Preiserhöhungen stark auf zuletzt 30 Mrd. Euro. Doch dies ist kein Trost, denn Schäden und Verwaltungskosten sind trotzdem in Relation zu den eingenommenen Beiträgen so hoch wie wohl kaum jemals zuvor. Die Schaden- und Kostenquote addierte sich im vergangenen Jahr nach Schätzungen des Branchenverbands GDV auf 110%. Der höchste Wert seit 1976 betrug 109,8% (1999).

Für die Autofahrer hat dies drastische Folgen. Die Preise für die Versicherungen sind 2023 mit einem niedrigen zweistelligen Prozentsatz gestiegen, und der Anstieg setzt sich im laufenden Jahr fort. Wie konnte es so weit kommen?

An die eigene Nase fassen

Die Autoversicherer müssen sich an die eigene Nase fassen. Sie dachten, sie hätten endlich die traditionelle Zyklik der Branche im Griff. Pustekuchen. Die gesamte Branche verkalkulierte sich infolge der Pandemie. Die Schadenfrequenz ist viel höher als projektiert.

Allerdings hat die Assekuranz auch mit Gegenwind zu kämpfen, den sie nicht selbst verursacht hat. Die Autohersteller finanzieren ihre Transformation zur E-Mobilität unter anderem durch stark steigende Ersatzteilpreise. Sie erhöhten sich seit 2013 um 70%, während die allgemeine Inflationsrate nur knapp 30% betrug. Zudem steigen die Stundensätze in den Reparaturwerkstätten überproportional. Nicht zuletzt erfordert die zunehmende technische Komplexität der Autos eine höhere Qualifikation des Personals.

Durchschnittlicher Sachschaden steigt kräftig

Ein weiterer Faktor: Die Belastung infolge von Sturm-, Hagel- und Blitzschäden ist zwar volatil, erhöht sich aber im Schnitt klar. Sämtliche Faktoren schlagen auf die durchschnittliche Höhe eines Sachschadens in der Kfz-Haftpflichtversicherung von Pkw durch. Sie stieg von 2.600 Euro im Jahr 2016 über 3.000 (2019) auf geschätzt 4.000 Euro im aktuellen Turnus.

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