US-Konjunktur

Fed-Gouverneure warnen vor Risiken

Die US-Notenbank sollte angesichts der hohen Inflation an den geplanten Zinserhöhungen festhalten, darf den Bogen aber nicht überspannen, sagt das FOMC-Mitglied Neel Kashkari. Indes scheint die Wirtschaft trotz wachsender Sorgen um die Lage in der Ukraine kräftig zu wachsen, stellt S and P Global fest.

Fed-Gouverneure warnen vor Risiken

det Washington

Charles Evans und Neel Kashkari, die in diesem Jahr alternierende Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Noten­bank sind, rechnen 2022 mit insgesamt sieben Zinserhöhungen. Wie Evans, Präsident der Federal Reserve Bank von Chicago sagte, hat sich die hohe Inflation seit Sommer 2021 auf ein breites Spektrum von Produktgruppen und Dienstleistungen ausgeweitet. Wenn die Fed nicht rechtzeitig auf den zunehmenden Preisdruck reagiert, „dann müssten wir später umso härter arbeiten, um die Inflation unter Kontrolle zu be­kommen“, sagte Evans.

Straffer Kurs „unverzichtbar“

Auch Kashkari, der den Fed-Ableger in Minneapolis leitet, hält einen straffen geldpolitischen Kurs für un­verzichtbar. Gleichwohl warnte der Notenbanker vor der „Gefahr, dass wir zu weit gehen könnten“. Dies könnte insbesondere dann zutreffen, wenn sich Versorgungsengpässe auflösen und mehr Personen im er­werbsfähigen Alter auf den Arbeitsmarkt zurückkehren. Laut Kashkari liegt der neutrale Zinssatz bei etwa 2%. Die meisten Fed-Gouverneure schätzen ihn auf 2,4%.

Indes scheint sich die US-Wirtschaft ungeachtet des Kriegs in der Ukraine weiter in robuster Verfassung zu befinden. Wie das Arbeitsministerium berichtete, gab vergangene Woche die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosengeld um 28000 nach und fiel auf 187000. Die Erstanträge erreichten damit den tiefsten Stand seit September 1969. Die fortdauernden Anträge fielen um 67000 auf 1,35 Millionen, den niedrigsten Stand seit Januar 1970. Ende kommender Woche wird der Arbeitsmarktbericht für März veröffentlicht. Erwartet wird ein ähnlicher Wert wie im Februar, als die Arbeitslosenquote auf 3,8% gefallen war.

Positive Signale kamen auch von S&P Global, das sich Ende Februar mit dem Forschungsinstitut IHS Markit zusammengeschlossen hatte. Ihr gemeinsamer Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe und für Dienstleister kletterte im März von 55,9 auf 58,5 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit acht Monaten. Wie S&P Global Ökonom Chris Williamson feststellte, haben die deutlich gelockerten Kontaktbeschränkungen zu einer „deutlichen Beschleunigung des Wachstums geführt“. Dieser Effekt wurde nur teilweise durch die wachsenden Sorgen um den Krieg in der Ukraine ausgeglichen, so der Volkswirt.

Angeführt wurde der Aufschwung laut Willamson von Dienstleistungsunternehmen und vor allem dem Gastgewerbe. Der Inflationsdruck habe gegenüber Februar zwar etwas nachgelassen. Gleichwohl sei angesichts der steigenden Energie- und Rohstoffpreise davon auszugehen, „dass die Inflation noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hat“, sagte er.

Das US-Handelsministerium meldete für das Schlussquartal 2021 einen leichten Rückgang des Leistungsbilanzdefizits, das um 0,9% auf 217,9 Mrd. Dollar schrumpfte. Während der Fehlbetrag im Handel mit Waren höher lag, wurden bei Dienstleistungen und Primäreinkommen höhere Überschüsse gemessen als im dritten Quartal. Die Defizitquote sank von 3,8 auf 3,6%.

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