Wachstum

Rüstungsaufträge treiben die deutsche Konjunktur

Zum Jahresende sind deutlich mehr Industriebestellungen eingegangen als gedacht. Ist das schon die konjunkturelle Trendwende? Dagegen spricht: Großvolumige Rüstungsaufträge sind der Haupttreiber, und zuletzt trübt sich obendrein die Konjunkturstimmung wieder ein.

Rüstungsaufträge treiben die deutsche Konjunktur

Rüstung treibt die Konjunktur

Deutscher Auftragseingang erholt sich deutlich – Trendwende beim Wachstum?

Von Stephan Lorz, Frankfurt

Vor allem militärische Großaufträge verzerren die Daten zum Auftragseingang in Deutschland nach oben. Da aber auch die Auslandsbestellungen zugenommen haben, könnte sich insgesamt eine konjunkturelle Trendwende andeuten. Manche Ökonomen zeigen sich bereits überaus optimistisch.

Positive Konjunkturdaten für Deutschland gleich zum Jahresanfang: Die Auftragseingänge für das verarbeitende Gewerbe legen im November deutlich um 5.6% zum Vormonat zu, wie das Statistische Bundesamt meldet. Das ist der dritte Zuwachs in Folge und das größte Plus seit Dezember 2024. Das kommt insofern überraschend, als Ökonomen eigentlich mit einem Rückgang von 1,0% gerechnet haben.

Wegen der Volatilität dieses Indikators ist zwar mit Trendaussagen Vorsicht geboten, aber auch im weniger volatilen Dreimonatsvergleich liegen die Orders noch um 4,0% höher als in den drei Monaten zuvor; ohne Großaufträge stieg er im gleichen Zeitraum um 2,1%. Im Oktober 2025 hatte der Auftragseingang nach Revision der vorläufigen Ergebnisse gegenüber September 2025 um 1,6% zugelegt (vorläufiger Wert +1,5%).

„Talsohle durchschritten“

„Endlich mal eine Zahl von der deutschen Konjunktur, an der es ​nichts zu meckern gibt“, sagte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Dies sei „ein echtes Zeichen für ‌eine mögliche Trendwende der Konjunktur“. Marc Schattenberg, Ökonom bei der Deutschen Bank, hält die konjunkturelle Talsohle vor diesem Hintergrund bereits für durchschritten: „Der leichte Aufwärtstrend der vergangenen Monate scheint sich zu bestätigen“, schreibt er. „Das sind endlich einmal wieder gute Nachrichten für die Industrie.“

Allerdings ist ein großer Teil des Zuwachses vor allem auf schwankungsanfällige Großaufträge zurückzuführen, wobei vor allem die staatlichen Bestellungen in der Rüstungsindustrie eine große Rolle spielen dürften. „Doch selbst wenn diese ausgeklammert werden, bleibt ein Plus von 0.7% gegenüber dem Vormonat“, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der Liechtensteiner VP Bank.

Experten gehen ‌davon aus, dass auch in den kommenden Monaten große Bestellungen für die Verteidigung kommen dürften. „Die deutsche Rüstungsindustrie wird deshalb zu einem der wichtigsten industriellen Treiber gehören“, meint Gitzel. „Der US-Angriff auf Venezuela führt eindrücklich vor Augen, ‌dass es der derzeitigen Weltordnung auf militärische Stärke ankommt.“ Entscheidend werde aber sein, wie schnell die Mittel aus dem Infrastruktur-Sondervermögen in konkreten Projekten münden.

Inlandsaufträge plus 6,5 Prozent

Erfreulich ist seiner Ansicht auch, dass der Auftragseingang zudem von ausländischen Bestellungen gespeist wurde, wenngleich vor allem die Inlandaufträge kräftig zugelegt hätten. Die Auslandaufträge stiegen im November 2025 um 4.9%. Die Aufträge aus der Eurozone nahmen um 8.2% und die Aufträge von außerhalb der Eurozone um 2.9% zu. Die Inlandaufträge stiegen hingegen deutlich um 6.5%.

Erfreulich stimmt nach Ansicht von Ökonomen, dass neben den Aufträgen für Investitionsgüter auch die Bestellungen für Konsumgüter spürbar zugenommen haben. Aber ob es in dem Tempo tatsächlich so weitergeht, ist ungewiss: Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe hatte sich unmittelbar vor dem Jahreswechsel eingetrübt. „Kaum eine ​Branche bleibt davon ausgenommen“, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Unternehmensumfrage mitteilte. Auch das Wirtschaftsministerium bleibt deshalb vorsichtig und verweist auf handels- und geopolitische Unwägbarkeiten. Daher sei „weiter mit einer gedämpften Exportentwicklung zu rechnen“.