Notiert inFrankfurt

@Lokalzeitung

Was ist denn hier los? Ein Instagram-Account beantwortet jene Frage, die etablierte Lokalmedien in Frankfurt immer seltener beantworten. Und erreicht damit inzwischen mehr als 200.000 Nutzer.

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Von Lutz Knappmann

Die Sirenen der Polizei- und Feuerwehrautos und das laute Brummen des Helikopters unterbrechen jäh den Nachtschlaf. Irgendetwas muss vorgefallen sein in jener Januarnacht im Frankfurter Norden. Beunruhigt langt die Hand zum Smartphone. Sind Informationen zur postmitternächtlichen Unruhe im Netz zu finden? Der Blick auf die Webseiten der einschlägigen Lokalzeitungen offenbart: nichts.

Die Antwort liefert schließlich, nur wenig später, Instagram: Jugendliche hatten versucht, mithilfe von Silvesterböllern einen Geldautomaten zu sprengen, haben dabei eine Bankfiliale verwüstet und sind flüchtig. Auch erste Bilder vom Tatort sind in dem Netzwerk zu finden – kuratiert und erläutert auf einem Account, der sich die lokale und sublokale Berichterstattung aus dem Alltag der Main-Metropole zur Aufgabe gemacht hat.

200.000 Menschen folgen mittlerweile dem Instagram-Account @ffm.aktuell. Sie beziehen darüber rund um die Uhr News und Bilder zur schlichten Frage: „Was ist denn da schon wieder los?“ Gespeist aus Bildern, Videos und Infos von Augenzeugen, Journalisten und bisweilen auch Behörden und Veranstaltern, hat sich der Insta-Kanal bei umgerechnet einem Viertel der Frankfurter Stadtbevölkerung als Informationsquelle und Navigator durch den Stadtalltag etabliert. Natürlich sind die Grenzen zwischen nützlichen Informationen und Voyeurismus fließend, ist der „Blaulicht“-Anteil in den News ausgeprägt – in seiner Anmutung aber nüchtern und zurückhaltend. Das eigentlich Bemerkenswerte aber ist, dass der Absender des Insta-Accounts eben keines der etablierten lokalen Medienhäuser ist.

Ffm.aktuell ist nicht der einzige Digitalkanal, auf dem Frankfurter mit hoher Aktualität verfolgen können, warum sie gerade mal wieder im Stau stehen, welche Störung den S-Bahn-Verkehr lähmt oder woher die Rauchsäule am Stadthimmel rührt. Weil keines der lokalen Medienhäuser so unmittelbar Antworten liefert auf die Frage, was im direkten Umfeld gerade geschieht und Einfluss auf die persönliche Tagesplanung haben könnte, füllen neue Anbieter diese Lücke. Sie nutzen dabei Plattformen, die auch den etablierten Lokalzeitungen zur Verfügung stehen würden, dort aber nicht vergleichbar zum Einsatz kommen. Die Frankfurter Rundschau etwa kommt bei Instagram auf 35.000 Follower, die FNP auf 5.500 Follower – beide setzen thematisch deutlich weniger lokale Schwerpunkte.

Der Kampf der Lokalzeitungen gegen schrumpfende Auflagen, abschmelzende Budgets und die erodierende Aufmerksamkeit junger Leser tobt allzu häufig fernab jener Themen, bei denen sie ihren eigentlichen Standortvorteil ausspielen könnten: Den kontinuierlichen und genauen Blick ins unmittelbare Lebensumfeld der Leser haben sie vielerorts längst an digitale Newbies verloren. Das Prinzip ist so simpel wie allgemeingültig: Wo bestehende Nachfrage nicht gedeckt wird, entstehen neue Angebote.