EU-Bankenabwicklung

Ära endet: Suche nach König-Nachfolge beim SRB gestartet

Elke König hat die europäische Bankenabwicklungsbehörde SRB als Chefin von Anfang an mit aufgebaut. Wenn ihr Mandat im Dezember ausläuft, endet auch eine Ära. Die EU-Kommission hat jetzt die Suche nach einem passenden Nachfolger begonnen.

Ära endet: Suche nach König-Nachfolge beim SRB gestartet

Von Andreas Heitker, Brüssel

Die EU-Kommission hat ihre Suche nach einem neuen Chef oder einer neuen Chefin der europäischen Bankenabwicklungsbehörde SRB gestartet. Die Behörde veröffentlichte hierfür eine ausführliche Stellenbeschreibung im offiziellen Journal der Europäischen Union. Bewerbungen werden bis zum 25. Februar um 12 Uhr mittags in Brüssel entgegengenommen.

Das Mandat von Elke König an der Spitze des Single Resolution Board (SRB) läuft zwar noch bis in den Dezember hinein. Aber jüngste Negativerfahrungen bei der Nachbesetzung des Chairs der EU-Markt- und Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA haben wohl auch der Europäischen Kommission noch einmal verdeutlicht, dass es besser ist, möglichst früh Klarheit zu schaffen. Bei der ESMA hatte es eine mehr als sechsmonatige Hängepartie gegeben, weil sich die EU-Mitgliedsstaaten lange nicht auf eine Nachfolge des langjährigen Chefs Steven Maijoor, der Ende März 2021 ausgeschieden war, hatten einigen können. Erst im Oktober wurde schließlich der Nominierungsprozess für Verena Ross abgeschlossen.

König selbst hatte deshalb schon im November im Interview der Börsen-Zeitung die Hoffnung geäußert, ihre eigene Nachfolge werde „zügig und ohne allzu viel Hickhack“ vonstattengehen. Sie wünsche sich, dass die Nachfolge an der SRB-Spitze im Herbst 2022 geregelt sei.

Mit der Neubesetzung der Stelle geht beim Single Resolution Board auf jeden Fall eine Ära zu Ende – auch weil das Mandat von König nicht noch einmal verlängert werden kann: Die heute 68-Jährige hatte 2014 die Führung der damals noch ganz neuen EU-Behörde übernommen und diese mit aufgebaut. Ziel ist, die großen europäischen Banken abwicklungsfähig zu machen. Es galt, aus den Erfahrungen der vorherigen Finanzkrise zu lernen: Nicht noch einmal sollten Kreditinstitute mit viel Steuergeld gerettet werden müssen.

Viel ist seither unter Königs Führung geschehen: Der SRB, der seinen Sitz im Herzen von Brüssel hat, ist mittlerweile zu einer stattlichen Behörde mit knapp 400 Mitarbeitern gewachsen. Die regulatorischen Vorgaben rund um die Abwicklungspläne der Banken sowie die Mindestanforderungen an ihre Eigenmittel und berücksichtigungsfähige Verbindlichkeiten – sprich: die Minimum Requirement for Own Funds and Eligible Liabilities (MREL) – wurden stetig verfeinert.

Und auch der Ernstfall wurde schon geprobt – etwa im Fall von Banco Popular im Sommer 2017. Daneben wurde auch noch der von der Abwicklungsbehörde verwaltete Single Resolution Fonds (SRF) aufgebaut, der mittlerweile mit 52 Mrd. Euro gefüllt ist und beim Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) in Kürze auch noch eine Letztsicherung erhalten soll. In der nun von der EU-Kommission veröffentlichten Stellenanzeige sind keine wirklich überraschenden Vorgaben zu lesen: Ein „tiefes Verständnis des Banken- und Finanzsektors“ wird verlangt. Kenntnisse der EU-Institutionen und -Entscheidungsprozesse sind auch selbstverständlich. 15 Jahre Berufserfahrung. Sprachen. Die Bewerbung von Frauen wird ausdrücklich erwünscht.

Im Board weitere Vakanz

Die Kommission bündelt den Auswahlprozess zugleich mit einer weiteren Nachbesetzung im Board des SRB: Die Stelle des früheren slowenischen Notenbankchefs Boštjan Jazbec, die drei Monate nach Königs Ausscheiden im März 2023 vakant wird, wurde ebenfalls schon ausgeschrieben. Jazbec ist im Board derzeit für Abwicklungsplanung und -entscheidungen zuständig.

König selbst hat übrigens schon angekündigt, wie sie mit ihrem Nachfolger oder ihrer Nachfolgerin – wer es auch immer werden wird – umzugehen gedenkt. Im Interview der Börsen-Zeitung sagte sie im November, sie werde genau das tun, was sie auch nach ihrer Zeit als Präsidentin der deutschen Finanzaufsicht BaFin getan habe: „Ich werde keine bösen Briefe schreiben und meinem Nachfolger nicht ungefragt mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

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