Übernahmeangebot

Aktivist Teleios will um Aareal Bank pokern

Die Private-Equity-Investoren Advent und Centerbridge wollen die Wiesbadener Aareal Bank von der Börse nehmen. Sie bieten den Aktionären eine Prämie von 35% – doch manche scheinen auf mehr zu hoffen.

Aktivist Teleios will um Aareal Bank pokern

Von Anna Sleegers, Frankfurt

Nach dem Willen der Private-Equity-Investoren Advent International und Centerbridge Partners könnte der Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal Bank bald vom Kurszettel verschwinden. Wie das im SDax notierte Institut am Dienstag mitteilte, planen die Investoren ein öffentliches Übernahmeangebot in Höhe von 29 Euro pro Aktie.

Vorstand und Aufsichtsrat der Aareal Bank unterstützen das Angebot auf der Basis einer Investorenvereinbarung über eine langfristig angelegte Partnerschaft. „Das angekündigte Angebot ist im besten Interesse unseres Unternehmens und seiner Stakeholder“, kommentierte Vorstandschef Jochen Klösges das Vorhaben.

Dem widersprach Adam Epstein, Mitgründer des aktivistischen Investors Teleios, mit Nachdruck: „Dieser heimliche Angebotsprozess ist ein weiterer Versuch des Aufsichtsrats von Aareal, Abstriche zum Nachteil der Aktionäre zu machen“, ließ er sich von der Nachrichtenagentur Bloomberg zitieren.

Epstein will demnach versuchen, darauf hinzuwirken, dass der Vorstand seinen treuhänderischen Pflichten nachkommt und im kommenden Jahr einen „professionellen, strukturierten Verkaufsprozess“ an­stößt. Weshalb sich das Institut auf diese Weise selbst zum Verkauf stellen sollte, erläuterte Epstein nicht. Das legt den Verdacht nahe, dass es sich um eine vorgeschobene Forderung handelt, mit der aktivistische Investoren gerne agieren, um eine Nachbesserung des Angebots zu erreichen.

Petrus hält sich bedeckt

Petrus Advisers, der andere Aktivist, mit dem sich Aufsichtsrat und Vorstand der Aareal Bank in der Vergangenheit auseinandersetzen mussten, hielt sich zunächst bedeckt. Sofern sich nicht genügend Investoren finden, um das Angebot zu blockieren, bietet das nahe dem Kursniveau vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie liegende Angebot eine elegante (Teil-)Ausstiegschance – mit der Option auf einen Nachschlag, wenn die neuen Mehrheitsgesellschafter die verbliebenen Minderheitsaktionäre herauskaufen, um das Institut tatsächlich von der Börse zu nehmen.

Nach Angaben der Aareal Bank waren der Ankündigung des öffentlichen Angebots konstruktive Gespräche mit den Vertretern des Bieterkonsortiums vorangegangen, das künftig unter Atlantic Bidco GmbH firmiert. Die Investoren unterstützen demnach die Strategie des Vorstands und wollen das Wachstum in der Gruppe beschleunigen. Dem Vernehmen nach sieht die Investorenvereinbarung vor, dass die Investoren für mehrere Jahre auf die Ausschüttung von Dividenden verzichten, um das Wachstum in allen Geschäftsbereichen zu forcieren.

Dividendenpläne kassiert

Im Verzicht üben müssen sich zunächst jedoch auch die aktuellen Investoren. Da die Vereinbarung mit dem Bieterkonsortium unter dem Vorbehalt steht, dass bis zum Mitte 2022 erwarteten Abschluss der Transaktion kein Wertabfluss aus der Aareal Bank durch Auskehrung von Sach- oder Barvermögen erfolgt, kassiert die Aareal Bank ihre Dividendenpläne. Der entsprechende Tagesordnungspunkt werde von der Agenda der außerordentlichen Hauptversammlung am 9. Dezember gestrichen, wodurch rund 66 Mill. Euro in der Bank verbleiben.

Das öffentliche Angebot, das die Aareal-Bank-Gruppe im Einklang mit dem Anfang Oktober veröffentlichten indikativen Angebot mit rund 1,7 Mrd. Euro bewertet, soll nach der Genehmigung durch die Finanzaufsichtsbehörde BaFin voraussichtlich Mitte Dezember veröffentlicht werden. Es ist an die erforderlichen Genehmigungen der Aufsichts- und Wettbewerbsbehörden sowie das Erreichen einer Annahmequote von 70 % geknüpft. Ob dies gelingt, ist angesichts des zunehmenden Ge­wichts von passiven Investoren und des öffentlichen Vetos des aktivistischen Investors nicht ausgemacht. Der Aktienkurs kletterte im Tagesverlauf auf 29,20 Euro und damit leicht über den Angebotspreis, den die Analysten von Pareto angesichts der langfristigen Geschäftsaussichten als „nicht sonderlich attraktiv“ bezeichneten.

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