Finanzstabilität

Bank of England warnt Finanzbranche vor Virusvarianten

Die Stabilitätshüter der Bank of England haben die Ungewissheit rund um neue Virusvarianten betont. Den Stresstest der Bankenaufsicht PRA haben alle acht Institute bestanden, Lloyds aber nur knapp.

Bank of England warnt Finanzbranche vor Virusvarianten

hip London

Neue Virusvarianten, die bestehende Sars-CoV-2-Impfstoffe weniger wirksam machen könnten, sind von den Finanzstabilitätshütern der Bank of England in den Vordergrund gerückt worden. Es bestehe weiterhin Ungewissheit über den gesundheitlichen und den wirtschaftlichen Ausblick, hieß es bei der Vorlage des Finanzstabilitätsberichts. Die Risikobereitschaft an den Finanzmärkten sei trotz der zuletzt zu beobachtenden Volatilität im historischen Vergleich groß. Das sorge für Verletzbarkeit im Falle einer scharfen Korrektur der Assetpreise.

Beim Bankenstresstest der Bankenaufsicht PRA (Prudential Regulation Authority) hielten sich die acht führenden Institute des Landes auch im extrem pessimistischen Pandemieszenario der Regulierer sowohl bei der Kernkapitalquote als auch bei der Leverage Ratio oberhalb der Mindestanforderungen. Allerdings blieb die Lloyds Banking Group bei der Kernkapitalquote gerade einmal einen Zehntelpunkt darüber. Virgin Money UK nahm erstmals teil.

Der Anstieg der Verschuldung von Unternehmen ist den Stabilitätshütern zufolge insgesamt moderat. Große Unternehmen hätten bereits einen wesentlichen Teil der während der Pandemie aufgenommenen Schulden wieder abgetragen. Allerdings seien kleine und mittlere Betriebe anfälliger. Einige hätten sich vorbeugend Geld geliehen. Viele seien den Vergabekriterien der Banken nicht gerecht geworden. Doch weil die Kredite vom Staat garantiert wurden, sei das Risiko für die Institute begrenzt.

Stabile Finanzen

Die Finanzen der privaten Haushalte seien stabil geblieben, obwohl die Lohnsubventionierung der Regierung und die Möglichkeit, die Zahlung von Hypotheken und anderen Krediten vorübergehend auszusetzen, ausgelaufen seien. Zwar seien die Wohnimmobilienpreise in den vergangenen Monaten so stark ge­stiegen wie noch nie seit der Finanzkrise. Doch gebe es wesentlich weniger Haushalte, die 40% und mehr ihres Einkommens dafür aufbringen müssten, ihre Hypothek zu bedienen. Ihr Anteil bewege sich in etwa auf Höhe des Durchschnitts der Jahre 2017 bis 2019. Damit er wieder das Niveau vor der Finanzkrise erreicht, müssten die Hypothekenzinsen um 150 Basispunkte steigen.

Der sogenannte antizyklische Puffer wurde von den Stabilitätshütern reaktiviert, nachdem er auf 0% der ri­sikogewichteten Aktiva gesetzt worden war. Unter Verweis auf die Un­gewissheit rund um die Pandemie und die weitere Wirtschaftsentwicklung soll er erst zum 13.12.2022 auf lediglich 1% angehoben werden. Sollte sich die Volkswirtschaft im Rahmen der Erwartungen der Zentralbankökonomen entwickeln und sollten sich mit Blick auf die Finanzstabilität keine Veränderungen ergeben, ist für das zweite Quartal 2022 mit einer Erhöhung auf 2 % zu rechnen – ebenfalls mit der üblichen zwölfmonatigen Implementierungsdauer.

Unterdessen erhielt Natwest we­gen Verstößen gegen das Geldwäschegesetz eine Geldstrafe von fast 265 Mill. Pfund (vgl. BZ vom 7. Oktober). Wie die Finanzaufsicht FCA mitteilt, belief sie sich eigentlich auf 397 Mill. Pfund, wurde aber wegen des Schuldeingeständnisses der Großbank um ein Drittel reduziert.

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