Nachhaltigkeit

Banken wehren sich gegen Green Asset Ratio

Mit einer Maßzahl will die EU die Nachhaltigkeit einer Bank messen. Der Bankenverband hat in einer Studie beklagt, wie wenig die Kennzahl aussage. Der Verband befürchtet eine große Verunsicherung.

Banken wehren sich gegen Green Asset Ratio

Banken wehren sich gegen Green Asset Ratio

Der Bundesverband deutscher Banken präsentiert Taxonomiequoten für Branchen – Einstellige Kennziffern sind zu erwarten

Mit einer Maßzahl will die EU ab 2024 die Nachhaltigkeit einer Bank messen. Der Bankenverband BdB hat in einer Studie dargelegt, wie wenig die Kennzahl aussagt. Der Verband befürchtet eine große Verunsicherung bei den Firmenkunden.

wbr Frankfurt

Banken stehen ab 2024 vor der Herausforderung, mit der Green Asset Ratio (GAR) den nachhaltigen Anteil der Bilanzsumme anzugeben. Die von der EU eingeführte GAR ist eine Reporting-Kennziffer, mit der der Anteil der taxonomiekonformen Aktivitäten gemessen wird. In der Branche ist die Kennzahl umstritten.

Um die Diskussion um die Green Asset Ratio mit konkreten Daten zu unterlegen, hat der Bundesverband der Banken (BdB) am Montag eine Studie zur Taxonomieumsetzung der Industrie vorgelegt. „Um bei der Transformation voranzukommen, müssen wir wissen, wo wir beim Umbau der Wirtschaft stehen“, sagte Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des BdB. „Dafür brauchen wir transparente Nachhaltigkeitsprofile von Unternehmen.“

Problem der einen Zahl

Der Bankenverband stellt heraus, dass die Transformation eine riesige Aufgabe sei und die Zeit dränge. Aus Sicht des BdB ist es wichtig, die Transformation zu messen, um festzustellen, wie weit man mit der Nachhaltigkeit gekommen sei. Die GAR sei vergleichbar mit der Energieeffizienzklasse von Gebäuden, die als Nachhaltigkeitskennzahl für Immobilien genutzt wird. Für Banken sei es jedoch schwierig, ESG in einer Zahl zu messen.

Die Analyse der Taxonomiequoten auf Basis der Nachhaltigkeitsberichte von 450 Unternehmen zeige, dass auf der Basis die GAR der Banken die Nachhaltigkeitsprofile nur unzureichend abbilden würde. So erfasst die Definition der Taxonomie nur etwa 30% der Wirtschaft. Da 70% der Aktivitäten im regulatorischen Sinne gar nicht nachhaltig sein können, sei die GAR wenig aussagekräftig. Von den 30% würde zudem ein Viertel (oder 7% der bislang der erfassten Aktivitäten) heute den Kriterien der Taxonomie entsprechen.  Im Ergebnis rechnet der Verband mit GAR im niedrigen einstelligen Bereich.

Plädoyer für Schätzungen

Grund für die große Lücke sei in erster Linie, dass die EU kleine und mittlere Unternehmen mit beispielsweise unter 250 Mitarbeitern in ihrer Definition außen vorgelassen hat. Dass viele Unternehmen gar nicht in die Taxonomie-Definition aufgenommen wurden, ist aus Sicht des Bankenverbandes verständlich, denn man habe den Mittelstand nicht überfordern wollen. Hilfreich sei es aber, wenn man künftig auch mit Schätzungen arbeiten könnte, da viele Unternehmen nicht über die ESG-Daten verfügten.

Mit dem Größenkriterium fielen viele Kreditkunden der Banken von vornherein durch das Raster. Zum Beispiel die Biolandwirtschaft, die im Sinne der Regulierung nicht taxonomiefähig ist und damit auch nicht nachhaltig im Sinne der Kennzahl. Ein anderes Beispiel seien Windparks, die in der Regel über Zweck- oder Projektgesellschaften finanziert werden. Gerade diese Investments im Bereich der erneuerbaren Energien können definitionsgemäß, ungeachtet der Erfüllung von ESG-Kriterien, nicht berücksichtigt werden, weil Projektgesellschaften nicht groß genug seien.

„In der Taxonomiedefinition werden nur 5 bis 8 Sektoren umfassend betrachtet, während andere wichtige Branchen wie Gesundheit und Pharma gar nicht in der Definition der Nachhaltigkeit im Sinne der Taxonomie auftauchen“, erläutert Adrian Schwantes, der die Studie durchgeführt hat.  Zahlreiche Zukunftstechnologien flössen per se ebenfalls nicht in die Berechnung der Taxonomiefähigkeit ein, so dass beispielsweise auch ein E-Auto mit seinen Einzelteilen nicht von der Taxonomie erfasst werde.

Ganzheitlichkeit angemahnt

In seiner Schlussfolgerung unterstreicht der Bankenverband, dass die GAR nicht dafür zu gebrauchen sei, um politische und regulatorische Folgemaßnahmen abzuleiten. Wichtiger sei eine ganzheitliche Betrachtung, bei der das Bekenntnis eines Kreditinstitutes zur Nachhaltigkeit oder Ziele, das Bankbuch CO2-neutral zu gestalten, zu berücksichtigen seien.

 „Die Green Asset Ratio ist als Steuerungsgröße für die Transformation ungeeignet“, sagte Herkenhoff. Die Transformation der Wirtschaft sei ein Prozess. Der Blick sollte auch auf jene Unternehmen gerichtet werden, die den Weg in Richtung Nachhaltigkeit gerade erst begonnen haben oder kurz davorstehen. „Dafür brauchen wir einen prinzipiengeleiteten Rahmen.“

Der Verband der privaten Banken spricht sich für Leitlinien für die Transformation aus und hält eine "versuchsartige" Umsetzung von Nachhaltigkeit für den falschen Weg. Das schaffe Unsicherheit nicht nur bei den Banken, sondern auch bei den Unternehmen. Klar sei aber: Auch Firmen ohne hohe Taxonomiequote werden von Banken weiter bedient.

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