4% aufs Tagesgeld

Berater Simon-Kucher warnt vor unprofitablem Preiskampf

Mit ihren 4% aufs Tagesgeld setzt die C24 Bank andere Banken unter Druck. Das Einlagengeschäft könnte damit wieder unprofitabel werden, warnt der Strategieberater Simon-Kucher.

Berater Simon-Kucher warnt vor unprofitablem Preiskampf

C24 Bank prescht mit 4 Prozent vor

Strategieberater Simon-Kucher warnt vor unprofitablem Preiskampf im Einlagengeschäft

phh Frankfurt

Der Wettbewerb unter den Banken im Kampf um Kundeneinlagen wird härter. Mit der C24 Bank lockt nun das erste deutsche Institut mit 4% aufs Tagesgeld, um neue Kunden zu gewinnen. Vor der zur Check24-Gruppe gehörenden Bank hatte sich bereits die ING aus der Deckung gewagt und die 3-%-Zinshürde übersprungen. Mit Erfolg: Allein im zweiten Quartal flossen der niederländischen Bank nur in Deutschland knapp 16 Mrd. Euro zu. Ihren Nettogewinn konnte die Bank dadurch mehr als verdoppeln.

Nun gelten Einlagen von Privatkunden gemeinhin als träge. Doch es gibt kritische Schwellenpreise, zu denen die Wechselbereitschaft sprunghaft ansteigt, sagt die Strategieberatung Simon-Kucher. Verschiedene Studien hätten gezeigt, dass sowohl die 3% als auch die 4% solch kritische Schwellen sind – auch wenn die Strategieberater der 4-%-Hürde eine etwas geringere Bedeutung beimessen.

C24 Bank erhöht Druck auf Banken im Einlagengeschäft

Die Bankenbranche dürfte die 4-%-Hürde dennoch unter Druck setzen. Denn um die eigenen Kunden nicht zu verlieren, müssen die Häuser ihre eigenen Preise anpassen. Schon die Erhöhung auf 3% ging zulasten der Profitabilität. Die 4% liegen nun jedoch über dem aktuellen Einlagenzinssatz der Bundesbank, der bei 3,75% liegt.

Banken im Gefangenen-Dilemma

Das heißt: Banken müssen auf die Einlagen ihrer Kunden dann mehr bezahlen, als sie selbst dafür bei der Bundesbank erhalten. Simon-Kucher weist darauf hin, dass das Einlagengeschäft für Banken damit nicht mehr zwangsläufig profitabel ist. Vielmehr würden Akquisitionskosten anfallen, die mit dem Kunden erst über den Verkauf weiterer Produkte wieder hereingeholt werden müssen.

Die Unternehmensberatung Oliver Wyman verglich die Situation der Banken zuletzt mit dem spieltheoretischen Gefangenen-Dilemma. Die Treasurer von Banken müssten abwägen, wie viel Zinsüberschuss sie bereit sind abzugeben, um die bestehenden Kunden nicht zu verlieren. Die vernünftige Einschätzung über das Zinsänderungsrisiko und die Sensitivität der eigenen Einlagenkunden entscheidet laut Oliver Wyman darüber, ob eine Bank bis zu 10% mehr oder weniger Gewinn macht.

Unabhängig von der Profitabilitätsfrage dürfte keine Bank Interesse daran haben, Einlagen zu verlieren –zum einen um nicht die Schnittstelle zum Kunden zu verlieren. Zum anderen aber auch, um weiterhin alle regulatorischen Liquiditätskennzahlen zu erfüllen.

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