Bewährungsprobe für Julius Bär
Die Bank Julius Bär bereinigt eine weitere Altlast – zum Preis eines Fünftels der diesjährigen Dividende. Trotzdem werden die Aktionäre die mit der Strafuntersuchung verbundenen Risiken nicht ganz los.dz Zürich – Julius Bär zahlt 79,7 Mill. Dollar und akzeptiert eine dreijährige Bewährungsfrist. So entgeht die Zürcher Vermögensverwaltungsbank einer Strafklage der US-Justiz wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Geldwäsche ehemaliger Spitzenfunktionäre des Weltfußballverbandes Fifa. Julius Bär informierte am Montag über eine mit dem Department of Justice (DOJ) getroffene “Grundsatzvereinbarung” in der Fifa-Korruptionsaffäre. Im Juni 2017 hatte sich der ehemalige Julius-Bär-Mitarbeiter Jorge Luis Arzuaga vor einem US-Gericht der Korruption und Geldwäsche bei der Fifa schuldig bekannt. Die Bank rechnet damit, dass die “Finalisierung” der Vereinbarung in Kürze erfolgen wird.Die finanzielle Dimension der Vereinbarung scheint im Großen und Ganzen etwa dem zu entsprechen, was die Investoren zuletzt erwarten mussten. Erst im September hatte die Bank den nahenden Abschluss der seit 2015 schwelenden Angelegenheit angekündigt und die Zahlung eines zweistelligen Millionenbetrages vorausgesagt. Eher überraschend kommt aber das über die Zahlung hinausgehende “Deferred Prosecution Agreement” (DPA), unter dem sich das DOJ während drei Jahren die Möglichkeit offenhält, die Bank bei rückfälligem Verhalten doch noch anzuklagen. Analysten der US-Bank Morgan Stanley bezeichneten das DPA als “negative Überraschung”. Die Bewährungsauflage sei “enttäuschend”, zumal das Damoklesschwert eines DPA schon in den Jahren 2016 bis 2019 über Julius Bär gehangen habe.Mit dem letzten DPA wollte die US-Justiz sichergehen, dass sich das Schweizer Institut in Sachen Steuervergehen keine neuen Verfehlungen zuschulden kommen ließ. Julius Bär hatte im Steuerstreit mit den USA 550 Mill. Dollar Strafe gezahlt, nachdem sich mehrere ehemalige Angestellte vor US-Gerichten für Steuervergehen schuldig bekannt hatten.Unter welchen Bedingungen die US-Strafbehörden das neue DPA widerrufen können, wird erst klar, wenn die Vereinbarung, wie erwartet in den nächsten Tagen, öffentlich wird.Fakt ist indessen, dass sich Julius Bär auch nach Abschluss der Fifa-Affäre weiter im Visier der Justiz befindet. Ihre Rolle im Zusammenhang mit Korruptionszahlungen des staatlichen venezolanischen Erdölkonzerns PDVSA ist nicht abschließend geklärt. Auch in diesem Fall hatte sich ein ehemaliger Julius-Bär-Angestellter vor einem US-Gericht der Korruption schuldig bekannt.Im Februar hatte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) bezogen auf die Vorgänge bei Fifa und PDVSA “schwere Mängel in der Geldwäschebekämpfung” bei Julius Bär festgestellt. Aufgrund dessen untersagte die Behörde der Bank größere Übernahmen, bis “der ordnungsgemäße Zustand” wiederhergestellt sei. Zudem wurde das Institut zu einer risikomindernden Anpassung der Vergütungspolitik verpflichtet. Ende Oktober wurde bekannt, dass Julius Bär verschiedenen Ex-Managern die Bonusansprüche aus früheren Jahren zurückhält – darunter Millionenboni von Ex-CEO Boris Collardi, der im Juli Bär 2017 verlassen hatte, um Partner bei der Genfer Privatbank Pictet zu werden.