Digitale Assets

Bitcoin ist angeschlagen

Die Federal Reserve hat einen Kurswechsel angekündigt und will vom Quantitative Easing zum Quantitative Tightening wechseln. Die digitale Leitwährung Bitcoin leidet besonders darunter.

Bitcoin ist angeschlagen

Am Kapitalmarkt zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Denn mit dem Anziehen der Teuerungsrate in den USA hat die Federal Reserve einen Kurswechsel vollzogen und sich nun die Bekämpfung der Inflation auf die Fahne geschrieben. Damit einhergehend wird vom Quantitative Easing (QE) auf ein Quantitative Tightening (QT) umgeschaltet. Dem Markt vormals zugeführte Liquidität wird entzogen, was zu Umschichtungen führt in den Depots von großen und kleinen Kapitalsammelstellen. Die von der Überliquidität heißgelaufenen Tech-Werte wurden Mitte Januar heftig abverkauft und zogen die Bitcoin-Notiz mit sich. Diese Korrelation zeigte sich nicht das erste Mal, und für beide Assetklassen folgt die eine Lehre daraus: Wenn sich das Makrobild mit dem Wechsel von QE auf QT eintrübt und der Risk-off-Modus do­miniert, dann werden Gelder aus Hochrisiko-Segmenten ab­gezogen und fließen in den Anleihemarkt.

Für Bitcoin heißt das, dass diese Kryptowährung den ersten Lackmustest des QT-Zeitalters nicht bestanden hat. Denn seitdem sich der Wandel der Notenbankpolitik im November ankündigte, ging es von Kursen nahe 70000 Dollar abwärts, was zum allseits gefürchteten Chartbild des Todeskreuzes führte: Dieses kommt zustande, wenn die 50-Tage-Linie von oben kommend auf die 200-Tage-Linie trifft, und gilt als Ausdruck eines kurzfristigen Bärenmarktes. Die Bitcoin-Notiz kippte sogar unter die Marke von 40000 Dollar, konnte sich aber auf knapp 43000 Dollar berappeln. Da sich seit November aber auch das Retail-Handelsvolumen ausdünnte, fehlt der Treibstoff für eine ordentliche Aufwärtsrally, von daher geht der Blick eher nach unten auf das Unterstützung versprechende Handelsband von 38000 bis 40000 Dollar.

Auffallend ist zudem, dass die gewöhnlich als Einpeitscher fungierenden Bitcoin-Influencer wie Anthony Pompliano und Michael Saylor ungewöhnlich still waren und sich mit den „Buy the dip“-Parolen zurückhielten. Mit Blick auf das sich ausdünnende Volumen wurde sogar wieder das Reizwort vom „Crypto Winter“ aufgebracht. Das erscheint angesichts zunehmender institutioneller Gelder zwar für den Moment übertrieben, aber die FOMO-Story („fear of missing out“) allein zieht vor dem QT-Hintergrund nicht mehr. Vielmehr scheinen die Anleger dafür sensibilisiert zu sein, dass mit dem Zurückfahren der Fed-Bilanz das Argument „Dollarschwemme = Kaufkraftverlust“ an Relevanz verliert und damit Bitcoin auch nicht mehr so gut als (suggerierter) Wertspeicher relativ zum Dollar funktioniert. Auch der Inflationsschutz ist ja nur gegeben, solange Bitcoin vom individuellen Einstiegskurs aus gesehen steigt oder zumindest nicht darunterfällt.

Davon kann El Salvadors Regierungschef Nayib Bukele ein Lied singen. Die Staatskasse erwarb das Gros ihrer knapp 1400 Bit­coins oberhalb von 45000 Dollar und kaufte fleißig nach, als es von 69000 Dollar aus abwärts ging. Getreu seinem Vorbild Michael Saylor investiert Bukele ohne er­kennbares Risikomanagement. Auch der geplante Bitcoin-Bond soll zum Ausbau des Bitcoin-Treasury genutzt werden – da senken die Ratingagenturen schon den Daumen, und auch der IWF dürfte angesichts des aktuellen Bitcoin-Risikos nicht ge­neigt sein, den geplanten Kredit über 1,3 Mrd. Dollar zu genehmigen.

Daten von Glassnode zufolge befinden sich derzeit lediglich 40% des Bitcoin-Transfervolumens im Plus. Das sind einige Millionen Wallets, die bald die Lust am Spekulieren verlieren könnten. Viele aus Retail sind auf Altcoins und NFTs ausgewichen. Und auch die schlummernde Nachfrage aus dem Bankensektor, wo an Digital-Asset-Projekten gefeilt wird, muss nicht zwangsweise in direkte Bitcoin-Käufe münden: Institutionelle Investoren stecken ihr Geld lieber in Finanzinstrumente wie ETPs und Fu­tures, die ein indirektes Bitcoin-Exposure bieten. Für Banken sind Stablecoins der Elefant im Raum, und Altcoin-Blockchains wie Ethe­reum, Solana oder Avalanche versprechen eine Kompatibilität für das Wertpapier/Token-Settlement.

Bitcoin ist und bleibt im Digital-Asset-Ökosystem der revolutionäre Solitär. Immerhin ist das Mining stabil, und mit Layer-2-Lösungen wie Lightning wächst die Akzeptanz als Zahlungsmittel. Für Spekulationszwecke taugt die Kryptowährung allerdings immer weniger, sofern die Notenbanken QT wirklich umsetzen. IWF-Daten zeigen einen starken Gleichlauf von Bitcoin mit dem S&P 500 in der Pandemie. Wenn nicht mal gegenüber solchen Indizes eine Überrendite drin ist, dann kommt man mit einem ETF beim Neobroker günstiger weg für die Geldanlage.

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