Castell-Bank verliert ihren Chef
Von Bernd Wittkowski, Frankfurt Wieder mal eine plötzliche und überraschende Veränderung an der Spitze der Fürstlich Castell’schen Bank: Der Vorstandsvorsitzende Sebastian Klein scheidet nach rund sechseinhalb Jahren in diesem Amt aus der Bank aus. Er habe sich entschlossen, sein Mandat Ende September niederzulegen, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen. Bevor er die operative Führung übernahm, hatte Klein, der am heutigen Freitag sein 51. Lebensjahr vollendet, seit 2010 schon dem vom früheren Commerzbank-Vorstandsmitglied Andreas de Maizière geleiteten Aufsichtsrat der Castell-Bank angehört.Auch Kleins Wechsel in die damals neu geschaffene Position des Vorstandsvorsitzenden – nach einem Jahr als Generalbevollmächtigter – als Nachfolger von Vorstandssprecher Thilo Wendenburg war im April 2013 aus heiterem Himmel gekommen. Diesmal gibt es, zumindest vorerst, keine Nachfolge: Die Bank wird fortan von den beiden anderen Vorstandsmitgliedern Klaus Vikuk und – seit Jahresbeginn dabei – Pia Weinkamm geführt, die Kleins bisherige Aufgaben zusätzlich übernehmen.Die im Eigentum der Fürstenhäuser Castell-Castell und Castell-Rüdenhausen befindliche älteste bayerische Bank (1774 gegründet) und ihr Chef trennen sich unversehens, aber erkennbar schiedlich-friedlich. Laut einer Mitteilung des Instituts mit Sitz in Würzburg bedauern Eigentümer und Aufsichtsrat Kleins Entscheidung “nachdrücklich”, wollen aber seinem Wunsch nach beruflicher Neuorientierung entsprechen. “Sebastian Klein hat in den letzten Jahren unser Bankhaus deutlich weiterentwickelt. Auf gesamtstrategischer Ebene zeigt sich dies durch die stetig angestiegenen Kapitalquoten und das dahinterstehende aktive Kapital- und Risikomanagement”, so de Maizière. Aber auch in der Vermögensverwaltung habe Klein wesentliche Impulse durch die Positionierung des Hauses mit einem profilierten Investmentansatz gesetzt. Inhaber und Kontrollorgan lassen es auch nicht an Worten des Dankes fehlen. Nicht seine KragenweiteDoch was treibt Klein, der sich bei der traditionsreichen Privatbank lange Zeit sichtlich zu Hause fühlte, zur Neuorientierung? Die Bank verweist in ihrer Mitteilung auf die schwierigen Marktverhältnisse und betont in diesem Zusammenhang ihre starke Verwurzelung in der fränkischen Region, dem Schwerpunkt ihres Geschäftsgebiets, zu dem aber auch Standorte in Heilbronn, Mannheim, München und Ulm gehören. Zwar heißt es zugleich, die Bank bleibe auf einem Wachstumspfad. Von einem bundesweiten Ansatz in der Vermögensanlage, der Öffnung für den Drittvertrieb und damit für ein breiteres Anlegerpublikum – für all das stand Klein – ist derweil nicht mehr die Rede. Also auf Dauer nur Franken statt Frankfurt? Das entsprach dann wohl doch nicht Kleins Kragenweite.Der nach dem BWL-Studium an der WHU Koblenz, in Pittsburgh und Reims sowie einigen Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bank- und Finanzmanagement der WHU dort zum Dr. rer. pol. promovierte Manager ist seit 1996 beruflich weit herumgekommen. McKinsey, Sal. Oppenheim, Commerzbank (Konzernleitung Private Banking), die in Allianz Global Investors aufgegangene Cominvest (Sprecher der Geschäftsführung) und BayernLB (Leiter Konzernentwicklung und Vorstandsstab) waren seine früheren Stationen. Die Castell-Bank wird nicht die letzte gewesen sein, auch wenn Klein sich über seine Pläne noch nichts entlocken lässt. An Angeboten und eigenen Ideen dürfte es ihm kaum mangeln.