Chinas Schattenbanken

Chinesische Schattenbank Zhongzhi geht in Konkurs

Die chinesische Schattenbank Zhongzhi ist pleite. Ihre Schieflage hängt mit der Immobilienkrise in dem Land zusammen und unterstreicht deren große Gefahren für die Finanzbranche.

Chinesische Schattenbank Zhongzhi geht in Konkurs

Für den insolventen chinesischen Schattenbankriesen Zhongzhi Enterprise Group gibt es keine Rettung mehr. Am Freitag akzeptierte ein Pekinger Gericht einen Liquidationsantrag der weitverzweigten Vermögensverwaltungsgruppe. Damit wird ein voraussichtlich langwieriges Konkursverfahren eingeleitet.

Stimmungskiller

Die nach Börsenschluss in China bekannt gewordene Nachricht dürfte das bereits stark angegriffene Anlegersentiment an Chinas Märkten weiter belasten. Dies auch, weil die Probleme bei Zongzhi in einem mittelbaren Zusammenhang mit der den Kapitalmarkt schwer belastenden Krise am Immobilienmarkt stehen.

Chinesischer Schattenbankriese Zhongzhi geht in Konkurs

Bedeutender Pleitefall in Chinas Finanzsektor – Vor allem Privatanleger betroffen – Bezug zur Immobilienkrise verunsichert

Von Norbert Hellmann, Schanghai

Böse Schieflage

Der Zusammenbruch von Zhongzhi ist für sich genommen keine große Überraschung mehr, nachdem im November eine Mitteilung des Zhongzhi-Managements durchgesickert war. Darin wurden die Investoren vor einer drohenden Insolvenz gewarnt. Der Notiz zufolge standen Schulden in Höhe von 460 Mrd. Yuan (knapp 60 Mrd. Euro) nur noch Aktiva im Wert von etwa 200 Mrd. Yuan gegenüber. Damit war bereits ersichtlich, dass die überwiegend aus vermögenden Privatanlegern bestehende Kundschaft mit schweren Verlusten auf ihre ausstehenden Anlageprodukte zu rechnen hat.

Unter dem Dach der privaten Finanzholding befindet sich ein Sammelsurium von Investmentaktivitäten, die von Private Equity über Wealth Management bis zum Trust Fund reichen. Letzteres ist eine in China prominent vertretene Schattenbankform. Die Trusts sind als Kreditgeber ein wesentliches Bindeglied für die Finanzierung von Immobilienfirmen mit hohem Risikoprofil und tätigen Investments im Sektor, aus denen eher kurzfristige hochverzinsliche Anlageprodukte entstehen.

Wealth-Management-Konglomerat

Zhongrong International Trust und drei weitere zum Zongzhi-Verbund angehörende Gesellschaften hatten im Sommer eine Reihe von fälligen Investmentprodukten mit Bezug zum Immobiliensektor nicht zurückzahlen können und damit für viel Aufregung an Chinas Finanzmärkten gesorgt. Damit wurde man auf die im Zhongzhi-Verbund schlummernden Gefahren aufmerksam, die sich alsbald als schwere Liquiditätskrise der Gesellschaft darstellten.

Ansteckungsdebatte

Die an den Fall Zhongzhi geknüpften Marktunruhen und Spekulationen über breitere Ansteckungsgefahren im chinesischen Finanzsektor hatten auch den Peking alarmiert und die Zentralbank zeitweilig zu kräftigen Liquiditätseinschüssen animiert. Der Währungshüter betont laufend, dass die von einer Verschuldungskrise bei großen chinesischen Bauträgern wie Evergrande und Country Garden herrührenden Probleme am Immobilienmarkt mit keinerlei systemischen Gefahren für das Bankensystem verbunden sind.

Im Fall Zhongzhi war insofern kein Dominoeffekt zu erwarten, als die Schieflage in erster Linie private Anlagekunden trifft. Dazu gehören auch Dutzende von Privatunternehmen, die ihre Cashreserven in Zhongzhi-Anlageprodukten geparkt hatten. Anders als bei Krisenfällen von US-Hedgefonds, bei denen Kredite von anderen Finanzinstituten im Feuer standen, wurde Zhongzhi offenbar nicht durch Leveraged Loans oder ähnliche Arrangements finanziert, deren Ausfallrisiken sich im Bankensystem fortpflanzen.

Nur Privatanleger geprellt

Zu befürchten bleibt indes, dass die laufende Problematik am Immobilienmarkt andere chinesische Schattenbanken und Trusts wie Zhongrong in neue Schwierigkeiten bringt. Im November konnte ein allerdings wesentlich kleinerer Assetmanager namens Hywin Holdings, dessen Anlageprodukte starken Immobilienmarktbezug haben, Auszahlungsansprüche von Investoren nicht befriedigen.

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