Stellenabbau

Commerzbank glückt heikle Vereinbarung zu Umbau

Der Commerzbank ist eine schwierige Einigung zum Stellenabbau geglückt. Die künftigen Beratungscenter erhalten eine Standortgarantie bis Ende 2027.

Commerzbank glückt heikle Vereinbarung zu Umbau

Von Bernd Neubacher, Frankfurt

Verhandlungen über massenhaften Stellenabbau sind grundsätzlich schwierig. Bei der Commerzbank dürften die Gespräche über Teilinteressensausgleiche besonders komplex gewesen sein. Denn zum einen holt in diesem Fall eine Bank, deren Großaktionär der Staat ist, zum personellen Kahlschlag aus. Und zum anderen hatte zuletzt durchaus der Eindruck entstehen können, die Gewerkschaft Verdi verquicke die Verhandlungen bei der Commerzbank mit dem Arbeitskampf im privaten Bankgewerbe. Commerzbank-Arbeitsdirektorin Sabine Schmittroth sitzt dem Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) vor.

„Klare Perspektiven“

Umso glaubwürdiger kann die Managerin nun Erleichterung darüber vermitteln, dass die heikle Einigung geglückt ist. „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben jetzt Transparenz über die künftigen Strukturen. Damit gibt es klare Perspektiven für die Zukunft“, teilt sie mit. Diese Aussage dürfte sich auf die Bank übertragen lassen, die sich bis 2024 den Abbau von 7500 bis 10000 Vollzeitstellen vorgenommen hat, je nachdem, wie man bereits seit längerem laufende Abbauprogramme in der Zählweise berücksichtigt. Mit 5200 bereits beendeten oder bald auslaufenden Vertragsverhältnissen sei mehr als die Hälfte des bis Ende 2024 avisierten Stellenabbaus bereits geregelt, hatte Vorstandschef Manfred Knof in der vergangenen Woche bei Vorlage von Neunmonatszahlen erklärt.

Wie nun vereinbart worden ist, soll die Zahl der Bereiche und Abteilungen und damit die Zahl der Positionen in der dritten und vierten Führungsebene des Konzerns, also der Abteilungs- und Gruppenleiter, um rund 30% sinken. Entsprechendes dürfte für die Zahl der Stellen in diesen Abteilungen oder Gruppen gelten. Die jeweiligen Führungspositionen würden nun neu ausgeschrieben und besetzt, erklärte ein Sprecher, der sich zu absoluten Zahlen nicht äußern wollte.

Zufrieden mit Erreichtem

Auch wenn der Konzern künftig nur noch halb so viele Filialen wie früher und 7500 Leute weniger haben werde, sei man mit dem momentanen Stand erst einmal zufrieden, sagte Stefan Wittmann, für Verdi im Aufsichtsrat der Commerzbank, am Freitagabend der Börsen-Zeitung. So seien zwar Samstagsarbeit in den neuen Beratungscentern, zugleich aber großzügige Ausgleichsregelungen sowie eine Garantie für diese Standorte bis Ende 2027 vereinbart worden. Anders als die Callcenter des Instituts sollen diese Anlaufstellen Kunden auch Beratung zu Wertpapiergeschäften und Baufinanzierungen anbieten. „Wir werden unseren Einfluss weiterhin geltend machen, um sicherzustellen, dass der Umbau auch künftig sozialverträglich umgesetzt wird und die Bank weiter verlässliche Arbeitsbedingungen bietet“, erklärte Uwe Tschäge, Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats.

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