Commerzbank steht vor neuem Stellenabbau
Im Rahmen der laufenden Strategiedebatte wird die Commerzbank an weiteren Einsparungen nicht vorbeikommen. Neben einer Straffung des Filialnetzes wird auch der Wegfall überflüssig gewordener Stellen in der Verwaltung diskutiert. Unterdessen hat ein Großaktionär seine Beteiligung ausgebaut.Von Anna Sleegers, FrankfurtBei der für den Herbst angekündigten Vorstellung der Strategie für die kommenden Jahre wird die Commerzbank zwar weitere Stellen abbauen, aber voraussichtlich keinen grundlegenden Kurswechsel vollziehen. Wie die Börsen-Zeitung aus Kreisen des Instituts erfahren hat, wird derzeit der Abbau von 1 800 bis 2 500 Stellen in der Zentrale diskutiert. Zwar sind noch keine Entscheidungen gefallen, wie alle Insider betonen. Doch die Schließung von bis zu 350 der aktuell 1 000 Filialen, über die verschiedene Medien in den vergangenen Tagen berichtet hatten, gilt als unwahrscheinlich, weil dies die Ertragsschwäche der Commerzbank verstärken würde.Vorstand und Aufsichtsrat werden am 25. und 26. September in einem Strategiedialog über die künftige Marschrichtung entscheiden. Auch wenn die Profitabilität der Commerzbank derzeit zu wünschen übrig lässt, steht das Management dem Vernehmen nach weiter hinter der Strategie, der Ertragserosion durch Neukundenwachstum entgegenzuwirken. Zumindest im Privatkundengeschäft scheint diese Rechnung auch einigermaßen aufzugehen. Hier legten die Erträge im zweiten Quartal zu.”Wenn es Anpassungen im Filialnetz geben wird, dann eher nicht aus Kostengründen”, sagte ein Insider der Börsen-Zeitung. Vielmehr werde es um eine Optimierung gehen. Da vielerorts Personal fehle, um lange Öffnungszeiten zu gewährleisten, sei es denkbar, dass die Commerzbank sich auf den Ausbau stark frequentierter Filialen konzentrieren werde. Unter 800 bis 850 werde die Zahl der Filialen jedoch kaum sinken, weil dies substanzielle Ertragsrückgänge mit sich bringen dürfte.Angesichts des schrumpfenden Börsenwerts wächst jedoch der Druck der Investoren. Um darauf eine Antwort zu finden, werde sich ein Stellenabbau vermutlich kaum umgehen lassen, hieß es in den Kreisen. Da in der Fläche angesichts der ohnehin knappen Kapazitäten für Kürzungen kaum Spielraum bestehe, wenn man kein Geschäft verlieren wolle, seien nun die rund 9 800 Mitarbeiter im Commerzbank-Turm im Frankfurter Bankenviertel ins Zentrum der Diskussion gerückt.Konkret gehe es um Stabsstellen, die nach dem Ausstieg aus dem Investment Banking und der Schiffsfinanzierung überflüssig geworden seien, sowie um Tätigkeiten im Back Office, die durch die Digitalisierung von einfachen Vorgängen nicht mehr gebraucht würden. Weiteres Kürzungspotenzial wird in der Personalabteilung vermutet. Diese hatte in den vergangenen Jahren sehr viel mit der Umsetzung des beinahe abgeschlossenen Abbaus von 9 600 Stellen zu tun. Um die verbleibenden Mitarbeiter zu betreuen, braucht man jedoch weniger Personaler. Dem Vernehmen nach hat die Arbeitnehmerseite für diese geplanten Kürzungen im Bereich der Verwaltung bereits Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Norweger kaufen nachUnterdessen hat die Commerzbank im Vorfeld des Strategiedialogs Vertrauensvorschuss von einem ihrer größten Anteilseigner erhalten. Wie am Donnerstag bekannt wurde, hat der norwegische Staatsfonds die jüngsten Tiefststände genutzt, um seine Beteiligung auszubauen. Demnach erhöhte der Investor seine Beteiligung von zuletzt 2,5 % auf 3,1 %. Wie die Commerzbank auf Anfrage mitteilte, reduzierte sich der Anteil der institutionellen Investoren dadurch von rund 55 % auf 52 %. Die Norweger sind damit nach dem Bund und den Finanzinvestoren BlackRock und Cerberus viertgrößter Einzelaktionär des in der Finanzkrise teilverstaatlichten Instituts. Dem gebeutelten Aktienkurs tat dieser Vertrauensbeweis gut: Die Papiere schlossen am Donnerstag 2,3 % fester bei 5,05 Euro.