Domingues-Rücktritt stürzt Staatsbank CGD in die Krise
ths – Portugals Regierung will noch diese Woche einen Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden der Caixa Geral de Depósitos (CGD), António Domingues, finden, wie Ministerpräsident António Costa am Montag versichert hat. Domingues war am Sonntag nach nur drei Monaten im Amt vom Vorsitz der größten Bank des Landes zurückgetreten. Am Montag folgten diesem Schritt sechs weitere Mitglieder des Aufsichtsrats des staatlichen Geldinstituts.Vorangegangen war ein wochenlanger öffentlicher Streit über die Offenlegung der Bezüge und Vermögen des Führungspersonals von CGD. Hohe Angestellte staatlicher Unternehmen sind zu dieser Transparenz verpflichtet. Doch Domingues fühlte sich nach einer vermeintlichen Abmachung mit Finanzminister Mário Centeno, als dieser ihn im Sommer von der Privatbank BPI zu CGD holte, nicht daran gebunden, ebenso wenig wie die anderen Führungskräfte, die der 60-jährige Banker zu dem öffentlichen Kreditinstitut mitbrachte.Die sozialistische Minderheitsregierung von Costa hielt bis zuletzt gegen die zunehmende Kritik der anderen Parteien und der Medien an Domingues fest. Doch letzten Freitag stimmte der Linke Block (BE), einer der Partner der Regierung, mit der konservativen Opposition für eine gesetzliche Regelung, wonach die Vorstände und Aufsichtsräte von CGD unmissverständlich ihre persönlichen Finanzen den Behörden zugänglich machen müssen. Domingues, der in seinen zahlreichen beruflichen Stationen in der Finanzbranche früher auch einmal bei der portugiesischen Notenbank tätig war, zog die Konsequenzen und trat zurück.Die Personalkrise bei CGD kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da das Management gerade dabei war, eine umfangreiche Rekapitalisierung des angeschlagenen Geldinstituts durchzuführen. Die Regierung hatte sich im Sommer mit der Europäischen Kommission auf einen Plan verständigt, um CGD mit rund 5 Mrd. Euro unter die Arme zu greifen. Etwas mehr als die Hälfte dieses Betrags entfällt auf direkte neue Staatshilfen. 1 Mrd. Euro muss das Kreditinstitut durch Anleihen am Markt aufbringen, eine Bedingung Brüssels, damit der Plan nicht als Staatshilfe angesehen wird. Der Rest entfällt auf Wandelanleihen und andere Finanzinstrumente.Nach einer Verzögerung sollte der Plan eigentlich zu Beginn des neuen Jahres ausgerollt und eine erste Tranche von 500 Mill. Euro in nachrangigen Anleihen am Markt platziert werden. Die Regierung in Lissabon hofft nun, dass der erneute Wechsel an der Führungsspitze von CGD die bereits mit Brüssel vereinbarten Pläne nicht beeinträchtigen wird.