Kryptowährungen

DWP Bank führt Bitcoin-Konto mit MLP ein

Mehr als ein Jahr werkelte die DWP Bank an einem Bitcoin-Konto, das Banken und Sparkassen ihren Kunden anbieten können. Als erste Adresse führt nun der Finanzdienstleister MLP das Angebot ein.

DWP Bank führt Bitcoin-Konto mit MLP ein

jsc Frankfurt

Das geplante Bitcoin-Konto der DWP Bank nähert sich der Ziellinie: Die Infrastrukturanbieterin für Wertpapierdepots von rund 1200 Banken und Sparkassen sucht in einem ersten Schritt den Schulterschluss mit dem Finanzvertrieb und Vermögensverwalter MLP, der das Angebot in einem Pilotprojekt bereits erprobte und im zweitem Halbjahr dieses Jahres mit dem Bitcoin-Konto an die Kunden herantreten möchte, wie die Gesellschaften am Mittwoch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt erklärten.

Die Plattform „wpNex“ der DWP Bank soll eine direkte Schnittstelle schaffen. Kunden sind Banken und Sparkassen, die auf diese Weise ihren Privatkunden den Zugang zu Bitcoin und anderen Kryptowährungen ermöglichen können. Die Endkunden brauchen dabei kein separates Zahlungskonto und können über ihren gewöhnlichen Bankzugang Bitcoin-Anteile kaufen. Ziel sei es, die „alte Welt“ des traditionellen Wertpapiergeschäfts mit der „neuen Welt“ des Handels mit digitalen Vermögenswerten zu verknüpfen, erklärte Sascha Dölker, Bereichsleiter für Digitalisierungsmanagement der DWP Bank. Die Plattform könnte bei Bedarf breit ausgerollt werden, denn insgesamt betreut die Bank 5,6 Millionen Wertpapierdepots. Ursprünglich hatte das Institut ein Angebot bereits Ende vergangenen Jahres auf die Beine stellen wollen.

Für die Pilottransaktion wählten die Partner die Kryptowährung Bitcoin aus, weitere digitale Vermögenswerte sollen aber folgen. Neben MLP sei die DWP Bank auch mit weiteren Adressen im Gespräch, sagte Dölker. Im Lager der Kreditgenossenschaften plane das Institut, das Angebot um die Jahreswende 2023/2024 mit der DZ Bank einzuführen.

MLP wiederum sieht in Krypto­assets das Potenzial, „Kapitalmärkte und Finanzsysteme grundlegend zu verändern“, wie Paul Utzat, Bereichsleiter für Konto und Wertpapierabwicklung bei MLP Banking, sagte. Das Angebot soll zunächst beratungsfrei sei. Allerdings schule das Unternehmen die Berater, um für Fragen gewappnet zu sein. Eine Beratung zu Kryptoanlagen könne folgen, wenn MLP das Angebot ausbaue. Möglich sei eine Investition bereits mit kleinen Beträgen. Der Preis für die Dienstleistung wird laut Utzat „marktüblich“ sein, konkrete Zahlen nannte er dabei nicht.

Die Börsenorder wird über das Bankhaus Scheich mit der Plattform Tradias (Trading Digital Assets) abgewickelt, verwahrt werden die Bitcoin-Bestände beim Fintech Tangany. Für Kunden sei es möglich, über ihre Hausbank zu investieren, ohne sich bei „meist ausländischen, unregulierten Plattformen zu regis­trieren“, wie Boris Ziganke, Chief Operating Officer beim Bankhaus Scheich, sagte. Eine „tiefe Integration“ des Kryptoangebots wie bei der DWP Bank sei in der Branche selten, sagte Martin Kreitmair, Managing Director von Tangany.

Sparkassen skeptisch

Die Kreditwirtschaft zeigt sich bisher gespalten: Während Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), im vergangenen Jahr die Kooperation zwischen DZ Bank und DWP Bank hervorhob, distanzierten sich Sparkassenpräsident Helmut Schleweis und sein mittlerweile designierter Nachfolger Ulrich Reuter von Bitcoin als Spekulationsobjekt. Zwar ist der Preis der Kryptowährung langfristig gestiegen, allerdings mit zeitweilig deutlichen Kursverlusten (siehe Grafik). Auch die Finanzaufsicht BaFin mahnt Banken zur Vorsicht.

Die DWP Bank zeigt sich um einen diplomatischen Ton bemüht. Mit dem Dienstleister der Finanzgruppe, der S-Payment, stehe die Bank im Austausch, sagte Dölker. Auch achte die Bank den Willen der Gruppe. „Wir sind Verbunddienstleister, und wir werden sicherlich nicht einzeln auf Sparkassen zugehen, sondern im Rahmen des Verbunds handeln.“

Die DWP Bank gehört jeweils hälftig den Kreditgenossenschaften und den Sparkassen und sitzt somit zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite tritt die DZ Bank als Eignerin auf, auf der anderen Seite der Sparkassenverband Westfalen-Lippe, der Rheinische Sparkassenverband und Helaba, BayernLB und DekaBank.

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