Ein Hoch auf die deutsche Kreditwirtschaft!
Von Jan Schrader, Frankfurt
Diese Banken hätten Potenzial, die Kreditwirtschaft auf den Kopf zu stellen: Die „CommScherz-Bank AG“, straff geführt von einer Gruppe junger Menschen vom Gymnasialen Schulzentrum Fritz Reuter aus Dömitz an der Elbe, zieht bestimmt bald in den MDax ein, wo sie, ungestört von einem chaotischen Aufsichtsrat, ein kleines Frankfurter Geldhaus rasch überholen dürfte. Die „Landesbank Deutschland“ – aufgepasst, Herr Schleweis! – wird ausgerechnet in Niedersachsen Realität: Nachdem andere Landesbanken und Sparkassenhäuser die Chance zur Fusion ein ums andere Mal verstreichen ließen, führt eine junge Truppe der Oberschule Bösel in der gleichnamigen Ortschaft mal eben ein neues Zentralinstitut ein. Apropos Landesbank: Mit „Omega 55“ hat ein ehemals öffentlich-rechtliches Haus nicht die beste Erfahrung gemacht, doch „Old Omega“ des Gymnasiums Horkesgath in Krefeld steht bestimmt für solides Geschäft.
Das alljährliche Planspiel „Schulbanker“ des Bankenverbands BdB bringt vermutlich auch den ein oder anderen hellen Kopf in der Bankenwelt hervor. In dem Spiel führen junge Menschen von der Schulbank aus ein virtuelles Geldhaus, legen Zinsen fest, analysieren Bilanzen, beobachten die Aktienmärkte und bringen neuerdings sogar einen Green Bond auf den Weg. Die 20 besten Schülergruppen traten im Finale an, gewonnen hat das Geldhaus „Mallet Banking International“ des Gymnasiums Brunsbüttel. Das Rennen war aber knapp, wie BdB-Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid wissen lässt. Die Börsen-Zeitung begleitet das Spiel als Medienpartnerin.
Wie im echten Leben
Krautscheid hatte bei der Moderation der Preisverleihung, die am Freitag digital stattfand, im Duett mit Julia Topar, Leiterin Finanzbildung, sichtlich Freude. „Ich weiß sehr genau von meinen Kindern, dass das gar nicht so selbstverständlich ist, im Schulbetrieb so etwas noch nebenbei zu machen“, sagt der Vater der privatwirtschaftlichen Bankenfamilie. Die digitale Arbeitsweise, so lässt er die per Video zugeschalteten Schülerinnen und Schüler samt zugehörigen Lehrkräften wissen, sei heute auch im echten Bankenleben normal. Digitales Arbeiten, immaterielle Werte, virtuelles Geld – allzu viel unterscheidet das Spiel nicht mehr von der realen Kreditwirtschaft.