EU-Marktaufsichtsbehörde

ESMA will Retail-Investoren stärker schützen

Die Digitalisierung bietet Anlegern die Chance, leichter an den Märkten zu investieren. Die EU-Marktaufsichtsbehörde ESMA sieht dabei aber auch signifikante Risiken.

ESMA will Retail-Investoren stärker schützen

ahe Brüssel

Die europäische Marktaufsichtsbehörde ESMA würde nach den Worten ihrer neuen Vorsitzenden Verena Ross ein stärkeres Engagement von Retail-Investoren auf den Finanzmärkten begrüßen. Ihr Haus unterstütze die EU-Kommission in diesem Jahr bei der Überprüfung der aktuellen Regelungen, sagte Ross am Dienstag auf einer Online-Finanzmarktkonferenz. Es gehe dabei auch darum, weitere Opportunitäten für Retail-Investoren auszuloten, die sich insbesondere im Zuge der Digitalisierung ergäben.

Ross warnte in diesem Zusammenhang allerdings auch vor „signifikanten Risiken“. Nicht allen Anlegern sei immer klar, bei welchen Finanzprodukten sie einen bestimmten regulatorischen Schutz hätten. Die ESMA-Chefin verwies in diesem Zusammenhang insbesondere auf Kryptoassets, die aktuell noch nicht in den europäischen Gesetzesrahmen einbezogen sind. Gefahren sieht Ross allerdings auch in Bezug auf Desinformationen, die insbesondere über Social-Media-Kanäle verbreitet werden. Sie verwies auf den Fall Gamestop im vergangenen Jahr, bei dem es auch über Social Media viele unerlaubte Anlageempfehlungen gegeben habe.

Es sei Aufgabe der ESMA, die Aufmerksamkeit der Investoren auf diese Gefahren zu lenken, betonte Ross. Sie verwies in diesem Zusammenhang auch allgemein auf das Risiko, dass es angesichts der aktuellen Unsicherheiten bei der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung in Europa zu einer Marktkorrektur kommen könnte. Dabei bestehe nicht nur die Sorge, ob die Märkte diese absorbieren könnten, sondern ob speziell auch Retail-Investoren auf eine solche Korrektur vorbereitet seien.

Bedarf für einen Schutz der Investoren sieht die ESMA-Chefin auch im Bereich der Nachhaltigkeit und bei ESG-Risiken. So liefen etwa Gespräche mit den nationalen Aufsichtsbehörden in der EU, um Greenwashing zu verhindern, sagte Ross. Es gebe ein großes Interesse an grünen Anlagen. Investoren bräuchten aber „klare und faire Informationen“ für ihre Anlageentscheidungen. Der EU-Gesetzesrahmen müsse dafür sorgen, dass Investoren nicht immer nur mehr Informationen, sondern die richtigen Informationen erhielten.

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