Investmentfonds

Fondsstandort Deutschland hat Luft nach oben

Die Anlagegesellschaft Universal Investment mahnt eine Überprüfung des grundlegenden Regelwerks für die Fondsbranche an. Immer noch würden Luxemburg und Irland Standortvorteile haben.

Fondsstandort Deutschland hat Luft nach oben

Fondsanbieter für mehr Flexibilisierung

Universal Investment mahnt gründliche Überarbeitung des KAGB an

wbr Frankurt

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB), eine Art Grundgesetz für das Fondsgeschäft, hat Universal Investment eine Überprüfung des Regelwerks angemahnt, wie es bei EU-Gesetzen Standard sei. Auf einer Veranstaltung am Mittwoch in Frankfurt machte sich die Fondsgesellschaft dafür stark, die Regeln stärker zu flexibilisieren.

Deutschland habe sich als Fondsstandort in den vergangenen Jahren gut geschlagen, so die Einschätzung der Gesellschaft. Doch die Konkurrenz aus Luxemburg und Irland schlafe nicht. Immerhin sei die BaFin mittlerweile deutlich schneller geworden. Doch immer noch seien insbesondere Luxemburger Produkte im Ausland bekannter und beliebter. „Das Ökosystem in Luxemburg ist deutlich agiler“, sagte Frank Egloff, zuständig für Regulierung bei Universal und sprich damit flexiblere Regulierung, geringere Steuerrestriktionen, aber auch eine größere Fehlertoleranz an.

Die Regierung in Luxemburg würde alles tun, um den Standort international zu positionieren, ergänzte Volker Kurr, Leiter institutionelles Europageschäft von LGIM. Im Vergleich zu Deutschland agiere Luxemburg sehr viel geschickter und würde zum Beispiel neue Vehikel erst einmal „über den Catwalk schicken“, um die Produkte zu testen. Er kritisierte im Gegenzug, dass die deutsche Finanzaufsicht den Anlegerschutz wie eine Monstranz vor sich hertrage und bei Publikumsfonds wie eine Verbraucherschutzbehörde agiere. Das sei bedauerlich, weil die Strahlkraft der BaFin grundsätzlich sehr hoch sei und man dem Pfund einer starken Aufsicht auch international wuchern könnte. Die BaFin würde bei bestimmten Anträgen in kürzerer Zeit entscheiden als beispielsweise die Aufsicht in Dublin.

Neue Regulierungsansätze begrüßt Universal Investment etwa im Bereich der erneuerbaren Energien, die im Investmentmodernisierungsgesetz angepackt wurden. Bemängelt werden dagegen die Regelungen für Infrastruktur-Sondervermögen, die 2021 in das KAGB aufgenommen wurden. Diese seien nicht praxistauglich und versuchten Infrastruktur-Assets mit Immobilien in der Bewertung von gleichzustellen.

Die Förderung der Digitalisierung im Fondsstandortgesetz sei zwar sinnvoll. Allerdings komme diese nur schleppend voran, etwa weil Meldeportale der BaFin weiterhin Probleme machten. Kritik gab es in dem Zusammenhang auch daran, dass das Fachwissen in Berlin in Bezug auf die Fondsindustrie nicht besonders ausgeprägt sei. Insgesamt sei eine grundsätzliche Überarbeitung des KAGB nach zehn Jahren aus Sicht von Universal Investment sinnvoll.

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