HCOB sorgt sich um Konjunktur

Wertberichtigungen wegen Brexit-Unsicherheit - Retail-Refinanzierung über Anlageplattform aufgegeben

HCOB sorgt sich um Konjunktur

Die Hamburg Commercial Bank erwartet 2019 weiterhin einen kleinen IFRS-Konzerngewinn vor Steuern. Das 2018 aus der Privatisierung der HSH Nordbank hervorgegangene Institut äußert Sorgen wegen der konjunkturellen Eintrübung in Deutschland, die mittelfristig angestrebten Ziele gelten aber nach wie vor. ste Hamburg – Die Hamburg Commercial Bank (HCOB), zeigt sich nach dem ersten Halbjahr 2019 weiter zuversichtlich, die Voraussetzungen für den Anfang 2022 angestrebten Übergang vom Sicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe in den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) rechtzeitig zu erfüllen. “Wir kommen mit unserer Transformation in allen Bereichen zügig voran”, sagte Stefan Ermisch, Vorstandschef der 2018 privatisierten HSH Nordbank, bei der Vorlage des Zwischenberichts zum 30. Juni.Die Repositionierung der HCOB sei gut gestartet, alle Maßnahmen zur Kostensenkung, Margenerhöhung und zum Bilanz- und Risikomanagement würden im Rahmen der mehrjährigen Transformation abgearbeitet. Von der zweiten Jahreshälfte an sowie im Verlauf des kommenden Jahres werde die positive Entwicklung auch im operativen Ergebnis klarer. Er sei überzeugt, so Ermisch, dass die Bank ihre Ziele erreichen werde. Dazu gehören neben einer mit 17 % bereits erreichten Kernkapitalquote von mindestens 16 % ein Aufwand-Ertrags-Verhältnis unter 40 % sowie eine Eigenkapitalrendite über 8 %. Um die Vorgaben zu erfüllen, hat die Bank einen Abbau auf rund 950 Stellen von Ende 2018 noch 1 716 Stellen eingeleitet, der im Jahresabschluss 2018 bereits mit Rückstellungen von 200 Mill. Euro unterlegt wurde.In einem Pressegespräch betonte Ermisch gestern die gegenwärtig “sehr schwierigen wirtschaftlichen Entwicklungen”, die man genau im Blick behalte. Gegebenenfalls würden Planungen angepasst. Mit einem Zinsanstieg, den die vor allem auf Deutschland ausgerichtete HCOB bei der Vorstellung ihrer mittelfristigen Finanzziele Ende 2018 unterstellt hatte, rechnet Ermisch in den kommenden drei bis fünf Jahren nun nicht mehr. Deutschland befinde sich in einer “wirtschaftspolitisch extrem schwierigen Lage”, Anpassungen seien angesichts von Rahmenbedingungen, die “wirklich nicht besonders gut sind”, notwendig. Dass die Refinanzierungskosten der geschrumpften Bank stärker sinken würden als angenommen, sei ein Ausgleich für die sich nicht bessernde Zinslandschaft, meinte Ermisch. Die Bank war im Mai erstmals seit rund einer Dekade wieder als Emittent einer 500 Mill. Euro-Benchmarkanleihe am Kapitalmarkt aufgetreten. Die Emission mit einem Orderbuch von über 1 Mrd. Euro habe deutlich besser als erwartet funktioniert, hieß es.Die im Herbst 2017 gestartete Initiative, die Refinanzierungsbasis zu verbreitern, indem über die von dem Fintech Deposit Solutions betriebene Anlageplattform Zinspilot Festgeldprodukte mit unterschiedlichen Laufzeiten und Verzinsungen angeboten werden, hat die HCOB inzwischen aufgegeben. “Wir haben eine Lernkurve hinter uns”, sagte der Vorstandschef, dieser Refinanzierungsweg sei “schlichtweg zu teuer” gewesen. Andere Optionen der Retail-Refinanzierung würden geprüft, aber ohne “zeitlichen Stress”. Ermisch sagte weiter, “froh” zu sein, dass die HCOB nicht im Retail Banking engagiert sei. Es gebe derzeit “nichts Unprofitableres” als das breite Privatkundengeschäft. Südwestbank “kein Thema”Eine Verbindung der HCOB mit der Stuttgarter Südwestbank, die vom 2. September an von dem bis Mitte 2016 amtierenden HSH-Nordbank-Chef Constantin von Oesterreich (66) geführt wird und die seit 2017 der österreichischen Bank Bawag gehört, die auch an der HCOB beteiligt ist, sei “kein Thema”. Die Bawag, an der die auch bei der HCOB beteiligten Finanzinvestoren Cerberus und Golden Tree Anteile von jeweils 26 % halten, will die Südwestbank als eine breitere Retail- und mittelständische Firmenkunden-Bank mit einem umfassenderen Angebot an Retailprodukten positionieren. Zu Spekulationen meinte der HCOB-Chef: “Das große Mosaik besteht nur in den Köpfen der Beobachter.”Wegen der Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem geplanten EU-Ausstieg Großbritanniens hat die HCOB Pauschalwertberichtigungen von rund 40 Mill. Euro im Immobilienkundengeschäft vorgenommen, sagte der HCOB-Chef. Er teilte zudem mit, die ausfallgefährdeten Engagements der Bank von insgesamt rund 800 Mill. Euro seien durch Wertberichtigungen einschließlich Sicherheiten vollständig abgedeckt. Die gute Kreditportfolioqualität wolle man sich erhalten. Bei einer Verschlechterung werde man frühzeitig einen Asset-Abbau angehen.Mit Blick auf das Schiffskreditgeschäft, das die mit der Privatisierung von Altlasten weitgehend befreite HCOB anders als die Nord/LB weiter betreiben will, sagte Ermisch, das Geschäft laufe sehr gut. Dabei bevorzugt die Bank weniger Neugeschäft als Refinanzierungen bestehender Kreditengagements. Ob sich Chancen für die Bank durch den Rückzug der Nord/LB ergeben könnte, ließ der HCOB-Chef offen. Interessant sei, dass Schiffsfinanzierung in Nachbarländern ein gut gepflegtes Geschäft sei. Deutsche Institute seien offenbar “die einzigen, die es nicht können”. Die HCOB betreibt Ermisch zufolge bis zu 60 % ihres Schiffskreditgeschäfts im Ausland, in Griechenland und Asien.