Britische Großbanken

HSBC verdoppelt Ergebnis

HSBC hat nach einem überraschend starken Quartal angekündigt, die Ausschüttungen an die Aktionäre wieder aufzunehmen. Im zweiten Quartal lagen allerdings auch die Kosten über den Markterwartungen.

HSBC verdoppelt Ergebnis

hip London

HSBC hat ihr Ergebnis im abgelaufenen Quartal mehr als verdoppelt. Dazu trug neben der wirtschaftlichen Erholung in den beiden wichtigsten Märkten Großbritannien und Hongkong auch die Auflösung von Rückstellungen für Problemkredite bei. Wie die britische Großbank mitteilt, stieg das bereinigte Vorsteuerergebnis auf 5,56 (i.V. 2,59) Mrd. Dollar und lag damit über den Markterwartungen. Sowohl auf dem Heimatmarkt als auch in der ehemaligen Kronkolonie brummt das Hypothekengeschäft und die Kunden machen wieder vermehrt von ihren Kreditkarten Gebrauch.

Kosten höher als erwartet

„Das sind gute Ergebnisse, in denen sich die Rückkehr des Wachstums in unsere Hauptmärkte und der Fortschritt bei der Ausführung unserer Strategie widerspiegeln“, sagte CEO Noel Quinn. Er sei zufrieden mit dem Schwung, der sich rund um die Wachstums- und Transformationsprogramme entwickelt habe. „Wir haben insbesondere Schritte unternommen, um die Zukunft unseres Geschäfts in Nordamerika und Kontinentaleuropa zu definieren und unsere Fähigkeiten im weltweiten Geschäft mit vermögenden Kunden auszubauen.“ Die Schwerpunktverlagerung nach Ostasien setze sich weiter fort. Allerdings bewegten sich auch die um 4 % gestiegenen Kosten oberhalb der Analystenschätzungen – in erster Linie wegen höherer Boni. Die leistungsbezogene Vergütung stieg um 367 Mill. Dollar, was einen Gutteil der Einsparungen durch das Kostensenkungsprogramm wieder aufhob. Im Kampf um die besten Mitarbeiter steht das Institut vor allem in Asien unter erheblichem Druck. Die Anteilseigner dürfen sich auf 7 Cent Dividende je Aktie für das abgelaufene Halbjahr freuen. Das Institut hatte die Ausschüttungen auf Weisung der britischen Bankenaufsicht während der Pandemie ausgesetzt. Nun werden sie wieder aufgenommen. Barclays, Lloyds Banking Group und Natwest hatten bereits in der vergangenen Woche angekündigt, wieder Dividenden zu zahlen. Das HSBC-Management will künftig zwischen 40 % und 55 % des Überschusses an die Aktionäre auskehren. „Die Dividende ist zurück, aber es ist nicht das Brot-und-Butter-Geschäft besserer Zinsmargen, das hinter dem steigenden Gewinn steht“, sagte Susannah Streeter, Analystin bei Hargreaves Lansdown. Die Erträge lagen um ein Zehntel unter Vorjahresniveau – Ausdruck des anhaltenden Niedrigzinsniveaus und der im Vorjahresvergleich schwächeren Handelsaktivität an den Kapitalmärkten. Doch das Institut löste im zweiten Quartal Rückstellungen im Volumen von 284 Mill. Dollar auf, nach 439 Mill. in den ersten drei Monaten. Ein Jahr zuvor hatte es noch 4,17 Mrd. für mögliche Kreditausfälle zurückgelegt. „Das war der wesentliche Treiber unserer verbesserten Rentabilität“, räumte Quinn ein. Auch bei den anderen britischen Großbanken, die bislang ihre Quartalsergebnisse vorlegten, polsterten aufgelöste Rückstellungen den Gewinn auf. Jefferies-Bankenexperte Joseph Dickerson hielt die im Vergleich zum Auftaktquartal um nur einen Basispunkt gesunkene Nettozinsmarge von 1,20 (1,33) % und Quinns Aussage, dass sich das Nettozinsergebnis stabilisiert habe, für die wichtigsten positiven Aussagen der Zahlen.

Zu den Schwachpunkten gehörte die Investment-Banking-Sparte GBM (Global Banking & Markets), deren Erträge um 23 % schrumpften. Das Aktiengeschäft stellte dabei den einzigen Lichtblick dar. Allerdings ist das Institut, anders als der Rivale Barclays, in den Vereinigten Staaten nicht besonders stark vertreten. HSBC war auch kein großer Player im dort boomenden Spac-Geschäft (Special Purpose Acquisition Company).

Die Pandemie bietet Großbanken wie HSBC auch Möglichkeiten, ihre Kosten zu senken. In den ersten sechs Monaten ist die Zahl der Vollzeitkräfte um rund 3 500 zurückgegangen. „Wo es möglich ist, bewegen wir uns zu einem hybriden Arbeitsmodell hin“, schrieb Quinn den Aktionären. „Das gibt unseren Mitarbeitern die Flexibilität, auf eine Art und Weise zu arbeiten, die ihnen und ihren Kunden gerecht wird.“ Die Bank hat nach eigenen Angaben die von ihr genutzte Bürofläche bereits um ein Zehntel reduziert. Bis Ende des Jahres soll sie um ein Fünftel geschrumpft sein.

Im Risikobericht findet sich auch ein Satz zum Brexit. Es könne länger dauern, bis sich die Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU beruhigten, heißt es dort. Es folgt eine beunruhigende Liste geopolitischer Themen, die sich auf das Geschäft der Gruppe auswirken könnten: die Entwicklungen in Hongkong, die US-Herangehensweise, China als strategischen Rivalen zu betrachten, Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen und zunehmende Spannungen zwischen der Volksrepublik und Großbritannien, der EU, Indien und anderen Ländern.

HSBC Holdings
Konzernzahlen nach IFRS
1. Halbjahr
in Mill. Dollar20212020
Erträge gesamt25 55126 745
Wertberichtigungen+ 719– 6 858
Operative Kosten17 08716 527
Vorsteuerergebnis10 8394 318
Nettoergebnis7 2761 977
Cost-Eff.-Ratio (%)66,961,8
Eigenkapitalrendite (%)8,42,4
Kernkapitalquote (%)15,615,0
Leverage Ratio (%)5,35,3
Bilanzsumme (Mrd.)2 9762 984*
*) per 31.12.2020Börsen-Zeitung
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