Insurtech Element sieht viel Potenzial
Das 2017 gegründete Insurtech Element hat sich eine breite Produktpalette aufgebaut. CEO Christian Macht traut sich jetzt an große Partnerschaften. Die angekündigte Internationalisierung rückt angesichts des großen Potenzials im Heimatmarkt etwas in den Hintergrund. Von Antje Kullrich, DüsseldorfDas Versicherungs-Start-up Element sieht sich auf Wachstumskurs. “Wir werden im kommenden Jahr erstmals einen zweistelligen Millionenbetrag an Beitragseinnahmen erzielen”, sagte Vorstandschef Christian Macht im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Das Insurtech, das im März 2017 von dem Berliner Inkubator Finleap gegründet wurde, entwickelt als B2B-Anbieter White-Label-Versicherungen. Kunden sind etablierte Versicherer, Finanzdienstleister oder Digitalunternehmen. Ihnen verspricht Element, in kurzer Zeit passgenaue Versicherungslösungen zu liefern.Das Unternehmen, an dem unter anderem die Signal Iduna beteiligt ist, hat bislang zehn Produktlinien gebaut und sie in 25 Anwendungen verkauft. Darunter sind auch eine Handvoll Testläufe und Demoversionen, wie Macht ausführte. Doch mehr als 15 Produkte seien echte Umsatzbringer. Element selbst ist überall Risikoträger. Der Rückversicherungsanteil des noch kleinen Unternehmens ist laut Macht entsprechend hoch.Elements Produktpalette ist in den vergangenen beiden Jahren stark gewachsen. Angefangen hatte das Start-up öffentlichkeitswirksam mit der “Versicherung09”, einem für Fans von Borussia Dortmund entwickelten Hausrat- und Haftpflichtschutz mit PR-Gimmicks wie Frustpauschale bei verpasstem Spiel und einer Torprämie. Partnerin und Kapitalgeberin Signal Iduna ist Hauptsponsorin des BVB.Mittlerweile ist das Spektrum deutlich breiter: Element hat einen Cyberschutz für Privatkunden und kleine Unternehmen gebaut, eine Flugverspätungsversicherung, private Unfallversicherung und Garantieverlängerung.Ein Schwerpunkt liegt mittlerweile auf Produkten im Kfz-Umfeld. Mit dem Garantiespezialisten Intec entwickelt Element Versicherungslösungen für den Gebrauchtwagenhandel. Im kommenden Jahr soll die Kooperation bereits Beitragseinnahmen im mittleren einstelligen Millionenbereich generieren. Der namhafteste Partner in diesem Bereich heißt jedoch Volkswagen Financial Services. Element hat eine Versicherung konzipiert, die Autofahrern unter anderem einen Kurzzeitschutz bietet, wenn sie ihr Auto an Freunde verleihen. “Wir werden mit Volkswagen weitere Produkte auf den Markt bringen”, kündigte Macht an.Element traut sich mittlerweile einiges zu: “Wir fühlen uns technologisch und von der Projektkompetenz her stark genug, auch größere Partnerschaften einzugehen”, erläuterte Macht. “Etablierte Unternehmen haben keine Vorbehalte mehr gegen jüngere Anbieter. Versicherungsvorstände sind sehr offen. Wir sind erstaunt, wie groß das Potenzial ist, über das wir gerade reden.”Für die weitere Entwicklung braucht Element Geld. Das Insurtech hat bislang insgesamt rund 40 Mill. Euro Kapital erhalten. In der jüngsten Series-A-Runde im November 2018 gaben Investoren wie Engel & Völkers Capital, SBI Investment, SBI Insurance und die spanische Alma Mundi Ventures sowie erneut Signal Iduna und Finleap 29 Mill. Euro. “Es wird eine weitere Finanzierungsrunde geben”, kündigte Macht an. “Das wird wohl kein Jahr mehr dauern.” Ein bisschen ins AuslandDer CEO und Digitalisierungsexperte, der vor seinem Wechsel zu Element Deutschland-Chef des Online-Händlers Rakuten war, hält das Potenzial im deutschen Heimatmarkt für riesig. Das hat die Prioritäten etwas verschoben, die angekündigte Internationalisierung spielt derzeit eine weniger gewichtige Rolle – auch weil die rechtlichen Abstimmungen komplexer waren als gedacht. “Wir werden demnächst zwei Länder aktiv angehen”, sagte Macht, der das Auslandsgeschäft jedoch eher opportunistisch sieht. Ein Partner hat schon in Deutschland mit Element kooperiert. Mit dem ersten Produkt in einem europäischen Auslandsmarkt wird es jedoch wohl erst 2020 etwas werden.