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Knof zieht die Macht im Vorstand an sich

Von Silke Stoltenberg, Frankfurt Börsen-Zeitung, 6.1.2021 Der neue Chef der Commerzbank, Manfred Knof, hat gleich zu seinem Amtsantritt zu Jahresbeginn die entscheidenden Fäden an sich gezogen. Wie aus internen Mitteilungen an die Mitarbeiter...

Knof zieht die Macht im Vorstand an sich

Von Silke Stoltenberg, FrankfurtDer neue Chef der Commerzbank, Manfred Knof, hat gleich zu seinem Amtsantritt zu Jahresbeginn die entscheidenden Fäden an sich gezogen. Wie aus internen Mitteilungen an die Mitarbeiter hervorgeht, bündelt er die Bereiche Strategie, Transformation und Nachhaltigkeit in einem neuen Executive-Bereich Group Strategy, Transformation & Sustainability (GM-STS). Damit sichert sich Knof eine größere Machtposition bei dem so dringend nötigen Umbau und kündigte sogleich auch weitere harte Einschnitte an (vgl. BZ vom 5. Januar).Bislang war die Strategie im Zuständigkeitsbereich von Jörg Hessenmüller angesiedelt gewesen, der das Vorstandsressort Group Services verantwortet. Außerdem zieht Knof, der bislang das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank leitete, den Research-Bereich unter Chefvolkswirt Dr. Jörg Krämer an sich. Dieser Bereich fiel bisher in die Zuständigkeit von Firmenkundenvorstand Michael Kotzbauer. Komplett neuer BereichDie Leitung des neuen Strategie-Bereichs übernimmt Holger Schulte, bislang Bereichsleiter Group Credit Risk Management. Der 50-Jährige ist seit 2016 zuständig für die Risiken im Segment Privat- und Unternehmerkunden und verantwortete zudem im Firmenkundenbereich die Kredite bis 5 Mill. Euro sowie das Sicherheitenmanagement. Schulte startete seine Berufslaufbahn 1998 bei der Unternehmensberatung Andersen Consulting und wechselte 2004 zur Dresdner Bank. Dort verantwortete er zunächst verschiedene Projekte mit Schwerpunkt auf Kreditprozessen, darunter die Zusammenführung der problembehafteten Kreditportfolien bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank. “Die konsequente Umsetzung unserer Strategie steht für mich an erster Stelle. Daher ist mir wichtig, dass dieser Bereich direkt an mich berichtet”, betont Knof in der Mitteilung an die Mitarbeiter zum neuen Executive-Bereich Group Strategy, Transformation & Sustainability. “Auch das Thema Nachhaltigkeit wird künftig eine zentrale Rolle spielen. Holger Schulte ist eine umsetzungsstarke Führungspersönlichkeit, die uns helfen wird, unsere Ziele zu erreichen.”Außerdem hat sich Knof im CEO-Bereich auch ein CEO-Office unter Leitung von Andreas Thiessen (44) als Chief of Staff eingerichtet. Dieser, bislang Bereichsleiter Strategic Corporate Finance, solle als “rechte Hand des CEO agieren und ihn in allen wichtigen Fragen beraten und unterstützen”, hieß es. Knof hob hervor, er schätze an Thiessen “sein ausgeprägtes Gespür für die Lösung kritischer Situationen”. Zuständigkeiten neu verteiltZudem gab es noch weitere Veränderungen auf Vorstandsebene. Finanzvorständin Bettina Orlopp (50) erhält als neuen Bereich auch die Zuständigkeit für Fusionen und Übernahmen. Der Bereich Mergers & Acquisitions war bislang ebenfalls im Beritt von Hessenmüller angesiedelt gewesen, der damit eine weitere Zuständigkeit abgibt. Im Gegenzug erhält er die Zuständigkeit für Corporate Clients Platforms von Kotzbauer sowie für die Aktiv-/Passiv-Steuerung von Orlopp.Des Weiteren wurden zwei bislang interimistisch verteilte Vorstandsposten dauerhaft zugeteilt. Zum einen bekommt damit Sabine Schmittroth (55) endgültig den Zuschlag für das Segment Privat- und Unternehmerkunden. Zum anderen verbleibt der Bereich Group Compliance dauerhaft in der Zuständigkeit von Chief Risk Officer Marcus Chromik (48). Strategieplan in KürzeKnof (55) will beim Umbau des Instituts keine Zeit verlieren. “Im ersten Quartal werden Ihnen mein Vorstandsteam und ich die strategischen Leitplanken für die kommenden Jahre vorstellen”, schreibt Knof in einem Brief an die Mitarbeiter. “Kern der Strategie wird sein, die Bank nachhaltig profitabler zu machen. Nur wenn uns das gelingt, können wir unsere Zukunft selbst gestalten.” Es wird erwartet, dass Knof seine Strategie bei der für den 10. Februar angesetzten Aufsichtsratssitzung präsentiert. Den Mitarbeitern gegenüber kündigte er weitere “harte Entscheidungen” an. Schon bislang plant die Bank einen Abbau von 2 300 Stellen bis 2024.